Studie: 81 Prozent der Eltern geben "Nachhilfe"

26.06.2013 | 12:41 |   (DiePresse.com)

Die Mehrheit der Eltern hat fachliche Probleme bei der Unterstützung ihrer Kinder, wie das "Nachhilfebarometer" zeigt. Die Gesamtausgaben für Nachhilfe sind zurückgegangen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Der Lerndruck auf die Familien steigt, zeigt die am Mittwoch präsentierte "Nachhilfebarometer"-Erhebung der Arbeiterkammer (AK). Demnach müssen bereits 81 Prozent der Eltern zumindest gelegentlich unfreiwillig als Hilfslehrer einspringen. Vor einem Jahr sagten nur 77 Prozent, sie würden für Erklärungen einspringen. Am stärksten betroffen sind dabei die Eltern von Volksschülern (90 Prozent), in der Oberstufe sind es noch immer 58 Prozent.

Die Gesamtausgaben für Nachhilfe sind indes zurückgegangen (von 107 auf 101 Mio. Euro 2012) - allerdings nur, weil eine Verlagerung von bezahlter zu "kostenloser" Nachhilfe durch die Eltern stattgefunden habe, kritisierte Gabriele Schmid, Leiterin der bildungspolitischen Abteilung der AK.

Immer mehr Eltern lernen häufig mit Kindern

Vor allem der Anteil an Eltern (rund 2900 durch Ifes befragte Haushalte), die täglich oder mehrmals pro Woche mit den Kindern lernen oder Hausübung machen, sei gestiegen: Insgesamt liegt er über alle Schulformen bei 58 Prozent, in der Volksschule gar bei 74.

Für AK-Präsident Rudolf Kaske sind die Ergebnisse der Befragung ein Beleg dafür, dass von der Schule die Verantwortung für den Lernerfolg an die Eltern abgeschoben werde, was diesen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zusätzlich erschwere. "Das ist nicht sehr zeitgemäß", kritisierte er. "Der Schulerfolg darf nicht davon abhängen, wie gut die Eltern beim Lernen helfen können oder ob sie die Nachhilfe bezahlen können." Durch Nachhilfe entstünden den Familien nicht nur unnötige Kosten, "der Stress, der da in die Familien ausgelagert wird, ist enorm".

Zwei Drittel der Eltern fachliche Probleme

Umgerechnet leisten Eltern bei der Lernunterstützung ihrer Kinder die Arbeit von 48.000 Vollzeitbeschäftigten, ihnen entgehen dadurch 82 Mio. Stunden an Freizeit. Wie erstmals in der Ifes-Befragung erhoben wurde, haben zudem zwei Drittel der Eltern fachliche Probleme bei ihrem Nachhilfelehrer-Dasein: 26 Prozent plagen sich in jedem Fach, 34 Prozent können ihren Kindern zumindest in einzelnen Fächern nur schwer helfen. Besonders benachteiligt seien dabei jene Eltern, die selbst nur eine geringe Bildung haben, und Wenigverdiener.

Als "Lichtblick" sieht man in der AK die verschränkte Ganztagsschule, in der sich Unterricht, Lern- und Freizeitphasen abwechseln. Hier sei der Anteil der Eltern, die täglich mit Volksschulkindern lernen mussten, deutlich geringer als in der Halbtagsform (20 zu 55 Prozent). Hier sieht Kaske durch den von der Regierung geplanten Ausbau der Ganztagsschulen viel Potenzial für eine Verbesserung der Situation.

21 Prozent auf Nachhilfe angeweisen

Insgesamt sind laut der Erhebung 210.000 Schüler auf Nachhilfe angewiesen, das entspricht 21 Prozent. 40.000 bekommen sie nicht, vor allem, weil die Eltern sie nicht bezahlen können - so konnten sich nur acht Prozent der Familien mit einem Haushaltseinkommen unter 1.600 Euro netto Nachhilfe für ihr Kind leisten, aber 58 Prozent der Familien mit mehr als 2500. Weitere 50.000 weichen auf Gratis-Nachhilfe durch Geschwister, Freunde oder Klassenkollegen aus.

Dabei kommt die Idee, Nachhilfe zu nutzen, nicht immer von den Familien selbst: 13 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen dies von der Schule nahegelegt wurde. "Die Schule darf die Verantwortung nicht in die Wohnzimmer abschieben", kritisierte Kaske.

