Bildungsexpertin Koenne: Jahresarbeitsmodell für Lehrer

25.06.2013 | 18:25 |  JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

Bildungsexpertin Christa Koenne empfiehlt ein Jahresarbeitsmodell für Lehrer, um den Gordischen Knoten in den Verhandlungen zum Lehrerdienstrecht zu lösen.

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Die Presse: Regierung und Gewerkschaft streiten über das Ausmaß der Unterrichtsverpflichtung sowie über die Anwesenheitszeit der Lehrer in der Schule. Wer hat recht?

Christa Koenne: Recht hat hier niemand. Das Ganze ist ein Gordischer Knoten geworden. Und Gordische Knoten kann man nicht dadurch lösen, dass der eine dort anzieht und der andere da. Und aufknüpfen kann man ihn auch nicht.

Wie kann man das Problem lösen?

Wir brauchen eine Lockerungsübung. Die Woche ist der falsche Zeitraum, um Lehrerarbeit zu bestimmen. Das Schuljahr ist so unterschiedlich in seinen Wochen: Da gibt es Skikurse, da sind die Ferien, da sind Schularbeiten und Maturazeiten. Deshalb haben andere Länder die Wochenarbeitszeit längst hinter sich gelassen.

Also was braucht es?

Wir müssen eine Jahresarbeitszeit für Lehrer definieren. Sobald wir von der Jahresarbeitszeit sprechen, wird die Frage, wer in der derzeitigen Diskussion recht hat oder nicht, unwichtig. Es ginge dann endlich darum, wie das Schuljahr zeitlich für die Lehrer und auch für die Schüler anders und sinnvoll gestaltet werden kann.

Bleiben wir bei den Lehrern: Wie könnte ein Ganzjahresarbeitsmodell ausschauen?

Was ich von Schweden weiß, muss man einfach anders an das Thema Arbeitszeit herangehen. Dort haben sie etwa gesagt, dass Schüler ein Recht auf Unterricht haben. Sie haben also etwa das Recht, eine bestimmte Anzahl an Chemiestunden zu erhalten. Das ist ein anderer Zugang, der dazu führt, dass die Wochenarbeitszeit aufgegeben wird. Es muss nicht alles im gleichen Rhythmus gemacht werden. Dadurch entfällt auch so viel Unterricht.

 

Das heißt, dass es nicht jede Woche den gleichen Stundenplan geben soll.

Genau. Heutzutage macht das ja der Computer. Das sollte zu einer Managementaufgabe gemacht werden, die jeder Schulleiter erledigen kann. Die Wochen dürfen dann nicht gleich ausschauen.

Es wird also fachliche Blocks geben?

Ja. Man muss von diesen läppischen Ein-Stunden-Fächern weggehen. So lernt doch sowieso kein Mensch. Das gibt es nur deshalb, weil es früher so eingeführt wurde.

 

Gäbe es dann eigentlich die neun Wochen Sommerferien noch?

Nein. Die neun Wochen Ferien wären anders aufgeteilt. Die Schule in Schweden ist zum Beispiel das ganze Jahr lang bespielt. Da gibt es das ganze Jahr lang etwas, was die Schüler tun können. Die Schüler können im Sommer etwa einmal ein Chemiesymposium besuchen. Bei uns liegt die Schule unentwegt brach.

 

Das heißt, dass sich Lehrer auch flexibler Urlaub nehmen können?

So ist es. Meine schwedischen Lehrerkollegen kommen mich etwa im Mai besuchen. Nicht weil die Schule zu ist, sondern weil sie sich frei genommen haben. Das ist auch für die Gewerkschaft interessant. Es ist für die Lehrer ebenfalls ein Vorteil, wenn sie nicht nur in der teuren Zeit auf Urlaub gehen können. Wann und wie der Lehrer seine Gesamtjahresarbeitszeit erledigt, das ist etwas, das die Schule mit den Lehrern und Schülern ausmachen muss. Dabei braucht die Schule eine gewisse Autonomie.

 

Glauben Sie, dass Sie mit diesem Vorschlag bei der Regierung bzw. bei der Gewerkschaft auf offene Ohren stoßen?

Ich glaube schon. Das ist ja nicht nur meine Idee. Da gibt es bereits viele Erfahrungswerte. Diese Umstellung haben auch schon andere Länder geschafft. Wir müssen bedenken: Je länger wir trödeln, desto mehr Ärger wird erzeugt. Es braucht so bald als möglich einen radikalen Schnitt, ab dem es eine Jahresarbeitszeit gibt.

