Kaum jemand will Schuldirektor werden

24.04.2013 | 11:43 |   (DiePresse.com)

In vier Bundesländern bewirbt sich häufig nur ein einziger Lehrer für eine Stelle als Pflichtschuldirektor, in manchen Fällen auch keiner. Die größten Probleme hat die Steiermark.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Keine administrative Unterstützung, keine Freistellung vom Unterricht, geringe Zulagen für die zusätzliche Arbeit - immer weniger Lehrer im Pflichtschulbereich streben den einstigen Prestigeposten des Schuldirektors an. Dabei handelt es sich nicht um ein durchgehendes Phänomen, ein Rundruf zeigt allerdings, dass das Problem verbreitet ist. So gab es zuletzt im Burgenland, der Steiermark, Tirol und Vorarlberg bei mindestens der Hälfte der ausgeschriebenen Posten nur einen Bewerber und in Einzelfällen keinen. Auch in Oberösterreich und Salzburg wird es zunehmend eng.

Die Situation an den Pflichtschulen (Volks-, Haupt-, Sonder-, Berufs- und Polytechnischen Schulen) ist speziell: Den Schulen steht nämlich nicht automatisch eine administrative Unterstützung zu, diese wird nur in Einzelfällen von den Gemeinden als Schulerhalter zur Verfügung gestellt. Vom Unterrichten freigestellt werden Pflichtschuldirektoren außerdem erst, wenn sie für mehr als acht Klassen zuständig sind - und die gibt es in den am Land verbreiteten Klein- und Kleinstschulen nur selten. Das Grundgehalt ist dasselbe wie für Lehrer, dazu kommen Zulagen abhängig von Dienstalter und Zahl der Klassen.

An höheren Schulen gibt es Administratoren

Das ist zwar bei den Bundesschulen auch der Fall, die an den Unis ausgebildeten Lehrer der AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen erhalten jedoch ein deutlich höheres Grundgehalt. Außerdem stehen ihnen neben Sekretärinnen auch Administratoren zur Seite, die etwa Stunden- und Supplierpläne erstellen. Im Gegensatz zu den Pflichtschulen werden aus diesem Bereich daher auch kaum "Nachwuchsprobleme" gemeldet.

Die größten Schwierigkeiten werden aus der Steiermark berichtet: Dort gab es im vergangenen Jahr für mehr als die Hälfte der 60 Ausschreibungen nur einen Bewerber und bei fünf gleich gar keinen.

Bei rund der Hälfte gab es im Burgenland, in Tirol und Vorarlberg nur Einzelbewerbungen und in Einzelfällen keinen Interessenten. Auch früher habe es meist nicht mehr als zwei, drei Bewerber pro Posten gegeben, das Interesse habe allerdings insgesamt deutlich abgenommen, so der burgenländische Landesschulratspräsident Gerhard Resch. Er setzt Hoffnung auf die angekündigte Schulverwaltungsreform, wodurch ein Leiter mehrere Kleinschulen betreuen können soll. Das sei zwar derzeit schon möglich, bedeute aber deutliche Mehrkosten.

Job attraktiver gestalten

"Die Funktion ist nicht mehr so gefragt wie früher", berichtet auch der Vorarlberger Schulabteilungsleiter Andreas Meusburger. Derzeit sucht man auf Initiative von Schulleitern gemeinsam nach Modellen, wie man den Job attraktiver gestalten könnte. In Tirol führt man den großen Anteil an Einzelbewerbungen auch auf die Schulstruktur mit vielen Kleinschulen zurück.

In Salzburg machen die Einzelbewerbungen ebenfalls die Mehrheit aus. Diesen Trend gebe es schon seit Jahren, so Karl Premißl, der in der Schulabteilung für die Pflichtschulen zuständig ist. Es komme auch vor, dass sich niemand bewirbt. Bei einer Schule gab es für das laufende Schuljahr selbst bei der zweiten Ausschreibung keinen einzigen Interessenten. Premißl vermutet als Mitgrund, dass die Aufgaben immer umfangreicher werden: Schulleiter seien etwa die entscheidenden Multiplikatoren bei der Umsetzung der Schulreformen, aber auch die Administration werde immer aufwendiger. Bei den Zulagen zum Lehrergehalt werde das "nicht ausreichend dargestellt".

Auch in Oberösterreich gibt es immer öfter nur Einzelbewerbungen, vor allem an Klein- und Kleinstschulen im Pflichtschulbereich. Mitunter finde sich auch kein Interessent, heißt es auf dem Landesschulrat. "Ein großes Problem ist es aber derzeit nicht", wird betont. Es sei bisher immer noch gelungen, geeignetes Personal als Schulleiter einzusetzen.

Keine Probleme, ausreichend Bewerber zu finden, gibt es hingegen in Wien: Im Schnitt gebe es pro Ausschreibung drei bis vier Interessenten. Dass sich für eine Stelle niemand bewirbt, komme de facto nicht vor, heißt es aus dem Stadtschulrat. Unterschiede nach Schularten gebe es nicht, bei Schulen mit besonderem Renommee gebe es allerdings in der Regel noch einmal mehr Bewerber.

