Kreuzdebatte: Wer zählt als Christ?

Der Konflikt in einer Wiener Schule ist noch ungelöst. Er könnte weitere Kreise ziehen.

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(c) Michaela Bruckberger

Wien. Der Streit um das Kreuz in einer Volksschule in Wien Neubau zieht sich bald ein Jahr hin – und er könnte bald weitere Kreise ziehen. Denn inzwischen geht es auch um die grundsätzliche Frage, wer eigentlich aller ein Christ ist. So lautet zumindest – grob gesagt – die Anfrage, die der Wiener Stadtschulrat an das Unterrichtsministerium gerichtet hat.

Denn das entsprechende Gesetz sieht vor, dass an Pflichtschulen, in denen die Mehrheit der Schüler christlichen Religionsgemeinschaften angehört, in allen Klassenzimmern Kreuze anzubringen sind. Man wolle sich absichern, heißt es aus dem Wiener Stadtschulrat – und sich ministeriell bestätigen lassen, was alles christlich im Sinne dieses Gesetzes ist. Zählen die Mormonen dazu? Die Zeugen Jehovas? Diverse staatlich anerkannte Freikirchen, die sich häufig auch auf das Christentum beziehen?

Erst mit der Antwort auf diese Frage kann die eigentliche Kernfrage beantwortet werden: Was tun, wenn an einer Schule weniger als die 50 Prozent der Schüler Christen sind? Im Gesetz steht dazu nichts. Bisher ging man im Stadtschulrat davon aus, dass das Kreuz zwar kein Muss sei – aber möglich. Kritiker bezweifeln das und argumentieren mit dem sogenannten Legalitätsprinzip: Der Staat darf nur das, was auch gesetzlich geregelt ist.

 

Kreuze in acht Räumen

Das Ministerium scheint sich jedenfalls Zeit zu lassen, die Anfrage ist über zwei Monate her. In der Schule gibt es derzeit eine Art Provisorium: In acht Räumen finden sich Kreuze, in den übrigen nicht. Den Anstoß für den Streit gab im Mai des Vorjahres eine konfessionslose Mutter, die von der Initiative „Religion ist Privatsache“ unterstützt wird. Auch unter den Eltern ist die Kreuzdebatte umstritten: Der Elternverein der Schule will mit dem Thema nichts zu tun haben. (beba)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2014)

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