21.05.2013 12:00 Merkliste 0

Besuch des Kindergartens Rezept für sozialen Aufstieg

07.02.2013 | 14:49 |   (DiePresse.com)

Kinder erreichen in Österreich nur selten einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern. Wer einen Kindergarten besucht, hat bessere Karten.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die soziale Mobilität zwischen den Generationen ist in Österreich nur gering: Im Vergleich zu ihren Eltern erreichen die Kinder selten einen höheren bzw. niedrigeren Bildungsabschluss bzw. sozioökonomischen Status, wie eine Untersuchung unter der Leitung des Ökonomen Wilfried Altzinger von der WU Wien zeigt. In Sachen Bildung ist diese Immobilität sogar noch stärker ausgeprägt als bei der ökonomischen Situation, besonders stark ist sie bei Migranten.

Rezept für den Aufstieg

Als Rezept für den Aufstieg wird in der Studie der Besuch von vorschulischen Einrichtungen herausgestrichen. So wurde ein positiver Zusammenhang sowohl zwischen Bildungsniveau als auch finanziellem Hintergrund mit dem Besuch etwa eines Kindergartens oder einer ähnlichen Einrichtung festgestellt. So besuchen nur ein Drittel der Kinder von Eltern mit höchstens Pflichtschulabschluss eine vorschulische Einrichtung, während diese Rate bei Kindern von Eltern mit akademischem Abschluss bei 84 Prozent liegt. Außerdem schaffen es ehemalige Kindergartenkinder überdurchschnittlich häufig in eine AHS und weisen signifikant höhere Bildungs- und Einkommensniveaus aus.

Herkunft, Bildung und Einkommen

Für die Studie verwendeten die Ökonomen Datensätze der EU-Haushaltserhebung SILC, mit der jährlich Informationen über die Lebensbedingungen der Privathaushalte in der Europäischen Union gesammelt werden, und analysierten den Zusammenhang von familiärer Herkunft, Bildung und Einkommen über zwei Generationen in Österreich. Die Auswertung erfolgte dabei hinsichtlich Geschlecht, Alter und Migrationshintergrund.

Wer in finanziell schwierigen Verhältnissen aufgewachsen ist, findet sich selbst deutlich häufiger in den unteren Einkommensklassen wieder - und umgekehrt: Wer aus einem gut situierten Elternhaus stammt, kommt auch selbst deutlich häufiger in die obersten Einkommensgruppen. So zeigte sich etwa, dass für ältere Männer (45 bis 59 Jahre) der Unterschied zwischen einer Herkunft aus "sehr schwierigen finanziellen Verhältnissen" zu einer Herkunft aus "sehr guten finanziellen Verhältnissen" eine Differenz von rund 15.000 Euro beim Netto-Jahreseinkommen ausmacht.

Noch beträchtlicher ist die Immobilität in Sachen Bildung, wobei für die Untersuchung eine vierteilige "Bildungsskala" herangezogen wurde. Kategorie 1 bedeutete dabei "maximal Pflichtschulabschluss", 2 den Abschluss einer Lehre, mittleren Schule, Krankenpflegeschule oder einen Meister-/Werkmeisterabschluss, 3 Matura und 4 einen akademischen Abschluss. Der durchschnittliche Bildungsgrad beträgt für Österreich 2,31 - Kinder aus schwierigen ökonomischen Verhältnissen erreichen nur einen Wert von 1,94, Kinder mit sehr gutem ökonomischen Background weisen einen Wert von 2,74 auf.

Geringe Aufstiegsmöglichkeiten von Migranten

"Besonders stark ausgeprägt ist die Persistenz von Bildung und ökonomischer Situation bei Personen mit Migrationshintergrund", heißt es in der Studie. Zentral dafür seien die geringen Aufstiegsmöglichkeiten von Migranten in Bezug auf das Bildungsniveau. So kommen beispielsweise 48 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund aus einem Elternhaus mit maximal Pflichtschulabschluss, während dies für "Einheimische" nur für 33 Prozent zutrifft. Darüber hinaus weisen die Befragten aus den niedrig gebildeten Elternhaushalten, wenn sie keinen Migrationshintergrund besitzen, nur zu 23 Prozent lediglich einen Pflichtschulabschluss auf, während Personen aus niedrig gebildeten Elternhaushalten mit Migrationshintergrund zu 49 Prozent nur einen Pflichtschulabschluss haben. Dies bedeutet, dass die Bildungsmobilität bei Personen mit Migrationshintergrund wesentlich geringer ist als bei jenen ohne.

