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Schulbeginn: Der „Ernst des Lebens“ soll Spaß machen

24.08.2008 | 17:55 |  CLAUDIA DANNHAUSER (Die Presse)

Für Taferlklassler ist die Vorfreude das Wichtigste – und Kindergarten-erfahrung mehr als nützlich.

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Kinder sind neugierig. Sie freuen sich aufs Lernen. Wenn dann aber lustige Omis oder Onkel kommen und vom „Ernst des Lebens“ reden, der nun endgültig beginne, kann das kontraproduktiv sein. „Fehlt nur noch der Zusatz: Da musst du jetzt aber sehr brav sein“, warnt Christine Petsch, Schulpsychologin im Wiener Stadtschulrat. Die Vorbereitung auf die Volksschule sollten Eltern ganz anders angehen: mit Freude und feierlich.

Brigitte Cizek, Leiterin der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik in Floridsdorf, rät zu Ritualen: „Nicht umsonst gibt es die Schultüte.“ Das Herausragende des neuen Lebensabschnittes und den Unterschied zu etwaigen jüngeren Geschwistern können Eltern aber auch verdeutlichen, indem der Taferlklassler ein kleines Taschengeld bekommt oder um zehn Minuten später schlafen gehen darf als die Jüngeren. „Das Kind übernimmt damit eine kleine Verantwortung“, sagt Cizek.

Mit dem Schlafengehen ist das allerdings so eine Sache. Petsch weiß aus langer Erfahrung, dass Eltern und Kinder vom Schulalltag oft überrascht werden. Sie rät zum behutsamen Training des neuen Rhythmus. „Sechs- und Siebenjährige brauchen einfach noch ausreichend Schlaf und sollten nicht abgestrudelt in die Schule kommen.“ Es sei kontraproduktiv, Erstklassler zu Schulbeginn mit Zusatzkursen zu überhäufen. „Sie sollen nicht vom Ballett zum Reiten und in die Musikschule hetzen wie kleine Manager“, so Petsch.

 

Dumme Sprüche und Vorurteile

Es sind auch nicht alle Kinder gleich entwickelt, wenn sie mit sechs Jahren in die Schule kommen. „Die Schulfähigkeit ist gegeben, wenn sich Kinder in Gemeinschaft Gleichaltriger die traditionellen Kulturgüter durch planmäßiges Arbeiten aneignen können“, erklärt Christiane Spiel, Bildungspsychologin an der Universität Wien. Ein Erstklassler muss einen Auftrag erfüllen können, ohne dass er allein und direkt angesprochen wird. In der Familie lernt ein Kind das kaum.

Deswegen haben es alle, die vom Kindergarten in die Schule kommen, leichter. „Kinder haben ein natürliches Interesse am Umgang mit Gleichaltrigen“, sagt Spiel. „Man tut ihnen also nichts Böses, wenn man sie in einen Kindergarten gibt.“ Völlig unüberlegt seien Vorbehalte, man nehme ihnen damit die Kindheit. „Kinder sind neugierig. Sie haben Freude daran, etwas zu erfahren“, so Spiel. Auch Petsch wendet sich gegen elterliche Vorurteile. „Der Kindergarten wird zu wenig ernst genommen, wenn es heißt: Das ist ja nur Spielen.“ Kindergärten seien eine wichtige Vorbereitung auf die Schule. Und: „Auch in der Schule ist ein wesentlicher Faktor des Lernens das Spiel.“

 

Sprachkompetenz erwerben

Die Vorbereitung auf die Schulzeit ergibt sich nicht nur im Umgang mit Gleichaltrigen. Obwohl das natürlich wichtig ist: „Kinder erfahren, dass man Geborgenheit, Nähe und Zuwendung auch für andere Kinder empfinden kann“, meint Cizek. Größte Bedeutung hat der Kindergarten aber für Kinder mit Defiziten, die aus biologischen, genetischen oder sozialen Gründen nicht so weit entwickelt sind wie Gleichaltrige. „Das sollte so früh wie möglich kompensiert werden“, sagt Spiel.

