Beschluss der neuen Lehrerausbildung naht

16.05.2013 | 13:36 |   (DiePresse.com)

Ministerin Schmied will die neue Lehrerausbildung trotz aller Kritik am Dienstag im Ministerrat beschließen. Der Entwurf wurde kaum verändert.

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Die Lehrerausbildung soll kommende Woche in den Ministerrat kommen. "Wir werden am Dienstag eine neue Pädagoginnenausbildung beschließen", sagte Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ). Außerdem sollen Masterstudien für alle Lehrer verankert werden. Im Zuge der Begutachtung war es zu starker Kritik an den Entwürfen der entsprechenden Gesetze gekommen: Während die Reform der AHS-Lehrergewerkschaft zu weit geht, ist sie aus Sicht der Pflichtschullehrer nicht weitreichend genug. Von vielen wird außerdem bekrittelt, dass die Kindergartenpädagogen nicht von der Reform erfasst sind.

Entwurf kaum verändert

Eckpunkte der reformierten Lehrerausbildung sind ein mehrstufiges Aufnahmeverfahren, eine vierjährige Bachelor-Ausbildung sowie ein ein- bis eineinhalbjähriges Masterstudium für Lehrer aller Schulstufen und eine einjährige Berufseinführung an der Schule durch einen erfahrenen Mentor. Im Vergleich zum Begutachtungsentwurf wurden nur wenige Änderungen vorgenommen.

Derzeit gibt es Aufnahmeverfahren nur für jene Lehrer, die an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildet werden (Volks-, Haupt-, Sonder-, Berufs- und Polytechnische Schule). Künftig sollen auch die Universitäten, bisher zuständig für die Ausbildung der Lehrer an AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), ihre Lehramtsstudenten vorab selektieren dürfen. Begründung für die Erweiterung der Aufnahmeverfahren auf die Unis: Das Lehramtsstudium bereite auf einen konkreten Berufseinsatz vor, das Studium müsse daher eine bewusste Entscheidung für den Lehrberuf sein.

Wer das objektivierte, mehrstufige Aufnahmeverfahren schafft, muss zunächst ein vierjähriges Bachelorstudium absolvieren. Für Volksschullehrer findet die gesamte Ausbildung an den PH statt. Im Sekundarbereich wird in den allgemeinbildenden Fächern de facto künftig nicht mehr nach Schultypen (Hauptschule/Neue Mittelschule, AHS, BMHS) ausgebildet, sondern für die Altersgruppe der Zehn- bis 19-Jährigen. Die Ausbildung kann entweder an einer PH, an einer Uni oder in Kooperationen der beiden Hochschulen "unter Achtung bestehender Kompetenzen" stattfinden, wobei beim Master PH verpflichtend mit einer Uni kooperieren müssen. Generell ist der Master künftig Voraussetzung für eine Fixanstellung, er kann allerdings auch berufsbegleitend während der Induktionsphase absolviert werden.

Induktion nur im ersten Dienstjahr

Bei der Induktionsphase findet sich auch eine der wenigen Änderungen gegenüber dem Begutachtungsentwurf: Wurde hier bisher eine Dauer von ein bis zwei Jahren genannt, ist sie nun nur noch für das erste Dienstjahr vorgesehen.

Ziel der neuen Lehrerausbildung ist eine Gleichwertigkeit der pädagogischen Berufe. Derzeit ist die Ausbildungsdauer je nach Schultyp sehr unterschiedlich, was sich auch in einer unterschiedlichen Bezahlung bemerkbar macht. So dauert die Ausbildung für Volksschullehrer künftig anstelle von drei mindestens fünf Jahre, für Hauptschul-/NMS-Lehrer statt drei mindestens fünfeinhalb Jahre. Für Lehrer an AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) ändert sich an der reinen Ausbildungsdauer unterdessen mit der Reform nichts.

Künftig soll zur Ausbildung aller Lehrer ein gemeinsamer pädagogischer Kern gehören, außerdem soll das Professionsverständnis aller angehenden Lehrer gestärkt werden - bisher wurde ja vor allem die Ausbildung an den Unis als zu praxisfern kritisiert. Das neue Modell soll außerdem einen leichteren Wechsel innerhalb des Systems (etwa zu einer anderen Altersgruppe) bzw. Quereinstiege ermöglichen. Ob die Kerncurricula internationalen Standards entsprechen, soll ein neuer Qualitätssicherungsrat überprüfen.

Die ersten Angebote für Quereinsteiger sollen bereits im Wintersemester 2013/14 starten. 2015/16 soll dann das neue Bachelorstudium Primarstufe an den PH starten, im Jahr darauf soll der Sekundarlehrer in der neuen Architektur beginnen. Masterstudien nach dem neuen Modell sollen ab 2019/20 angeboten werden.

