Höhere Schulen: 2500 Lehrer nutzen Zeitkonto

Lehrer lassen sich Überstunden gutschreiben. Die Innenministerin kann sich das auch für die Exekutive vorstellen.

Hoehere Schulen 2500 Lehrer
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Hoehere Schulen 2500 Lehrer
(Clemens Fabry)

Wien. Es ist nicht gerade ein Massenansturm, aber in Summe gut 2500 Lehrerinnen und Lehrer im Bundesbereich, also an AHS und BMHS, haben sich seit 2009 statt der Auszahlung von Überstunden lieber die Zeit gutschreiben lassen. Was vielfach in Vergessenheit geraten ist: Diese Möglichkeit ist Teil des Sparpakets, das im Frühjahr 2009 beschlossen worden ist. Zuvor ist Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) mit dem Plan, Lehrer sollten zwei Stunden länger unterrichten, am Widerstand der Lehrergewerkschaft gescheitert. Gerade dieser Tage ist die Arbeitszeit künftiger Lehrer erneut der zentrale Punkt der Verhandlungen zwischen der Regierung und der Lehrergewerkschaft. Es geht um ein neues Dienstrecht und Besoldungsschema.

Immerhin ist die Zahl jener Lehrerinnen und Lehrer, die sich ihre Überstunden gutschreiben lassen, gestiegen. Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen für das Schuljahr 2011/12 haben 1601 Lehrer(innen) dieses Modell in Anspruch genommen. Im Jahr davor waren es 952 Personen bei einem Personalstand von knapp 40.000 Lehrkräften an den Bundesschulen. Dazu kommen weitere rund 75.000 sogenannte „Landeslehrer“, die bundesweit an Volks- und Hauptschulen unterrichten.

 

Berichtspflicht an den Ministerrat

Dabei wird die Abgeltung für Mehrdienstleistungen (Überstunden) nicht wie sonst üblich mit dem Gehalt ausbezahlt, sondern auf einem Zeitwertkonto gutgeschrieben. Die „Abbuchung“ erfolgt später in Form einer Freistellung von der regelmäßigen Lehrverpflichtung im Ausmaß von 50 bis 100 Prozent. Diese Freizeit kann dabei blockweise im Lauf des Berufslebens oder unmittelbar vor der Pensionierung genützt werden.

Die jetzigen genauen Daten beruhen auf Berichten von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) an den Ministerrat, die der „Presse“ vorliegen. Die Ressortchefin wurde bei der Abmachung 2009 verpflichtet, jährlich im Einvernehmen mit dem Bundeskanzler – tatsächlich ist es die für den öffentlichen Dienst zuständige Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) – ihren Regierungskollegen die Entwicklung des Zeitkontos schriftlich mitzuteilen.

 

Im Gegenzug gibt es auch Neuaufnahmen

Für detaillierte Schlussfolgerungen ist es laut Unterrichtsressort allerdings noch zu früh. Die Einsparungen reduzieren sich jedenfalls dadurch, dass dann, wenn Lehrer ihr Zeitguthaben konsumieren, im entsprechenden Ausmaß neue Lehrer aufgenommen werden. Ein finanzieller Vorteil für den Staat entsteht allerdings dadurch, dass junge Lehrer wegen ihres im Vergleich viel niedrigeren Monatsgehalts billiger sind als lang gediente Pädagogen.

Schmied hat die Angaben zum Zeitwertkonto in ihren Berichten an die Regierung möglichst penibel gestaltet. Im vergangenen Schuljahr kam demnach fast die Hälfte jener Lehrer, die vom Zeitwertkonto Gebrauch machten, aus einem Gymnasium (AHS), nämlich 803, weitere 634 kamen aus einer berufsbildenden mittleren oder höheren Schule (BMHS). 164 Lehrkräfte arbeiteten an sonstigen Bundesschulen oder an Pädagogischen Hochschulen. Pro Lehrkraft wurden nach laut Unterrichtsressort im Schnitt circa 130 Wochen-Werteinheiten in die Zeitkonten verbucht.

 

Für die Exekutive gibt es noch Gespräche

Das bisher für Lehrer geltende Modell gewinnt nicht nur aufgrund der Dienstrechtsverhandlungen wieder an Aktualität. Grund dafür ist, dass Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) auch bei der Exekutive mittels Zeitwertkonten teure Überstunden abbauen möchte. Die Verhandlungen darüber sind noch im Gang. Für die Polizisten ist diese Frage indes noch entscheidender als für die Lehrer. Denn vor allem bei vielen jungen Polizisten unter den rund 30.000 Exekutivbediensteten wird mit der Abgeltung der Überstunden das reguläre Monatsgehalt deutlich aufgefettet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2013)

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