Neos: „Lehrer werden mit Erlässen zugemüllt“

26.03.2013 | 18:28 |  BERNADETTE BAYRHAMMER (Die Presse)

Die Menschen hängen nicht am Wort Gymnasium, sagt Neos-Bildungspolitiker Michael Unger. Er fordert volle Schulautonomie und leistungsorientierte Bezahlung.

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Die Presse: Die Partei Neos will sich als neue politische Kraft etablieren. Einige Ihrer Forderungen im Schulbereich – etwa mehr Ganztagsschulen, Zentralmatura – klingen aber, als stammten sie aus dem Büro der Ministerin.

Michael Unger: Die Ministerin hat sicher Reformansätze, steht aber in der Tradition des zentralistischen bürokratiegeführten Schulsystems, wie auch die ÖVP. Das System, das wir uns vorstellen, besteht aus gemeinsamen Zielsetzungen und der ausgeprägten Autonomie der einzelnen Bildungseinrichtungen.

Die mittlere Reife ist eine Erfindung der ÖVP, dass alle Schulen unabhängig vom Träger Geld pro Schüler bekommen sollen, kommt vom BZÖ. Haben Sie überall etwas abgekupfert?

Wir sind die Ersten, die gute Ideen von anderen auch schätzen. Wenn die SPÖ für die Zentralmatura ist, die ÖVP für die mittlere Reife und das BZÖ für eine schülerbezogene Finanzierung, heißt das aber noch lange nicht, dass sinnvolle Gesamtkonzepte dahinterstehen.

 

Wie sieht Ihr Gesamtkonzept aus?

Wir wollen zentrale Überprüfungen, um zu ermöglichen, dass der Weg zum Ziel frei gewählt werden kann. Und einen Wettbewerb der Konzepte, damit Dynamik und Innovation ins System reinkommen.

Dynamik erhoffen Sie sich auch von der erfolgsorientierten Bezahlung von Lehrern, wie Sie sie fordern?

Wir wollen von diesem starren System wegkommen, und das kann sich auch im Gehaltssystem widerspiegeln. Es geht darum, Anreize zu schaffen und Engagement zu belohnen. Wie das im Detail aussehen kann, muss man sich anschauen. Wichtig ist uns, dass das Modell nicht bürokratisch ist.

Die Bürokratie kritisieren Sie vehement.

Das System hat derzeit einen hohen Frustrationsgrad, die Lehrer werden zugemüllt mit Erlässen und Verordnungen. Wir wollen eine wirkliche Befreiung, damit man aus eigener Initiative etwas erreichen kann. Denn es gibt extrem viele engagierte Lehrer, Schulleiter, Elternvertreter, die das auch tun wollen.

 

Sie wollen auch die Zweigeteiltheit des Systems in AHS und Hauptschule/NMS auflösen. Was soll das bedeuten?

Jede Schule soll autonom die richtigen Lösungen für ihr Publikum finden können. Wir wollen Standards schaffen: Was sollen die Kinder können? Die Wege sollen vielfältig sein. Da reicht die Gesamtschule nicht, da reichen die beiden Schultypen AHS und Hauptschule nicht.

 

Wie wichtig ist Ihnen trotzdem das Gymnasium? Sie wollen ja auch eine bürgerliche Klientel ansprechen...

Die Menschen hängen ja nicht am Wort Gymnasium. Sie haben das Anliegen, dass ihre Kinder eine gute Schulbildung bekommen. In unserem Modell wird es viel mehr gute Schulen geben als heute. Es ist eines, in dem unterschiedliche Wege gegangen werden mit dem Ziel, allen das Beste zu bieten.

Zur Person
Michael Unger (37) leitet die Taskforce Bildung der neuen liberalen Partei Neos. Zentrale Forderungen für die Bildung sind u. a. Entideologisierung der Debatte, volle Schulautonomie bis 2018, Einführung einer mittleren Reife und mehr ganztägige Schulen. Das gesamte Programm – noch „work in progress“ – findet sich unter neos.eu/plaene.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2013)

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44 Kommentare
 
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Etikettenschwindel

Hinter nettem Wortgeklingel ("allen das Beste", natürlich ohne Aufwand...) verbergen sich zentralistische nivellierende Konzepte, die in etwa so liberal sind wie die Bildungspolitik der Sowjetunion.
Ich verstehe wirklich nicht, wieso eine Gruppierung, die die Personalstärke (und den Wählerzuspruch) eines Schrammelquartetts aufweist, zu so einer starken Medienpräsenz kommt.

NEOS

Diese "neue Volkspartei" NEOS verschwindet so schnell wieder wie sie aufgetaucht ist. Geanau wie die unbeholfenen und bildungsfernen "Piraten" auch.

