Handy an Schulen verbieten?

An heimischen Schulen wird diskutiert, wie mit dem Handy umgegangen werden soll – auch ein Verbot in den Pausen steht im Raum.

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Handy Schulen verbieten – (c) EPA (JIM HOLLANDER)

Wien/beba/J.n./APA. Das Wasagymnasium in Wien Alsergrund könnte bald zur handyfreien Zone werden. Kommende Woche soll entschieden werden, ob Mobiltelefone künftig auch in Pausen verboten sein sollen – dass sie während des Unterrichts tabu sind, sei sowieso klar, sagt Direktor Johannes Bauer. Doch nicht nur am Wasagymnasium ist das Handy – eines der liebsten Spielzeuge heimischer Schüler – Thema. „Die Debatte erlebt gerade ein Hoch“, sagt Barbara Buchegger von der Initiative handywissen.at, die Lehrern, Eltern und Kindern Hilfe im richtigen Umgang geben will. „Die Kollegen berichten, es gebe keine Schule, die nicht diskutiert, wie mit dem Handy umgegangen werden soll.“

Wie viele Schulen in Wien ein totales Handyverbot eingeführt haben, weiß man nicht so genau: Die Entscheidung liegt beim Standort – und wird in der Regel von Schüler-, Lehrer- und Elternvertretern getroffen und in der Hausordnung oder den schuleigenen Verhaltensregeln festgelegt. Der Stadtschulrat hat daher auch keine Zahlen. Komplette Verbote dürften allerdings in der Minderzahl sein, wie auch Direktor Bauer bestätigt. Zumeist reicht es offenbar, wenn das Telefon im Unterricht abgeschaltet oder lautlos gestellt ist. Der Schulleiter steht dennoch zu seinem Plan: Ziel der Maßnahme am Wasagymnasium – die er übrigens eher als Ge- denn als Verbot versteht – sei vor allem, jüngere Schüler zu schützen. Sie könnten mit dem scheinbaren Druck, ständig in Onlinenetzwerke wie Facebook eingeklinkt sein zu müssen, nicht gut umgehen. Was teils dazu führe, dass sie sich ausschließlich mit dem Handy beschäftigten – statt mit den Mitschülern.

Manche lassen Verbot fallen


„Dieser Druck ist sicherlich ein wichtiges Argument“, sagt Expertin Buchegger. Von totalen Verboten hält sie dennoch wenig – auch, weil sie schwierig zu exekutieren seien. Sie schildert, dass viele Schulen gerade nach einem Verbot bald wieder zu einer lockereren Handhabung wechseln: Die Handys sollten den Unterricht nicht stören – ansonsten, also in den Pausen, haben die Schüler freie Hand. Für Buchegger die sinnvollste Variante. „Wenn sich alle daran halten, fahren die Schulen damit am besten.“
Das Gymnasium Contiweg im 22. Bezirk ist eine jener Schulen, die überlegen, das Handyverbot wieder aufzuheben. Dabei gehe es mitunter darum, dass Schüler einen bewussten Umgang mit dem Handy erlernen, wie Schuldirektorin Monika Auböck im ORF–Radio sagte. Ein Argument, das auch Barbara Buchegger teilt: Kinder und Jugendliche seien ständig mit neuen Medien konfrontiert – und müssten lernen, damit umzugehen. „Das kann man nur, indem man sie wirklich nutzt.“

Und nicht nur das. „Das Handy ist ein guter digitaler Lernbegleiter“, sagt Buchegger. Auch im Unterricht könnten Handys sinnvoll genutzt werden – als Weltkarte, Taschenrechner oder ständig verfügbares Vokabelheft beispielsweise. Etwas, was sich übrigens auch Bundesschulsprecher Felix Wagner wünscht. „Viele Lehrer sehen Handy und Internet immer noch als Spaßmaschinen“, sagt er. „Dabei könnte man beides in den Unterricht integrieren.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2012)

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