Zur Person

Die Bildungsexperten Christa Koenne (70) ist an mehreren Universitäten wissenschaftlich tätig und war Mitglied der Vorbereitungsgruppe für die neue Pädagogenausbildung. Früher unterrichtete die mittlerweile pensionierte AHS-Direktorin Mathematik, Chemie
und Physik.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2013)

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20 Kommentare
2 10

Die Vertreibung aus dem Paradies...

Ja ja, bei uns in Österreich ist natürlich nicht möglich, was zB in Schweden funktioniert!

Liebe Lehrer, ihr habt lange genug im Paradies gelebt. Eure Ausreden kann keiner mehr hören......

3 0

Re: Die Vertreibung aus dem Paradies...

nur der liebe Gott kann aus dem Paradies vertreiben, nicht eine BM Schmied oder Taxi-CEO Faymann.

Jahresarbeitsmodell für Lehrer

was sich da alles für Experten ausgeben.

Man kommt aus dem Staunen nicht mehr voraus.

Mit was und mit wem hat man es hier eigentlich zu tun.

Es ist schon unheimlich !!!!

Sind die alle Ferngesteuert !!!!!


Jahresarbeitszeitstudie

Die Jahresarbeitszeitstudie für Lehrer von SORA wurde bereits im Jahr 2000 durchgeführt. Doch das Ergebnis dürfte den zuständigen Politikern und anscheinend auch allen "Bildungsexperten", die ja sicher tagtäglich in der Schule stehen, nicht gefallen haben. 1.927 Stunden/Jahr für AHS Lehrer, das sind wenn man 5 (!) Wochen Urlaub, die jedem/r Österreicher/in pro Jahr zustehen, abzieht, so sind das 41 Stunden/Woche, also mehr als das Gesetz verlangt, und das obwohl wir Ferien haben!!! Nachzulesen unter: http://www.bmukk.gv.at/schulen/sb/lehrerin2000.xml

Expertin????

Da Frau Könne ja mehrere Jahre Direktorin einer AHS war müsste Sie eigentlich wissen, wie schwierig es ist einen Stundenplan mit den Engpässen (Turnsaal, EDV-Saal, Chemiesaal etc) zu erstellen - oder sollte Sie diese Managementaufgabe gar nicht wahrgenommen haben???
Und wie will Sie es schaffen Schüler in den Ferien in die Schule zu bringen: die Abwesenheitsquote in der letzten Schulwoche liegt in manchen Schulen bereits bei 80 %!!!!!! Na vielleicht schaut dann ja mal der ein oder andere Schüler im Sommer vorbei - aber hier Schule anzubieten für 1-2 Schüler ist wirklich lächerlich!!!! Ich verweise da lieber auf das durchaus gut aufgebaute "Ferienspiel" in Wien - sicher eine bessere Alternative!

Re: Expertin????

Ja ja, bei uns in Österreich ist natürlich nicht möglich, was zB in Schweden funktioniert!

Liebe Lehrer, ihr habt lange genug im Paradies gelebt. Eure Ausreden kann keiner mehr hören......

9 2

Ja, ja Frau Koenne - den Stundenplan macht der Computer!

Genau - und die Erde ist eine Scheibe!

Der Stundenplan kann natürlich mit dem Computer auf Knopfdruck erzeugt werden.
Ich glaube aber nicht, dass die Kinder damit viel Freude hätten (die Eltern und Lehrer auch nicht).

Der Computer rechnet so lange, bis er ansteht - und dann setzt er (bei Zeit- und Raumproblemen) die Stunden halt irgendwo hin,
bei mir z.B. drei der vier Mathematikstunden einer 2. Klasse in den Samstagnachmittag,
oder eine andere Klasse hätte Unterricht in den Stunden 1-3 und dann 7-10, dazwischen halt nichts. Für den Computer OK, für die Kinder eher mühsam.

Auf dem Land (ja es gibt tatsächlich auch Leben außerhalb von Wien, Frau Koenne) müssen z.B. die Stundenpläne auch noch an die Fahrpläne der öffentlichen Verkehrsmittel angepasst werden - und das alles dauert für eine große Schule ca. 5 Arbeitstage (Stundenplanteam mit Computerunterstützung), damit dann auch jeder Schüler in jeder Stunde weiß, wo er sein soll.