Ab dem Frühjahr sollen auch Daten aus den anderen EU-Staaten vorliegen, womit ein internationaler Vergleich möglich wird.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

20 Kommentare
0 0

Ja auslagern

Ist eben modern ,vor allem ist wenn es nicht so klappt wie erwünsch immer ein andere/er Schuld.
Wie praktisch.

0 0

Und so sieht es in der Realität aus.

http://www.youtube.com/watch?v=ZeWOKOpNNFM
Bildung hilft ? Die Frage ist wem ???

Kinder erreichen in Österreich nur selten einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern.

habe in den 60-ern meine schulkarriere begonnen und ALLE 14, die mit mir das gymnasium abgeschlossen haben, haben mehr karriere gemacht als ihre eltern. mein vater hs-lehrer-ich promotion, mein nachbar bauernssohn-gymnasiallehrer, ein weiterer kommilitone: vater finanzbeamter, sohn arzt, usw.
auch den zusammenhang kindergarten-sozialer aufstieg ist zu bezweifeln: geben sie mir einen halben tag zum googeln und ich beweise das gegenteil.

Re: Kinder erreichen in Österreich nur selten einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern.

studie lesen hilft manchmal...kinder können durchaus einen höheren abschluss erreichen - aber wie sie selbst treffend bemerkt haben haben seit den 60ern zum glück fast alle menschen in diesem land ein höheres bildungsniveau.

und jetzt zählen wir eins und eins zusammen: wenn alle kinder ein höheres level an bildung haben als die eltern, der sohn des bauern nun lehrer ist und der des finanzbeamten arzt, dann wird man wohl zustimmen, dass der arzt gesellschaftlich und einkommenstechnisch deutlich besser dasteht als der lehrer, ebenso wie bereits bei den eltern die selbe hierarchie existierte...

zum kindergarten: googeln sie doch bitte, auch gerne mehr als einen halben tag, ich möchte gerne sehen wieviele beiträge sie dazu finden dass kindergarten nichts zum sozialen aufstieg beiträgt - und dann googeln sie 5min das gegenteil, sie werden überrascht sein ;)

1 1

aus der Kirchenhörigkeit in den Klostefschulen

ist eine selbstverständliche Staatshörigkeit, regional eine Parteihörigkeit geworden. Der Zwangskindergarten ist mir, liberal, nicht freiheitlich, ein Gräuel.

Korrelation sagt nichts aus über Ursache

Statistiken können sehr informativ sein, wenn man sie richtig interpretiert.
Mich stört, dass niemals konkrete Zahlen genannt werden, dass man stets nur die Interpretation lesen kann, wenn in Zeitungsartikeln Ergebnisse von Statistiken besprochen werden.

Re: Korrelation sagt nichts aus über Ursache

http://epub.wu.ac.at/3778/

Ursächlicher Zusammenhang?


Ist es nicht eher so, dass bildungsnahe Schichten einerseits auf die (Aus)Bildung ihrer Kinder Wert legen UND die Kinder oft in den Kindergarten geben (müssen), weil Vater und Mutter einem Beruf nachgehen? Dass diese Kinder später erfolgreicher sind, WEIL sie im Kindergarten waren, muss mir erst jemand beweisen.


3 1

Re: Ursächlicher Zusammenhang?

Was ihr Sozis alleweil mit euren Schichten habt. :-(

Und meint es nicht einmal humorvoll.

Re: Re: Ursächlicher Zusammenhang?

Meine Aussage bezog sich sachlich auf die Statistik. Ich verbitte mir jede politische Interpretation.

Und nein, ich meine das hier auch nicht humorvoll.

0 5

tja

Legitimierung fuer Rassismus und Nationalsozialismus - ich mag das nicht! HA HA

Ich kann es nicht glauben!

Ich habe an meine Familie gedacht, auch an das soziale Umfeld in Österreich und in diesen Bereichen vollkommen andere Beobachtungen gemacht. Die Beobachtungen betreffen die letzten 50 Jahre. In fast allen Fällen haben die Nachkommen einen höheren Bildungsabschluss geschafft, also diametral zur Aussage.

Es gab Einzelfälle, welche als Problemkinder eingestuft werden könnten, die haben dann aber alle deren Weg sehr ordentlich gemacht, meist sogar sehr erfolgreich.

Irgendwann wird es aber so, dass es kaum mehr sinnvoll zu toppen ist.

Warum die WU eine soziologische Studie macht, das liegt wohl an der Unterstützung der Partei, welcher das Posterl zu verdanken ist, oder?

Ich glaub der Studie gar nichts!

Re: Ich kann es nicht glauben!