Bei der Sprachkompetenz geht es nicht etwa nur um die prinzipielle Kenntnis des Deutschen, was speziell Zuwandererkinder betrifft. „Der Wortschatz ist sehr stark schichtspezifisch. Akademiker verwenden mehr Worte und differenzieren Begriffe feiner“, sagt Spiel. Und es gebe eine „pragmatische Sprachkompetenz“ – das Wissen, wie man Sprache einsetzt.

Doch auch für Kindergartenkinder gibt es in der Schule noch genügend Herausforderungen – allein durch die neuen Bezugspersonen. Dass das fremde Umfeld leichter zu erobern ist, wenn Freunde aus dem Kindergarten in dieselbe Klasse kommen, ist nicht gesagt. „Für manche Kinder ist das angenehm“, glaubt Petsch. „Manche sind aber auch froh über neue Freunde.“ Einen Startvorteil haben „vorgeschulte“ Kinder jedoch auch hier. Um in die Schule gehen zu können, braucht es die grundsätzliche Bereitschaft, sich von den Eltern zu lösen.

 

Schreibtisch ohne Kuscheltiere

Was können Eltern also tun, um ihre Kinder auf den Schulanfang vorzubereiten? „Keine Angst vor der Schule machen! Zeigen, wie viel Freude es macht, etwas zu können! Zu vermitteln, dass jeder einmal Fehler macht! Damit bereitet man das Kind darauf vor, dass es nicht nur Lob erhalten wird und führt es so an ein konstruktives Lernen heran“, so Spiel. Oder einfach einen eigenen Schreibtisch einrichten: „Aber bitte ohne 1000 Kuscheltiere“, so Petsch.

AUF EINEN BLICK

Ein paar Tipps, um Kinder für die Schule zu wappnen: Freude am Lernen wecken; den neuen Lebensrhythmus üben; Konzentration und Beharrlichkeit fördern; nicht nur loben; für ausreichend Schlaf sorgen.

Der Kindergarten ist die optimale Vorbereitung auf die Schule: Er trainiert den sozialen Umgang mit Gleichaltrigen und gleicht bereits früh Defizite aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2008)

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8 Kommentare
f.j.neffe
26.08.2008 23:32
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Kinder-Talente haben Hunger!

"Alles Schwindel!" kommt Hansi entrüstet nach dem ersten Schultag heim, "Áußen schreiben sie 1.KLASSE und innen sind nur lauter Holzbänke!"
Zeigt das ganze Getue, dass keiner von den "Profis" eine Ahnung hat, um was es beim Lernen überhaupt geht? In der neuen Ich-kann-Schule würde man sich einfach für die TALENTE begeistern, die die Aufgaben der Kinder bestens lösen sollen. Als IKS-Lehrer spreche ich grad den verschüchterten Talenten meine Anerkennung und mein Interesse aus. Ich bestätige ihnen ihre GÜTE und quäle sie nicht mit den üblichen päd. ErDRÜCKungsversuchen, ich arbeite nach den SOG-Prinzip. Die Pädagogik vergisst, dass auch Seele und Geist Hunger haben: nach Anerkennung, Herausforderung, Achtung, Interesse und Solidarität. Wenn die Talente Nahrung erhalten, wachsen sie und mit ihnen Tatendrang und in der Folge der Erfolg. Wenn ich die Entwicklung nähre, dann ergibt sich vieles wie von selbst. Guten Erfolg für alle!
Franz Josef Neffe, DCI

Antworten wol
27.08.2008 11:16
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Re: Kinder-Talente haben Hunger!

Spamst du jetzt hier auch schon rum, reicht dir das Lehrerforum nicht? Geh zu den Zeugen oder sonst irgendeiner Sekte, an deiner Sprache erkennt man sschon, wes Geistes Kind du bist.