Ähnlich die Situation in Niederösterreich: Es gebe zwar nicht immer fünf Bewerber für einen Posten, geeignete Kandidaten würden sich jedoch immer finden. Dass es gar keine Interessenten gegeben habe, sei überhaupt noch nicht passiert. Als Grund vermutet Landesschulrats-Präsident Hermann Helm (ÖVP) die vielen "Mitbetreuungen": So gebe es an insgesamt 150 kleinen Standorten keinen eigenen Leiter, sondern eine Mitbetreuung durch den Direktor einer benachbarten Schule. Dabei wird darauf geachtet, dass ein Leiter für mindestens acht Klassen zuständig ist - wodurch er vom Unterricht freigestellt ist und sich auf Verwaltung und Personalentwicklung konzentrieren könne. Außerdem seien die Bezirksschulinspektoren dazu angehalten, als geeignet vermutete Lehrer zu einer Bewerbung zu motivieren.

An Kärntens Pflichtschulen ist die Lage ebenfalls relativ entspannt. Dass sich zu wenige Interessenten bei einer Ausschreibung melden, sei "maximal vereinzelt" der Fall, so Schulabteilungsleiterin Gerhild Hubmann.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

22 Kommentare

Inkompetenzkompetenzstrategie (IKKSt)

Wer will sich schon für viel Arbeit, wenig Geld, Dank und Ehre den menschen- und bildungsverachtenden Launen von zunehmend rüpelhaften Vorgesetzten aussetzen, dem elektronischen Kontrollterror, den wahngesteuerten "Qual"-Programmen wie SQM, SQA, -B, -C bis -Z, zu denen die Schulleiter zwangsverpflichtet werden und die allesamt auf Gleichschaltung und Indoktrination gerichtet sind…

16

Frau Minister und ihre "Bildungs Experten"

haben hervorragende Arbeit geleistet.
Es ist vollbracht, die Schule kracht!

Stmk

Zusätzlich zu den allgemeinen schlechten Bedingungen für Direktoren kommt ein steirisches Spezifikum- der LSR möchte um jeden Preis und fern jeder Logik und jedes Menschenverstandes pädagogischer Vorreiter in Österreich sein und da wird jeder Schmarrn eingeführt und bis zum Exzess durchgedrückt, sodass alle schon wahnsinnig und frustriert dabei werden. Die Lehrer werden krank und der Direktor hat ein Problem mehr, denn von "oben" bekommt er in den meisten Fällen keine Hilfe.

bald wird kaum jemand

noch lehrer werden wollen.

Re: bald wird kaum jemand

Mein Mann und ich waren Lehrer und haben das Handtuch geschmissen !!

Re: bald wird kaum jemand

Die Zerstörung der Schule (auch der Unis) schreitet voran.

Ein altbekanntes Phänomen

Schauen Sie sich doch mal die Gymnasien an. Ein Direktorsposten - ein Anwärter. Dazu ein unglaublicher Mehraufwand an Arbeit, die finanziell kaum abgegolten wird, keine Personalhoheit und Lehrerknappheit. Kein Wunder, dass den Job keiner will.

Es gibt im Schulwesen sowieso schon zu viele Häuptlinge und zu wenige Indianer!

Nicht auszudenken, wenn sich dieser Trend auch auf die Bezirksschulinspektoren und die Hofräte im Unterrichtsministerium fortsetzt.

Ob sich das auch auf das Ranking in der Pisastudie auswirken würde?

Kaum jemand will Schuldirektor werden

hat überhaupt jemand eine Ahnung was ein Schuldirektor für eine Aufgabe hat.
Es ist ein Unterschied ob man in der Stadt ein Schuldirektor ist oder auf dem Land einer Grund oder Hauptschule oder einer Berufschule.
Früher auf dem Land in der Steiermark hat ein Volksschuldirektor mehrere Aufgaben zu gleicher Zeit erledigen müssen.
Die Parteien waren nie maßgebend sondern nur die Qualifikation. Die Parteien haben zwar immer versucht ihren Einfluß geltend zu machen, die Direktoren, die verschiedenen Parteien angehört haben, waren sich jedoch immer einig wenn der Einfluß Auswirkungen auf die pädagogische Arbeit im Unterricht hatte. Politik hatte in der Schule grundsätzlich nicht zu suchen es ist schließlich um die Kinder gegangen und nicht um die Politik.
Alte erfahrene Pädagogen haben auch junge Lehrer ausgebildet und deren Didaktik überwacht.
Die sogenannte Vorbereitungen des Lehrstoffes wurden von den Lehrern noch selbst geschrieben. Hier wurde das wichtigste Element eines Unterrichts geschaffen. Für jede Klasse wurde ein zugeschnittener Lehrstoff erarbeitet der am Ende das erreichen des Lernzieles und Lernerfolges als Ergebnis hatte.
Heute gibt es Bücher als einheitliches Unterrichtsmaterial deren Zweck mehr als fraglich ist.
Direktoren auf dem Land haben sehr oft mehrere Schulen unterrichtet. So z.B. auch Berufsschulen in allen handwerlichen Bereichen.
Ferien gab es so gut wie keine.