Ich fordere:

Lehrer 40 Stunden/Woche in der Schule!

Dafür bekommt jeder einen anständigen Schreibtisch und PC.

Jene Lehrer die bisher schon engagiert arbeiteten, werden sich über diese Forderung nicht aufregen. Jene die 20 Stunden unterrichteten und dann genau nichts mehr machten, werden jetzt empört sein.

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Re: Ich fordere:

Eine Frage dazu: ist es nicht wurscht "wann" und "wo" der Lehrer die Schularbeiten, Hausübungen und Tests korrigiert, solange sie in der gesetzlichen Frist korrigiert zurückgegeben werden?!?

Oder ist der Neid darauf dass Lehrer einen Teil ihrer Arbeit frei einteilen können, wann und wo sie diese machen, wirklich derart groß?!

Ist schon graußlich, diese ewige Neidkultur in Österreich.

Re: Re: Ich fordere:

Es geht um Folgendes:

Ganztägige Schulen sollen so flächendeckend möglich werden und Schüler sollen auch nachmittags Fragen an die Lehrer stellen dürfen.

Immer mehr Schüler brauchen Nachhilfestunden, welche sich nicht alle Eltern leisten können.

Damit mir jetzt nichts mehr vorgeworfen wird: ich gebe nebenbei Nachhilfestunden und verdiene gute Geld damit, weil das Schulsystem so ineffizient ist. Aus Überzeugung wäre ich aber für ein effizientes Schulsystem, mit dem ich dann halt nichts mehr verdienen könnte!

Re: Re: Re: Ich fordere:

Wenn die Lehrer mit Korrekturen beschäftigt sind, können die Schüler ihnen keine Fragen stellen, egal wo die Lehrer mit ihren Heften sitzen.

In einem Amt werden ja auch nicht die Akten während des Parteienverkehrs bearbeitet.

Warum glauben die Leute, Lehrer wären eierlegende Wollmilchsäue?

Re: Re: Re: Re: Ich fordere:

Es muss ja nicht unbedingt so gehandhabt werden, dass alle Lehrer Nachmittags Korrekturen erledigen.

Man sollte einige Lehrer gezielt für einen nachmittaglichen Unterricht abstellen um für Fragen der Schüler zur Verfügung zu stehen.

Ich verstehe nicht warum Lehrer und Bauern immer glauben, jede Reform wäre ein Anschlag auf ihre Berufsgruppe.

Re: Re: Re: Re: Re: Ich fordere:

Die Korrekturen werden sich nicht von alleine erledigen. Ein Lehrer, der Korrekturen hat, wird also an ihnen arbeiten müssen.

"Einige Lehrer gezielt für einen nachmittaglichen Unterricht abstellen" wird schon jetzt gemacht. Es heisst Nachmittagsbetreuung und wird an vielen Schulen angeboten.

Im Übrigen sind Lehrer wohl eine der reformfreudigsten Berufsgruppen. Seit 20 Jahren treibt das Ministerium jedes Jahr eine andere Sau durchs Dorf und die Lehrer dürfen das alles schön mittragen. Schulautonome Schwerpunkte (im Klartext: Leute, denkt euch doch mal eben einen neuen Schultyp samt neuen Fächern aus; für die neuen Fächer schreibt ihr schön einen Lehrplan, gell), veränderte Organisationsstrukturen (wir würden ja eine mittlere Managementebene an Schulen begrüßen, überlegt euch doch mal wie das gehen könnte), neue Stundentafeln (ihr bringt den Kindern denselben Stoff eh auch in der halben Zeit bei, oder?) um nur einige Beispiele zu nennen.

Die einzige Reform, die die Lehrer ablehnen, und das zu Recht, ist eine Erhöhung der Lehrverpflichtung ohne finanziellen Ausgleich. Hand aufs Herz, Sie würden doch auch nicht gratis länger arbeiten, oder?

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Ich fordere:

Es ja auch garnicht um längeres Arbeiten.

Von Seiten der Lehrerschaft wird beteuert, dass jeder Lehrer mindestens 40 Stunden wöchentlich arbeitet. Dass es schwarze Schafe auch in der Lehrerschaft gibt, werden auch Sie nicht abstreiten.

Um diesen schwarzen Schafen entgegenzutreten, wird es sinnvoll sein, die Korrekturarbeiten hin zu modernen Arbeitsplätzen innerhalb der Schulen zu verlagern.

Für einen motivierten Lehrer ist das keine einzige Minute Mehrarbeit.

Natürlich ist es legitim, wenn Interessensvertreter für Mehrarbeit mehr Geld verlangen. Auch ich würde nicht gerne meine Zeit verschenken.