Antworten Antworten f.j.neffe
27.08.2008 11:55
0 0

Re: Re: Kinder-Talente haben Hunger!

Hallo wol! Bist Du neidisch, dass ich selber denke und mich nicht in dieselben Schablonen zwänge wie Du? Dadurch, das Du mich zu erniedrigen suchst, wird Dein Niveau nicht höher. Ich wünsche Dir, dass Du den HUMOR für Dich entdecken kannst, denn: "Der Ernst des Lebens soll Spaß machen!" Herzliche Grüße an Deine Talente für Mitmenschlichkeit!
Franz Josef Neffe

wol
26.08.2008 10:08
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Lernen ist harte Arbeit....

und die macht in der Regel keinen Spaß. Fragen Sie mal einen Studenten, wieviel Spaß die Vorbereitung auf eine Prüfung macht. Mit dieser kranken Spaßideologie haben linke Pädagogen versucht dem Fernsehen, den Videospielen usw in der Schule Konkurrenz zu machen. Das kann aber nicht gelingen. So blöd sind die Kinder nicht, die merken sehr wohl den Unterschied zwischen einem Spiel und einem "Lernspiel". Angesagt wäre, den Kindern von klein auf beizubringen, dass es ihre PFLICHT ist, in der Schule brav zu lernen, egal ob das Spaß macht oder nicht.

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Re: Lernen ist harte Arbeit....

"Spaß" ist sicher die falsche Bezeichnung. Spaß hat man beim Witzeerzählen und beim Necken. Natürlich kann man auch dabei etwas lernen. "Spaß" ist aber keine Voraussetzung fürs Lernen.
Lernen ist vor allem interessant. Lernen ist ein Recht. Die Schul"pflicht" erschöpft sich leider mit der Anwesenheit in der Schule. Es wäre wünschenswert, dass die Schulpflicht umgewandelt wird auf ein Recht auf Unterricht.
Man muss den Kindern nicht beibringen, dass es ihre Pflicht ist, in der Schule brav zu lernen. Kindern lernen, weil die Evolution sie so gemacht hat. Es wäre aber wünschenswert, dass darauf geachtet wird, dass Lernen nicht mit derart viel negativen Erfahrungen kombiniert wird, wodurch die Freude (nicht Spaß!) am Lernen kaputtgemacht wird.
Wenn wir wollen, dass sich in der Schule etwas ändert, dann müssen wir die Schule ändern.

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Lernen ist das Ergebnis von Erfolgserlebnissen

Und dafür ist die Schule zuständig.
Danke, Frau Dannhauser für die Belehrung. Wir Eltern sind ja so blöd, dass wir uns von morgens bis abends von aller Welt belehren lassen müssen. Jede und jeder bildet sich ein, per se über Kinder besser Bescheid zu wissen als die Eltern.
Die Lust am Lernen vergeht nicht, weil Omis und Onkels vom Ernst des Lebens reden, sondern weil Schule über Kinder drüberfährt, weil Kinder der Schule angepasst werden, weil Schule nicht für Kinder gemacht ist, weil man verlangt, dass Kinder so zu sein haben, wie die Lehrer es wollen. Wehe, wenn ein Kind nicht von der Stange ist, dann wird es bearbeitet, bis es kaputt geht. Lernen ist das Ergebnis von Erfolgserlebnissen. Jedes Misserfolgserlebnis, jeder Tadel jede schlechte Note behindern das Kind beim Lernen. Nein, nicht die Omis, die Onkels oder Eltern sind Schuld daran, dass Kinder in der Schule die Lust am Lernen verlieren. Diese Schuld liegt eindeutig an unserem Schulsystem.

Antworten wol
25.08.2008 11:01
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Re: Lernen ist das Ergebnis von Erfolgserlebnissen

Schulversager?

Gast: econo.mist
25.08.2008 07:44
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wenn alles spaß machen soll

dann weiß zum schluss niemand mehr, was spaß überhaupt ist.

Schlagzeilen Bildung