1), 2)

1) ist meistens schon zwischen den Parteien ausgemacht, wer wo welche Direktorstelle bekommt;
2) genügt ein Blick in die Gehaltstabelle! Für einen solchen geringen Gehaltssprung bei Direktoren von Pflichtschulen tut sich das kaum jemand an.
Klagemauer für Eltern, viele zusätzliche zeitliche Anwesenheitspflichten (Konferenzen, Besprechungen, Elternabende, Sprechtage, Schüleraufführungen, ....), der immer mehr werdende Papier- und Verwaltungskram, ...
3) Frau Brandsteidl braucht nicht so stolz zu tun:
Drei Bewerbungen für eine Wiener Schulleitung (wohl mitgerechnet auch die AHS und BHS) ist auch nicht gerade ein Massenansturm auf Direktorposten.

Re: 1), 2)

Dazu kommen noch Probleme mit gewissen Schüler/innen. Wenn man mit Lehrer/innen über die Zustände an vielen Schulen redet, dann kann man verstehen, dass sie sich nicht darum reißen, in solchen Schulen auch noch eine leitende Funktion zu übernehmen.

warum bewerben?

...der neue direktor steht ja schon vorher fest. also, warum bewerben?
ein "interview" wie in der freien marktwirtschaft, der nachweis von qualifikation, ist den lehrern nicht zumutbar. stellen sie sich die folgen vor: burnout, mobbing........
frühpension für alle abgelehnten kanditaten!

Re: warum bewerben?

nicht den Lehrern - den politischen Parteien nicht zumutbar!

SPÖ - ÖVP

in den ÖVP dominierten Bundesländern gibt zu wenig ÖVP Mitglieder aus der Lehrerschaft - in den SPÖ dominierten Bundesländern gibt zu wenig SPÖ Mitglieder aus der Lehrerschaft -

"Mama, Mama, ich will heute nicht in die Schule gehen!"


"Mama, Mama, ich will heute nicht in die Schule gehen! Alle Kinder sind so böse zu mir! Und die Lehrer hacken ständig auf mir rum! Und der Hausmeister schikaniert mich den ganzen Tag! Ich will heute nicht in die Schule gehen!"

"Aber du musst in die Schule gehen, Bub! Schließlich bist du schon 48 Jahre alt und dort Direktor."

Re: "Mama, Mama, ich will heute nicht in die Schule gehen!"

einer meiner langjährigen Lieblingswitze - vor allem in Direktorenkreisen - und die lachen auch

tja, so ist es eben

wenn man über jahrzehnte hinweg großteils eingefleischte leistungsverweigerer für die ausbildung unserer kinder heranzieht. wellness, freizeit, spaß ist die devise. da haben ein paar stunden mehr arbeit natürlich keinen platz. wo käme man da hin, die damen und herren lehrer haben ja nur 4 monate urlaub und das bei einer 20 stunden woche, man stelle sich das vor! kein wunder daher auch die burnout und frühpensionierungsquote bei dieser "elite" unseres landes..

Re: tja, so ist es eben

Mein Beileid jenen Lehrern, bei denen Sie in der Klasse waren.
Sie müssen ja der wahre Streber gewesen sein ....

nur ein Selbstvernichter tut sich diesen ..

Haltagsergänzungsjob an. Anwesenheitspflicht bis die letzte Nase das Schulgebäude verlassen hat. Wie auf der Titanic, der Kapitän geht als Letzter von Board. Das Bildungsschiff Schule säuft sowieso in nächster Zeit ab. Viele Experten bohren schon lange am Rumpf!

Kann ich kaum glauben, diese Darstellung

Bisher konnte ich bei jedem vakanten Direktorsposten einen Kampf auf Biegen und Brechen zwischen den einzelnen Partei-Kandidaten beobachten. Die Leute haben sich jedesmal mit aller Vehemenz um diesen Job gerissen.

Re: Kann ich kaum glauben, diese Darstellung

Wird Regional sicher starke Unterschiede geben.
Aus welchen Raum kommen sie denn?

Ja warum wohl?

Weil Du wahrscheinlich als Schuldirektor ein relativ wenig machen kannst ohne dass Dir irgendein politisch gesteuerter FunktionärIn (diverse Bezirks, Landes-, Bundesschulinspektoren) oder wie sich dieser vorwiegend unnützte Zwischenbau auch nennen mag hineinpfuscht. Und wenn die es nicht tun dann tuts die Lehrergewerkschaft.

Wir lassen in Österreich ja zu dass die Schule von Parteiidiotie, pardon Parteiideologie gesteuert wird anstatt
uns ernsthaft damit zu beschäftigen wie Schule zeitgemäss inhaltlich und organisatorisch gestaltet werden kann.

AnmeldenAnmelden