So schaut's im richtigen Leben aus, Frau Koenne, und wenn Sie meinen, jede Woche ein neuer Stundenplan für die ganze Schule sei ein Klacks, dann dürfen Sie gerne diesen Klacks-Job übernehmen, vorher dürfen sie aber einmal die rund 800 Seiten des Stundenplanhandbuchs durchstudieren, damit Sie auch wissen, womit Sie arbeiten müssen/dürfen/können.

Ein Jahresarbeitsmodell gibt es längst in Österreich,

und zwar bei den Pflichtschullehrern, also immerhin der größten Gruppe von Lehrern. Die Jahresnorm für Pflichtschullehrer beträgt z.B. im heurigen Schuljahr 1776 Stunden, für ältere Lehrer (die 1 Woche mehr Urlaubsanspruch haben) 40 Stunden weniger. Traurig, dass das anscheinend in der Öffentlichkeit ziemlich unbekannt ist.

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selten so gelacht..

es scheint, so um das 7. Lebensjahrzehnt, sich eine neue Intelligenz breit zu machen. Ich nenne es "Schildrosch"!
Bildungswürger Schilcher und sein gegenfärbiger Gevatter Androsch. Übrigens, ich fahre auch Auto, könnte man nicht in der Formel 1 alle Autos mit gerader Nummer links herum und die anderen rechts herum fahren lassen. War ja nur ein Expertenvorschlag!

3 0

Schulversagerinnen wissen alles besser.


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Chaos pur

Wöchentlich einen neuen Stundenplan erstellen? Ist die Frau noch zu retten? Die "läppischen Ein-Stunden-Fächer" waren jahrzehntelang bestens zum Unterrichten geeignet; nur weil sich Frau Koenne "Bildungsexpertin" nennt, glaubt sie, mit besonders ausgefallenen und praxisfernen Theorien auffallen zu müssen. Bildungsexperten sind mittlerweile eine Landplage geworden.

man bedenke aber auch,

dass zur durchführung eines solchen systems ALLES umgekrempelt werden muss. es muss so auch den lehrern möglich sein, in der schule vor- und nachzubereiten. in schweden können sie das. jeder lehrer hat einen großen schreibtisch, auf dem allfälliges erledigt werden kann. alle arbeit einem ort zu haben, spart v.a. zeit, die anderweitig verwendet werden kann.

gute Idee

mit 25 Urlaubstagen im Jahr sicher machbar.

das gibt es schon

s. unten.

So könnte es gehen

Kleinigkeiten wären noch zu klären !!

Wird wöchentlich ein neuer "Stundenplan" erstellt oder wird überhaupt auf einen Plan verzichtet und zum Wochenende einfach abgerechnet?

Die Lehrer nehmen flexibel Urlaub, die Schüler auch?

Wir scheitern schon an den autonomen Tagen.


Re: So könnte es gehen

in schweden herrscht in vielen schulen überhaupt ein konzept, dass der schüler seinen individuellen stundenplan woche für woche selbst ausarbeitet! schüler bekommen für jedes fach nur quartalsweise die lernziele, die sie zu erreichen haben. wie sie das anstellen, müssen sie selbst herausfinden.

es funktioniert toll, in schweden aber. warum: weil die wirklich viel geld in die hand genommen haben und die schulen auch auf diesen total selbst gesteuerten unterricht renoviert bzw. neu gebaut haben. ideen brauchen eben raum zur entfaltung...

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Alter schützt vor Dummheit nicht.


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Das macht der Computer...

Ja, nachdem jemand die Daten eingegeben hat und diverse Parameter eingestellt hat. Selbst mit dem Computer dauert es mindestens zwei, eher aber drei Wochen um den Stundenplan für eine größere Schule zu erstellen. Und dann nicht ein, zwei Stunden pro Tag sondern als fulltime Job.

Na, da wird die Frau Ministerin aber schauen, wenn sie x000 Stundenplaner finanzieren soll!

Re: Das macht der Computer...

Das Stundenplanbauen ist Aufgabe des Direktors. Dieser delegiert die Arbeit an ein Stundenplanteam. An unserer Schule mache das dann ich alleine, da es sonst niemand interessiert. Man braucht dafür auch mit Computerunterstützung einige Tage. Bezahlung gibt es dafür keine.

Re: Re: Das macht der Computer...

Richtig. Es bleibt an einigen wenigen hängen und es ist kein Geld dafür da.

Ständig neue Pläne zu verlangen ist beinahe unmoralisch.

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