In Deutschland sorgt derzeit ein Schulbuch für Aufsehen. "Die schöne Quelle" ist für den Islam-Unterricht der dritten Klasse ausgelegt. In Zusammenarbeit mit vier muslimischen Lehrern, allesamt Islamwissenschaftler oder Theologen, ist die erste islamische Fibel entstanden. In anderen Konfessionen ist das völlig normal - das islamische Schulbuch sorgt aber für Aufregung.
Das Buch behandelt eine Vielfalt von Themen. Wichtig scheint den Autoren vor allem, dass die Kinder sich und ihre Religion als Teil der deutschen Gemeinschaft sehen. Da gibt es etwa einen türkischen Vater, der Elternsprecher in der Schule ist oder einen Buchhändler aus der deutschen Kleinstadt. Dieser versammelt die muslimischen Kinder um seinen Ohrensessel und erzählt ihnen von dem Propheten und der Geschichte ihrer Religion.
Islam-Unterricht in Deutschland
Islam-Unterricht gibt es bisher nur vereinzelt an deutschen Schulen, Vorreiter ist Nordrhein-Westfalen. Schon seit 1986 wird Islamkunde in dem bevölkerungsreichsten Bundesland angeboten, seit 1999 auch als eigenständiges Unterrichtsfach in deutscher Sprache.
An 120 Schulen werden dort etwa 8000 Schüler unterrichtet. Bisher konnten sich die Lehrer für ihren Unterricht jedoch nur an einem Lehrplan orientieren und weitergehende Materialien in Fortbildungen erarbeiten. Islam-Unterricht wurde bisher vor allem als Sachunterricht mit informierendem, neutralem Charakter erteilt. Anders als christlicher Religionsunterricht hat er damit keine Erziehungsfunktion.
Islamische Religion als ordentliches Fach
Im März hatten sich Bund und Länder mit muslimischen Verbänden auf der dritten Islam-Konferenz in Berlin darauf verständigt, dass islamische Religion ordentliches Unterrichtsfach an deutschen Schulen werden soll. Die Bedingung: Das Fach muss in deutscher Sprache gelehrt werden. Allerdings erklärten sich nicht alle Bundesländer zur Einführung des Islamunterrichts bereit.
"Der Unterricht wirkt sich auf die Integration sehr positiv aus", sagte Corinna Fischer, Sprecherin des Kultusministeriums von Niedersachsen. "Es zeigt muslimischen Schülern, dass sie ernst genommen werden", erklärte der nordrhein-westfälische Schulsprecher Harms. Islamkunde leiste außerdem einen Beitrag zur Aufklärung und Integration von Muslimen. Auch das erste Schulbuch für den Islamunterricht soll zeigen, was die christliche und muslimische Lebenswelt verbindet. So erklärt "Saphir" nicht nur die wichtigsten muslimischen Begriffe und Rituale, sondern gibt auch einen Einblick darüber, was es heißt, als Muslim in Deutschland zu leben.
(Red.)

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