Weiterhin hoch ist bei bezahlter Nachhilfe die Kostenbelastung laut AK-Erhebung: Pro Familie fallen 679 Euro (2012: 670) an Nachhilfekosten pro Jahr an. Dass die Gesamtausgaben im Vergleich zum Vorjahr gesunken sind, führt Schmid allerdings nicht auf sinkenden Bedarf zurück. Wegen der Wirtschaftskrise werde lediglich immer öfter auf Sommernachhilfekurse verzichtet.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

54 Kommentare
 
12

Schrecklich


Eltern, die sich für den Erfolg ihrer Kinder einsetzen.

Das kann Kindern in sozialistischen Erziehungsheimen nicht passieren.

19 % der Eltern kümmern sich nicht um ihre Kinder ...

Es wird wohl selbstverständlich sein, dass man sich für den Beruf des Partners, der Partnerin .... interessiert! Grundvoraussetzung für jede auf Dauer gelingende Beziehung!
"Beruf" des Kindes ist nun einmal die Schule. Und da wird es wohl selbstverständlich sein, dass sich die Eltern dafür interessieren, dass sie ihren Kindern wenn nötig helfen, sie beraten ...! Heute nennt man so etwas gleich "Nachhilfe"!
Man könnte also die Überschrift auch umdrehen "19 % der Eltern kümmern sich nicht ..." - und das ist wirklich erschreckend!

Also was hilft ?

Die Lehrer müssen schwache Schüler außerhalb der Unterrichtszeit unterstützen und nicht in Ihrer reichlichen Freizeit gegen Bezahlung Nachilfestunden geben.

81 Prozent der Eltern geben "Nachhilfe"

Nachhilfe kannte man zu unserer Zeit nicht. Unsere Lehrer haben uns alles beigebracht. Das waren aber auch Pädagogen. Die gibt es heute nicht mehr.
Wenn man das Theater heute sieht, unsere Pädagogen waren Genie`s.
Keiner konnte Lehrer werden wenn er nicht die menschliche Voraussetzung mitgebracht hat.

Ein Junger Mathematiklehrer wollte in der Schule elektronische Rechner einführen. Der Direktor der Schule hatte nur eine Bedingung. Wenn er mittels des Rechners zwei 8-stellige Zahlen schneller multiplizieren kann, als der Direktor im Kopf, dann ja. Der junge Mathematiklehrer hat verloren.
Es kommt nur auf das Training des Geistes an.
War in Österreich.


bei einer Elternbesprechung war folgendes passiert.

Die Kinder hatten in Mathematik Probleme mit dem Dezimalsystem.
Gramm-Pfund -Kilogramm. Jedesmal hat den Kindern eine Dezimalstelle gefehlt.

Bei einer Elternbesprechung wurden Geldstücke an die Tafel geklebt. 1 cnet-10 Cent-1 Euro.

Auf die Frage an die Direktorin was ihr dabei auffällt, Antwort nichts.

Antwort vom Vater, unterrichten sie nie mehr Mathematik, sie verwirren die Kinder nur.

Deutschunterricht.
Ein altes, heute schon vergessenes Grammatikunterrichtsbuch der Schule von Alfred Webinger war die Lösung. Jeder hat plötzlich Grammatik verstanden.
Ist im übrigen ein Österreicher.

Wie in allen Dingen, die Einfachheit ist die Genialität und nicht das Komplizierte.


17

Echt jetzt?

Wow wie schlimm! Meine Mama hat mir bei der Hü in der Volksschule und in der Unterstufe auf die Finger geschaut. Laut diesem Artikel war das also richtig schlimm für sie denn sie musste auf ihr Kind achten....naja ich habs genossen :-)

Jene Eltern die fachlich ein paar Probleme habe können es ja als neue Mittelschule (heiliger Gral) sehen. Die besseren Schüler (Kinder) helfen ihnen ihre Kentnisse nochmal aufzufrischen.
Verwundert bin ich trozdem, ich dachte all diese Probleme verschwinden mit der NMS. Sogar die der Volksschule.


Was ist daran neu?

Gute Eltern kümmern sich seit jeher um ihre Kinder. Dazu zählt auch die Hausaufgabe zu kontrollieren bzw. sie mit dem Kind gemeinsam zu machen, wenn das Kind etwas daran nicht versteht.
Meine Mutter prüfte mich damals auch die englischen Vokabel ab, seither beherrscht sie selbst auch rudimentär Englisch (zu ihrer Schulzeit gab es das noch nicht). Gute Eltern haben nunmal Zeit für ihre Kinder. Schlechte Eltern halt nicht, die sollen dann aber auch nicht jammern, wenn sie exorbitante Nachhilfekosten zu begleichen haben.