...ich kenne unglaublich viele menschen, die ihr leben lang geraucht haben und trotzdem über 90 sind! rauchen ist also nicht schädlich! alle studien, die das widerlegen sind folglich blödsinn!

Re: Re: Ich kann es nicht glauben!

Rauchen und alte Menschen haben mit der Studie genau NICHTS zu tun!

Können Sie die Qualität Ihres Kommentars erkennen?

Re: Re: Re: Ich kann es nicht glauben!

sie schließen aus ihren persönlichen beobachtungen auf die invalidität der studie. mein raucherbeispiel war als analogie dazu gemeint. d.h. persönliche beobachtungen und daraus abgeleitete schlussfolgerungen sind nicht dazu geeignet, ergebnisse statistischer analysen zu widerlegen.

Re: Re: Re: Re: Ich kann es nicht glauben!

Soziologische Ergebnisse von WU Analysen erscheinen doch prinzipiell suspekt.

Wenn dann der Kindergarten, der verpflichtende Kindergarten, für den Ausbildungslevel von 30jährigen verantwortlich gemacht wird, dann ist eine statistische Analyse, welche Suizid gemacht hat.

Ich bin weiter der Meinung, dass es eine Arbeit zur Unterstützung einer grausigen Propganda war. Es ist eine Propganda, welche voll gegen den Sinn der Menchenrechte gerichtet ist. Das zentrale Element ist Freiheit und genau diese Freiheit wird von den Ideologen immer mehr genommen.

Re: Re: Re: Ich kann es nicht glauben!


Blödsinn!

Kollege von mir kommt aus einer Bauernfamilie, ist jetzt dr.mont. Di und träger des Rektor platzer Rings.

mein grossvater war Bauer, 3 von 4 söhne sind dr. bzw Di.
tochter vom 4ten (Tischler Bauer) ist Di, Sohn studiert Mathematik.

Oma von der Freundin wurde als donauschwabe im viehwagon vertrieben, arbeitete im "Camp" als Näherin. Sie kann die "Herren" der votivkirche nicht verstehen, sie lebte 4 jahre ungeheizt in einer hütte! Sohn ist Rektor, 3/4 der enkerl auf der Uni.

aber nein, bildungstechnisch ist "kein Aufstieg möglich"...

Re: Blödsinn!

es behauptet niemand in der studie, dass es 100% nicht schaffen!

ist so wie beim rauchen: rauchen verursacht krebs, heisst auch nicht, dass 100% aller raucher zwingend an krebs erkranken. und jeder von uns kennt eine menge leute, die ihr leben lang geraucht haben und trotzdem x-jahre geworden sind. trotzdem ist nicht zu leugnen, dass rauchen die wahrscheinlichkeit, an krebs zu erkranken, signifikant erhöht.

6 2

Was verschwiegen wird, in der EU:

Die Berufstätigkeit einer Mutter aus Mittel- und Oberschichtfamilien ist schlecht für die Entwicklung eines Kindes. Das kann man im neuesten deutschen Familienbericht (Seite 102) lesen (in Österreich wagt man sich gar nicht an solche Fragen heran). Dem Kind entgeht durch die außerfamiliäre Betreuung die Bildung und Erziehung durch seine gut gebildete und erziehungskompetente Mutter. Hinter deren Leistung bleibt das Bildungsangebot in Kindergärten weit zurück. Bei Migranten- und Unterschichtfamilien ist die Wirkung einer solchen Betreuung hingegen eindeutig positiv.
Die von der Politik, auch der EU so stark geförderte außerfamiliäre Betreuung von Kindern unter drei Jahren wird in Deutschland von Müttern mit Migrationshintergrund viel seltener benutzt als von anderen. Dabei begründet die Politik die teuren Kleinkinderbetreuungseinrichtungen vor allem damit, dass man Migrantenkinder so besser in den Bildungsprozess einbinden kann. Dafür werden diese Betreuungsstrukturen vor allem von besser gebildeten Müttern genutzt. (gleicher Familienbericht, Seite 99f).
Ein Zitat, dass die letztgenannten Punkte unterstreicht: „Kleinkinder dauerhaftem Stress auszusetzen, ist unethisch, verstößt gegen Menschenrecht, macht akut und chronisch krank. Dieses Wissen hindert die Bundesregierung und Wirtschaftsverbände nicht daran, die Erhöhung der Zahl der außerfamiliären Betreuungsplätze zum Ausweis moderner Familienpolitik zu stilisieren.“ So der deutsche Kinder- und Jugendarzt Rainer Böhm.

Schlagzeilen Bildung