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Schulversuch: Französisch, Latein in Gesamtschulen

29.04.2008 | 18:13 |  MARTIN STUHLPFARRER (Die Presse)

Seit Dienstag steht fest, wie die Neue Mittelschule ablaufen wird: Mehr Lehrer, mehr Betreuung, eigenes Kurssystem.

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WIEN. Nach der grundlegenden Einigung zwischen Wissenschaftsminister Johannes Hahn und Bürgermeister Michael Häupl vor wenigen Tagen, steht nun fest, wie der Schulversuch zur Gesamtschule aussieht, wer daran teilnehmen darf und wie der Schulversuch ablaufen wird:
•Der Name der Schule. Früher als Gesamtschule bezeichnet, wurde der Name in „Neue Mittelschule Wien“ abgeändert, weil die ÖVP ein ideologisches Problem mit dem Begriff „Gesamtschule“ hatte. Sie startet im Schuljahr 2009/2010; es unterrichten AHS-Lehrer ebenso wie Hauptschullehrer.
•Was wird geboten?
Die Neue Mittelschule ist eine Gesamtschule mit innerer Differenzierung und könnte langfristig die Hauptschule und AHS ersetzen (falls sich die SPÖ/ÖVP-Bundesregierung jemals dazu einigt). Mit einem Kurs-System soll individuell auf die Schüler eingegangen werden. Hochbegabte werden in eigenen Kursen ebenso gefördert wie lernschwache Kinder, womit die Kosten für die private Nachhilfe sinken könnten. Grundsätzlich sitzen aber alle in einer Klasse, inhaltlich gilt der AHS-Lehrplan: es wird beispielsweise auch Latein und Französisch von native speaker unterrichtet. Und: Es wird mehr Pädagogen als an einer AHS geben, kündigte Brandsteidl an – wegen der aufwendigeren Betreuung im Kurssystem. Die Neue Mittelschule wird als Ganztagsschule geplant, die Eltern auch am Nachmittag (inklusive Betreuung) in Anspruch nehmen können, aber nicht müssen. Die höheren Kosten werden teilweise vom Bund, teilweise von der Stadt bestritten.
•Welche Schulen sich beteiligen. Maximal 20 Schulen (10 AHS und 10 Hauptschulen) können an dem Schulversuch teilnehmen. „Wenn es jeweils fünf sind, ist das auch noch in Ordnung“, meinte SP-Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl am Dienstag. Die Standorte selbst stehen noch nicht fest, da die Wiener Schulen noch einige Monate Zeit haben, sich für den Schulversuch zu bewerben. Bis zum Tag der offenen Tür im November soll das geklärt sein.

Die Voraussetzung, damit eine Schule teilnehmen kann: Eltern und Lehrer müssen dem Versuch zustimmen. Falls keine AHS mitmacht, ist der Schulversuch aber gestorben, meint Brandsteidl: „Trotzdem bin ich sehr zuversichtlich, dass genauso viele AHS mitmachen wie Hauptschulen. Es gibt entsprechende Anfragen und Signale.“ Denn: Die Gesamtschule gebe es de facto bereits, meinte Brandsteidl. Beispielsweise in Hietzing, wo fast alle Kinder die AHS besuchen. Dort gebe es aber keine individuelle Förderung wie in einer Neuen Mittelschule, so Brandsteidl:„Deshalb werden AHS auch mitmachen. Wahrscheinlich auch private Schulen.“
•Wer wird aufgenommen?
Jeder Volksschüler – es gibt keinen Aufnahmetest. „Es existiert die Möglichkeit, dass ganze Volksschulklassen geschlossen in die Neue Mittelschule übertreten“, erklärte der stellvertretende Stadtschulratspräsident Walter Strobl (VP).
•Wie sieht das Zeugnis aus? Jährlich wird der Lernfortschritt durch externe Prüfer getestet. In der letzten Schulstufe wird im Zeugnis festgehalten, für welchen Schultyp (HTL, HAK, Lehre etc.) sich der Schüler am besten eignet. Damit soll der Druck von Volksschullehrern genommen werden, von denen Eltern vehement gute Noten für das Kind fordern – damit es eine AHS besuchen darf.
•Musik, Sport und Sprachen. Die Neue Mittelschule soll individuelle Schwerpunkte setzen – durch Kooperationen mit Schulen für Musik, Sport, Fremdsprachen und verschiedenen Vereinen.

AUF EINEN BLICK: Neue Mittelschule Wien

Als Schulversuch startet im nächsten Schuljahr die Neue Mittelschule Wien, die langfristig gesehen AHS und Hauptschule ersetzen könnte. Die Förderung von hochbegabten und lernschwachen Kindern erfolgt in Form eines Kurs-Systems, die Kinder sitzen aber gemeinsam in einer Klasse. Bis November wird feststehen, welche AHS und Hauptschulen sich an dem Schulversuch beteiligen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2008)

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23 Kommentare
Herman
18.05.2008 14:07
0 0

in meiner Zeit waren die Jesuiten in den alten Sprachen "zuhause"

. . . die letzte und achte Klasse besuchte ich an einer öffenlichen Schule - das war dann für mich wie im Kindergarten.
Manche Jesuiten sollen Latein in Wort und Schrift beherrschen. Vieleicht sollte man nicht nur die Schulen und Schüler, sondern auch die Lehrer bewerten.