... und warum?

werden die kinder blöder, die eltern ehrgeiziger, die lehrer schlechter - oder was? es darf munter spekuliert werden.

wieso erwähnt niemand die lehrpläne, die inzwischen überquellen von blumig formulierten "kompetenzen" weit über den kern eines jeden faches hinaus? unter vernachlässigung von schlichten grundlegenden fertigkeiten natürlich, denn dafür bleibt nicht genug zeit. alle drei "schulpartner" - lehrer, eltern, kinder - werden opfer von hochfliegendem pädagogischem gewäsch. zeit zum üben, wiederholen und festigen bleibt da in der schule kaum: die lehrer machen sich zu leistungseintreibern, die eltern pauken (oder zahlen fürs pauken), die kinder lavieren konfus durch zusammenhanglose und ungefestigte lehrstoffbrocken.

den lehrern ist einzig und allein der vorwurf zu machen, dass sie diese bürokratischen auswüchse stillschweigend schlucken und den druck weitergeben ... und den eltern, dass sie sich den schuh der schule anziehen.


Re: ... und warum?

Viele Lehrer schlucken die bürokratischen Auswürfe nicht stillschweigend. Sie werden jedoch mundtot gemacht. Sagt die Lehrergewerkschaft NEIN, dann wird das "MAUERN" genannt. Sie können sicher sein, dass diese Entwicklung nicht jedem Lehrer gefällt. Es liegt auch an den Direktoren wie wahnwitzige Ideen umgesetzt werden. Die sind aber nach wie vor meistens politisch verpflichtet und stehen oft nicht hinter ihren Lehrern.

Re: Re: ... und warum?

Die Gewerkschaft tritt in 99 % ihrer Aktivitäten als Hüterin der Quantität auf - Arbeitszeit und Gehalt. DAS wird zu Recht als unproduktives Mauern wahrgenommen. Stellungnahmen zur Qualität?? Zu Lehrplänen, Fächerkanon, Methoden, Test- und Standard-Unfug?? Wo gab's die zuletzt, und wann?

Dabei wäre das mMn der Weg, um die Eltern mit ins Boot zu ziehen, statt immer wieder Wellen von Lehrer-Bashing zu provozieren.

Weltfremdheit

Das Problem liegt in der mangelnden Übungskultur. Üben, wiederholen ist langweilig, aber notwendig. Kleine Kinder machen das noch von ganz alleine. Gehen, Sprechen, alles Erlernte bedarf zur Beherrschung Übung. Lehrer dürfen dieses Einüben aber nicht mehr fordern, die Kinder sind auf ständig neues konditioniert, dafür ist die Ausdauer unterentwickelt. Und dann wundern sich Ak und Medien, wenn Eltern mit ihren Kindern lernen müssen. Über soviel Weltfremdheit und Unverständnis hinsichtlich der menschlichen Natur lässt sich nur den Kopf schütteln

Re: Weltfremdheit

Leider das Problem: Üben ist unbequem und wird heutzutage als hoffnungslos altmodisch und rückständig angesehen! Muss ja alles nur mehr Spaß machen!

Bildungsvererbung

Da die Bildung in Österreich insgesamt steigt besteht das Potential, dass immer mehr Eltern bereit sind ihren Kindern zu helfen. Denn im Zusammenhang mit der "Bildungsvererbung" ist nicht von genetischen Dispositionen die Rede, sondern davon, dass gebildete Eltern ihre Kinder auf dem Weg der Bildung/Ausbildung unterstützen. Und das war doch schon immer so.

die unterbezahlen

Lehrer brauchen schließlich ein Zusatzeinkommen.

es sind 81,1%


Hallo Arbeiterkammer!

Wo lassen Sie befruchten und gebären?

wir haben mit unseren Söhnen

gelesen, mit ihnen Kopfrechenübungen gemacht, ihre Hefte angeschaut. Nicht als Lernhilfe, sondern als Zeichen, dass sie uns wichtig sind - die Kinder, nicht nur die Schule.
Kinder wollen, dass sich Eltern dafür interessieren, sie wollen erkennen, dass es wichtig ist, wenn sie sich bemühen. Wenn man aber täglich erleben muss, wie unwichtig Kinder ihren Erzeugern geworden sind, alles lästig, alles Karrierehinderlich, versteht man den Liedtext von Reinhard Fendrich: einst werden sie uns hassen ...
Schaut man in die Geschehnisse der Welt sieht man schon die Vorboten der Zeit: Reinhard Mey - Narrenschiff!