(APA/Red.)

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10 Kommentare

Wer wird sich das antun? (III)

Ob die Ministerin mit ihrem Angebot wirklich "die besten" Lehrer für "unsere Schülerinnen und Schüler" bekommt, das kann man getrost bezweifeln. Aber vielleicht bekommt Österreich in absehbarer Zeit die besten PRIVATSCHULEN. Dann hat die Ministerin auch zur Verbesserung des Schulsystems beigetragen. Jedoch nicht für ihr Klientel.

Wer wird sich das antun (II)

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist schön, aber unter diesen Umständen und bei dem, was unserer Ministerin und den zukünftigen Ministern noch einfallen wird, muss man sich gut überlegen, welches Studium man wählt.
Ich glaube nach dieser grandiosen Reform der Lehrerausbildung und nach dem Durchboxen des neuen Dienstrechts wird es nicht nur zu wenig Lehrer geben, sondern auch zu wenig Kindergärtnerinnen. Dann kann man ohne Probleme Hilfskräfte, die keine Ausbildung oder nur einen Schnellsiedekurs absolvier haben, einstellen und erspart sich viel Geld. Die Hilfskräfte kann man ja dann noch schlechter entlohnen, wie die "studierten" Lehrer. Ist das vielleicht der Plan hinter dem neuen Dienstrecht und der neuen Lehrerausbildung?

Wer wird sich das antun? (I)

Unter diesen Umständen kann man allen Jugendlichen nur raten, NICHT Lehramt zu studieren. Denn mit dem Aufwand kann man andere Berufsausbildungen absolvieren. Dann hat man im Berufsleben

viel mehr Ansehen in der Öffentlichkeit (der Lehrberuf ist ja von der Ministerin höchstpersönlich vernadert worden)
viel mehr Verdienst (ich Sage nur neues Dienstrecht)
viel weniger Druck durch sinnlose Reformen (z.B. Neue Matura)
Keinen PISA Test. Dieser soll nur auf das Schulsystem Druck ausüben damit man möglichst bald die Gesamtschule einführen kann.

Das neue Dienstrecht ist die Krönung der Ära Schmied. Derartige Gehaltseinschnitte und die Erhöhung der Lehrpflicht als Verbesserung zu verkaufen, das ist wirklich frech. Jeder Durchschnittsangestelle oder Arbeiter verdient gleich viel oder mehr als ein Lehrer im neuen Dienstrecht. Er braucht nur nicht fünfeinhalb Jahre dafür studieren (Kosten mindestens € 50000) und benötigt für eine fixe Anstellung keinen Master (sic!!!).


Schmied, der sargnagel von generationen:

wie weit wollen sie es noch treiben? es geht schon längst mit vollgas auf den abgrund zu, jetzt wird noch der turbo zugeschalten und die bremsen ausgebaut.

warum stoppt niemand diese irrfahrt? wir steuern sehenden auges vollgas auf eine gewaltige mauer zu, es ist nur noch entsetzlich!

Sehr motivierend

Es werden sich ganz bestimmt die Besten der Besten finden. ...

Fastgarantie

Diese Reform der Ausbildung ist fast eine Garantie, dass es in Zukunft in vielen Bereichen der Schule einen Lehrermangel geben wird. Es ist einfach unglaublich, dass man einen bestehenden Trend (Knappheit an motivierten und guten Lehrern und auch Direktoren) noch verstärkt anstatt ihn zu bremsen.

Auf 9 (!) Schüler kommt ein 1 (!) Lehrer !!!


... wo sehen sie da einen Lehrermangel ???

Und vielleicht sollten man endlich einmal die Arbeitszeit anpassen und das Lotterleben der Lehrer der Geschichte angehören lassen.

Dann kann der Lehrer endlich wieder Stolz auf seinen Job sein und muß sich nicht permanent als Minderleister anreden lassen und den vielzitierten Lehrermangel gibt es dann noch weniger ;-))

Re: Auf 9 (!) Schüler kommt ein 1 (!) Lehrer !!!

9 Uhr morgens und schon so verwirrt

Re: Auf 9 (!) Schüler kommt ein 1 (!) Lehrer !!!

nicht schlecht für ein Posting von 0900 Uhr früh. Da arbeiten manche schon... ;) und wo wir schon beim Thema sind, haben Sie heute endlich einen AMS Kurs bekommen?

mit der ö-card werden sich sicher

genügend lehrer aus dem eu-raum oder auch aus dem ausland finden. aus der heutigen position eines österreichischen lehrers in ö.`s schulen ist es kaum vorstellbar, dass mit dieser reform die grosse zahl an interessenten in diesen beruf strömt. waren bei dieser reform ausschließlich experten eingebunden, oder durften auch "praktizierende lehrer" zu dieser reform beitragen???

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