Livilla
05.05.2008 17:44
0 0

Latein von "native-speaker"???

"es wird beispielsweise auch Latein und Französisch von native speaker unterrichtet" - interessant: wen holt man denn da aus der Unterwelt - Cicero? Vergil? Ovid? etc. etc.
Bitte um Nachricht, wer dann wann und wo unterrichtet - Latein von einem native-speaker lasse ich mir nicht entgehen!!

Antworten Martin_01
18.12.2008 20:46
0 0

Re: Latein von

So wird's wohl auch nicht gemeint gewesen sein.
Aber wer legt heute schon wert auf Formulierungen?

Gast: w.a.
04.05.2008 01:01
0 0

Unpassend

Warum wird ein Artikel über
die Gesamtschule, oder "Neue Mittelschule",
von einem Foto einer Klasse der Privatschule
"Theresianum" begleitet?

Irgendwie unpassend...

Martinus
01.05.2008 13:38
0 0

Wie sieht das Zeugnis aus?

"Jährlich wird der Lernfortschritt durch externe Prüfer getestet. In der letzten Schulstufe wird im Zeugnis festgehalten, für welchen Schultyp (HTL, HAK, Lehre etc.) sich der Schüler am besten eignet."

Geben dann externe Prüfer die Noten? Entscheiden die externen Prüfer über die Qualifikation oder nur über die Eignung für bestimmten Schultypen? Ist diese Entscheidung bindend oder kann jemand, der sich nicht für einen bestimmten Schultyp qualifiziert, diesen dann trotzdem wählen?

Zum Thema der Kostenneutralität: Arbeiten die externen Prüfer gratis oder wird das Geld anderswo eingespart - und falls ja, in welchem Bereich?

Gast: Marion
01.05.2008 10:42
0 0

Wichtig wäre, dass die Türken und Ex-Jugoslawen Deutsch lernen.

Alles andere ist im Gegensatz dazu völlig unwichtig.

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Bin gespannt...

wer die native speaker in Latein sein werden...

wie das kostenneutral abläuft - das hat ja schließlich die Ministerin als unverrückbare Prämisse definiert!

Antworten Gast: pippi langstrumpf
30.04.2008 22:29
0 0

Re: Bin gespannt...

das hab ich mir auch grade überlegt *lol*, vielleicht gibt's ja doch schon zeitreisende und holen sich ein paar römer? :-))

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Sprachenunterricht

...die Qualität des Sprachenunterrichtes an unseren Schulen ist katastrophal schlecht.....die Beherrschung einer Fremdsprache scheint nur jenen zu zukommen, die es sich leisten können einige Zeit im Ausland eine Schule zu besuchen....kann mir nicht vorstellen, dass sich dabei etwas Grundlegendes ändern wird....??

Antworten Martin_01
18.12.2008 20:47
0 0

Re: Sprachenunterricht

Wir brauchen keine Sprachen.

Die SPÖ sagt uns eh, was wir denken und nachzuplappern haben.

Antworten Martinus
30.04.2008 19:50
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Re: Sprachenunterricht

Das kann ich so nicht bestätigen - es hängt eben sehr vom einzelnen Schüler ab, was er aus dem Unterrichtsangebot macht. In dieselbe Klasse gehen zum Beispiel die Siegerin des Bundeswettbewerbs (Englisch) und andere, die gerade so durchkommen. Wie in anderen Fächern sind auch in den Fremdsprachen die Niveauunterschiede teilweise enorm.

Antworten Antworten Gast: Ramsey
23.09.2008 09:29
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Re: Re: Sprachenunterricht

Es wird immer Ausnahmen geben (Kinder, die besonders begabt sind, oder sich Aufenthalte im Ausland leisten können) aber im allgemeinen wird eine Sprache systematisch und wie die Matematik oder Latein unterrichtet, was auf keinen Fall sinn macht.
Ich habe bereits als Assistent (bin aus Kalifornien) gearbeitet wo ein Schuler der Klasse in Englisch und Französisch die Bundeswettbewerb für Sprachen gewonnen hat. Die Lehrerin war meiner Meinung nach sehr innovativ, sprach perfekt Englisch, etc... jedoch hat sie nicht jedes Jahr den besten Schuler von Ganz Österreich. Also solche Fälle hängen weniger vom Unterricht ab.
rrimkeit at hotmail punkt com

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wie heißt es.....

Ausnahmen bestätigen die Regeln...oder die eine Erkenntnis schließt die andere nicht aus...??

