Seit 1996 gibt es an berufsbildenden Schulen in Oberösterreich das Projekt "Cooperatives offenes Lernen" (COOL). Dabei müssen Schüler neben dem klassischen Unterricht fächerübergreifende Arbeitsaufträge erledigen. Nun soll es nun auch in anderen Bundesländern verbreitet werden, lautet der Auftrag des Unterrichtsministeriums. Georg Neuhauser, einer der Leiter des Impulszentrum COOL, hat die Initiative am Montagabend vorgestellt.
"Inhalte selbst erarbeiten"
Das Modell ersetzt den klassischen Unterricht nicht gänzlich, ein Drittel bis die Hälfte der Unterrichtszeit sollte laut Neuhauser allerdings aus COOL-Stunden bestehen. In diesen haben die Schüler Zeit, in Gruppenarbeit an den meist fächerübergreifenden Aufträgen der Lehrer zu arbeiten. Für diese haben die Schüler einen Abgabetermin, wann und wie sie die Aufgaben erfüllen, können sie aber selbst einteilen. Neuhauser: "Sie bekommen nicht Inhalte vorgebetet, sondern müssen sie selbst erarbeiten."
Gleichzeitig sollen die Schüler dadurch "Soft Skills" wie Verantwortungsbewusstsein oder Termintreue trainieren. Zum COOL-Konzept gehören außerdem Selbstverwaltungselemente wie ein Klassenrat und das Entwickeln von Reflexions- und Feedback-Kultur. All dies seien Eigenschaften, die von der Wirtschaft von Absolventen berufsbildender Schulen zunehmend gefordert würden, so Neuhauser.
Mehr Arbeit für Lehrer
Von den Lehrern erfordert das COOL-Modell mehr Einsatz: Nicht nur die Schüler, auch sie müssen miteinander kooperieren. Klassen- wie Fachlehrer müssten "über das normale Maß" zusammenarbeiten, auch Fortbildung gehört dazu.
Der positive Effekt für Lehrer: Der Einzelkämpfer wird in ein Team integriert und muss nicht mehr versuchen, Probleme alleine zu lösen. Und: Die Vorbereitung von COOL-Stunden ist zwar aufwendiger, der Unterricht aber dafür entspannter. Die Schüler würden laut Neuhauser nämlich Fragen zunächst untereinander zu klären versuchen und erst dann den Lehrer fragen. Der soziale Druck innerhalb der Gruppen sorge außerdem dafür, dass wirklich jeder mitarbeite.
Derzeit gibt es 33 oberösterreichische Schulen mit COOL-Zertifikat. An insgesamt 80 Standorten gibt es Lehrer, die das Modell im Unterricht anwenden. Durch Besuche bei sogenannten "Impulsschulen" und mit einem kürzlich veröffentlichten interaktiven Dokumentationsfilm sollen weitere Pädagogen für COOL gewonnen werden. An den Universitäten Linz und Innsbruck fließt COOL laut Neuhauser bereits in die pädagogische Ausbildung ein.
(APA/Red.)
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