Ich appelliere aber an die Lehrergewerkschaft, konstruktiv zu verhandeln, damit man vielleicht ein paar Stunden mehr in der Klasse steht, dafür aber optimale Arbeitsplätze bekommt und die Bürokratie künftig jemand anderer erledigt.

Ich glaube es gäbe konstruktive Lösungen die sowohl Lehrern als auch Schülern helfen, ohne den Staat und somit den Steuerzahler über Gebühr zu belasten.

Mit Erlässen zugemüllt?

Noch nie hat mich ein einziger Erlass an meiner Arbeit gehindert. Mit unqualifizierten Zwischenrufen von der Seitenlinie schaut's ganz anders aus.

Re: Mit Erlässen zugemüllt?

nur leider nehmen viele der obrigkeitsgläubigen Lehrer viele Erlässe ernst - und wenn es dann noch feige Direktoren gibt - na dann mahlzeit - nach meinen Erfahrungen als ehemaliger Lehrer hätte ich schon längst ein Disziplinarverfahren

witzig

der werte herr meint, die anderen parteien hätten kein gesamtkonzept. allerdings gibt er zu, dass man sich das ganze genauer anschauen müsste. AHA!!! erkenntnis in der politik, sie lebe hoch!

Es fühlt sich wirklich gut an

dass in Österreich noch Parteien existieren, die nicht Populismus betreiben und auch nicht Umverteilen und Schöpfen bis zum Ruin der bürgerlichen Existenzgrundlage sich auf die Fahnen geheftet haben. Weiter so!

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Ich hoffe, beide wirtschaftsliberale Listen - BZÖ und NEOS/LiF -bleiben draußen, denn wenn wir etwas heute nicht mehr brauchen,

so sind das Wirtschaftsliberale. Wir brauchen eine soziale Gesellschaft, keine Partei, die den US-Kapitalismus nach Österreich bringt.
Das im Deutschen gebräuchliche "Gymnasium" ist tatsächlich ein Unwort: Denn es stammt bekanntlich vom altgriechischen Wort für "nackt".
Man sollte etwa von einem Lyzeum sprechen, wie im Französischen, aber das Wort "Gymnasium" ist wirklich voll daneben.

Re: Ich hoffe, beide wirtschaftsliberale Listen - BZÖ und NEOS/LiF -bleiben draußen, denn wenn wir etwas heute nicht mehr brauchen,

Was haben Sie gegen Bürokratieabbau und Steuersenkungen?

Re: Re: Ich hoffe, beide wirtschaftsliberale Listen - BZÖ und NEOS/LiF -bleiben draußen, denn wenn wir etwas heute nicht mehr brauchen,

Vielleicht ist er selbst Nutznießer des Systems???

er fordert also leistungsorientierte bezahlung

ahnungsloser die xte.

nichtssagend

inhaltsleer mit typischen politiksprechfloskeln. nichts neues also.

Re: nichtssagend

Meiner Meinung ist da schon klar was er will. Was ist denn an Personalautonomie und Förderung aller Schultypn sodass nur mehr das Ergebnis zählt inhaltsleer?

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schreker

Also, wenn man den Lebenslauf vom Unger studiert oder ihn gar persönlich kennt, dann kann man nur sagen: Dem sollte man Bildungspolitik auf gar keinen Fall anvertrauen. Als Marketing-Mensch beherrscht er das schnörkelige Reden und die Reklame; in Wahrheit hat er keinerlei Verständnis für alles, was mit Unterrichten zu tun hat. Er hat sogar schon ein privates Bildungsinstitut um ein Haar in den Sand gesetzt, weshalb er dort hochkant hinausgeflogen ist.

Lehrer werden ...zugemüllt

Also..wenn ich dieses Interview lese, kann ich nur sagen: Leser werden ebenfalls zugemüllt.

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183 freie tage

mehr muss man nicht wissen

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Re: 183 freie tage

Werden Sie doch Lehrer, wenn das so toll ist.

Beamtengehälter stiegen in den letzten zehn Jahren am stärksten.


Angestellte verdienen um 42 Prozent weniger als Staatsdiener. Bei den Beamten lag das Medianeinkommen 2009 bei 47.848 Euro. Angestellte verdienten 27.810, Arbeiter 17.874 Euro.

Der Einkommensentwicklung in den letzten 10 Jahren betrug bei Beamten + 26%, bei den Angestellten + 4% und bei den Arbeitern - 9% "inflationsbereinigt".

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Re: Beamtengehälter stiegen in den letzten zehn Jahren am stärksten.

es steht jedem Menschen frei einen Beamtenjob anzustreben!

Re: Re: Beamtengehälter stiegen in den letzten zehn Jahren am stärksten.

Und wie bekommt man einen solchen?

Durch Freunderl- und Parteibuchwirtschaft!

 
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