Antworten Antworten Antworten Martinus
01.05.2008 13:35
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Re: wie heißt es.....

Die Frage ist: Was ist die Regel?

Diejenigen, die lernen wollen, können mit Sicherheit ein gutes Niveau erreichen, und zwar in allen Fächern, und all jene, die andere Prioritäten setzen, eben nicht. Der Unterricht ist ein Angebot, das man niemandem aufzwingen kann, aber es ist nicht das Niveau des Unterrichts dafür verantwortlich zu machen, wenn die einen das Angebot annehmen und andere dasselbe Angebot nicht.

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Zustimmung ...

Französisch und Latein ... gibt¿s denn tatsächlich nichts Wichtigeres?

Fr. als Diplomatensprache ist meines Wissens (zugegebenermaßen nicht groß) nicht mehr SOOOO wichtig wie noch vor vielleicht 10,20 Jahren.

Aber was ist mit slawischen Sprachen? Russisch zum Beispiel. Das reicht immerhin aus um sich Grundlagen für fast den gesamten slawischen Raum anzueignen (eine slowakische Kollegin hat sich bei mir in der Fa. mit der russischen unterhalten - hat funktioniert).

Also bitte: Ein bisserl mehr Modernität und Willkommen im 21. Jahrhundert!

Antworten Martinus
30.04.2008 19:47
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Re: Zustimmung ...

Das klingt nun sehr nach Zwangsbeglückung. An der Schule, an der ich unterrichte, wird auch Russisch angeboten, was mich sehr freut, da Sprachenvielfalt ein Wert für sich ist, aber dass das Interesse der Schüler so enorm groß wäre, ist mir bis jetzt nicht aufgefallen.

Antworten Antworten Halka
05.05.2008 11:55
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Re: Re: Zustimmung ...

Also wenn man Mathematik, Physik oder ähnliches zur freien Wahl anbieten würde, dann wäre das Interesse vielleicht auch nicht sonderlich groß. Kinder muss man halt manchmal zu ihrem Glück zwingen. Das nennt man das Erziehung.

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Wenn da auch in Latein "native speaker" unterrichten

... dann kann ja wirklich nichts mehr schief gehen. Ich bin nur mehr gespannt, ob die Frau Brandsteidl jetzt Caesar oder Cicero persönlich dafür gewinnen wird. Selbst im Vatikan wird ja meines Wissens im Alltag heutzutage nicht mehr Latein gesprochen.

Antworten Gast: Araschmarrn
30.04.2008 17:37
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Re: Wenn da auch in Latein

Na geh, jetzt haben Sie mir meinen Kommentar vorweggenommen. Ich hab so lachen müssen, wie ich den native speaker auf Latein gelesen habe. Ein orator indigena?

Antworten Martinus
29.04.2008 20:52
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Re: Wenn da auch in Latein

Na Hauptsache, es wird überhaupt unterrichtet. Das mit den native speakern ist natürlich nur auf Französisch anzuwenden (obwohl ich die Formulierung auch lustig fand), aber dann ist die Gesamtschule wenigstens nicht schon per definitionem eine Nivellierung nach unten.

Wenn es kommt, ist es ein Schlag gegen diejenigen, die sich schon auf die Ausrottung der klassischen Sprachen durch die Gesamtschule gefreut haben.

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Dass da jetzt Österreichs Hauptschüler

....nun nach dem AHS-Lehrplan Latein und Französisch verpflichtend (?) vorgesetzt bekommen, ist ja nun wirklich eine echte Bildungsrevolution. Dann kann ich mich in Zukunft endlich mit jedem österreichischen Hilfsarbeiter in diesen beiden Sprachen unterhalten. Tatsächlich gehe ich aber davon aus, dass im realen Leben in Österreich (also nicht in Idealwelt der Frau Braunsteidl) elementare Türkisch-Kenntnisse bald noch viel wichtiger werden, jedenfalls wenn man in manchen Bezirken Wiens spätabends nach dem Weg fragen will.

Antworten Antworten Gast: gast
29.04.2008 21:05
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Re: Re: Wenn da auch in Latein

latein ist sehr wichtig als sprache, da man es überall in der welt sprechen kann und es die völkerverständigung erleichtert
hallo - es gibt so viele andere sprachliche herrausforderungen die nützlich sind - warum muss man auch die nächste generation mit diesem unfug quälen?
das sagt alles über die "schulreform" aus!

Antworten Antworten Antworten Martinus
30.04.2008 19:52
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Re: Re: Re: Wenn da auch in Latein

Ich kann mich in der Tat weltweit mit jedem verständigen, der Latein spricht. Was ist so seltsam daran? Das ist bei jeder Sprache so, dass deren Sprecher sich unabhängig davon, aus welchem Land sie stammen oder wo sie leben, verständigen können.

Die größte Herausforderung ist für viele ohnehin die eigene Muttersprache.

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