Re: wir haben mit unseren Söhnen

kann ich nur zustimmen, früher haben das die eltern selbstverständlich gemacht. ist anscheinend heutzutage keine zeit. den volksschul- und hauptschulstoff sollte eigentlich jeder können und wenn man von anfang an darauf schaut dann wird das defizit gar nicht so groß, dass man nicht mehr mitkommt.

Ich gebe meinem Grindkind

keine Nachhilfe. Soll gefälligst selbst lernen.

Re: Ich gebe meinem Grindkind

Das ist zynisch gemeint. Oder?

Re: Ich gebe meinem Grindkind

Armes Kind!

Re: Re: Ich gebe meinem Grindkind

... ist aber leider nur allzuoft so !

Das begint schon beim Kleinkind (wer erzählt beim Einschlafen noch geschichten ...)
geht weiter mit dem eigen Kinderzimmerfernseher mit Spielkonsole...
Dann geben sie es mit 10 in die Schule...tönen immer "wie selbsständig es nun doch schon ist...." -
und erwarten, dass es nach 8 jahren mit Maturazeugnis vor der Tür steht...
.
Und gnade der schule, die dabei irgendwelche Probleme bereitet...wenn das so nicht von alleine läuft...
.
Nachhilfe kommt übrigens auch daher, dass ein gar nicht so kleiner Anteil in der falschen Schule sitzt (weil sich die Eltern das so einbilden... da werden sie mitgeschleift (von manchen jahrelang pardoniert bis es wirklich nict mehr geht...und dann...).
,
Dabei haben wir in OE ein fast perfektes Baukastensystem: Es müssen nicht soviele in die AHS-Unterstufe (das täte dann der auch ganz gut) - HS + ORG oder BMS / BHS. Oder BMS + Aufbaulehrgang zur Matura -
Oder Lehre mit Matura oder Lehrabschluß + Studienberechtigungsprüfung für FH...
Alles Wege - die NICHT erzwingen mit 10 in eine AHS zu gehen, wo Fr. S. die Klassen bis 30 Auffüllt (und somit ein gem. Lerntempo sein müßte), statt in 24erKlassen von 2 LL betreut zu werden... nach Möglichkeit in einer Ganztagsschule...
Und wenn der Knopf dann später aufgeht - s.o.

es ist immer noch ein sozialistisches ideal,

kinderbetreuung am besten von geburt an in staatliche institutionen zwangsauszulagern!

wenn ich als elternteil nicht bereit bin, mich mit meinem kind zu beschäftigen (dazu zählt auch das bei der ak offenbar verpönte kümmern um den lernerfolg!), brauch ich mir erst keinen "fortpflanz" (welch grausliches wort!) zulegen!

Re: es ist immer noch ein sozialistisches ideal,

Stimmt. Dann ist man selbst nicht wichtig.
Wer Kinder hat, muss dazu stehen und sie fördern. Das ist man ihnen schuldig.

alles

für was genau ist die Arbeiterkammer eigentlich NICHT zuständig.

Mein Gott.

Ich setze mich mehrmals die Woche mit meinem Erstklässler hin und lese mit ihm. Fällt das jetzt auch unter Nachhilfe? M.M. nach nicht, sondern ist ganz einfach Elternaufgabe. Wie solle er denn sonst ohne Übung Lesen lernen? Und liebe AK stell Dir vor: Ich erklär ihm auch verschiedene Dinge, wenn er mich fragt: z. B. woher kommt der Wind, wie fliegt ein Flugzeug. Darf ich das jetzt oder muß das gefälligst in der verpflichtenden Ganztagsschule geschehen?

Fragen über Fragen - Was ferner NICHT in der Studie behandelt wird

- Wie hoch ist der Anteil an Nachhilfe, der nur aus Überehrgeiz in Anspruch genommen wird, etwa um ein Gut im Zeugnis statt einem Befriedigend zu erreichen?
- Wie hoch ist der Anteil der Ausgaben für unnötige Nachhilfe inmitten anderer UNNÖTIGER Ausgaben wie Handyrechnungen, Spielekonsolen, Markenkleidung, Alkohol ...?
- Wie hoch ist der Anteil sinnvoller, unvermeidlicher Nachhilfe inmitten anderer SINNVOLLER Ausgaben wie solchen für Musikschule, Sprachkurse und allgemeine Lebensausgaben?

 
12

Schlagzeilen Bildung

AnmeldenAnmelden