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"Derzeit wird für Hochbegabte systematisch nichts getan"

17.12.2008 | 14:45 |   (DiePresse.com)

Experten kritisieren den Umgang mit hochbegabten Kindern in Österreich. Ein Mindestalter für die Uni gibt es nicht. Das Überspringen einer Klasse liegt im Ermessen von Direktor und Lehrern.

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Woran liegt es, dass Österreichs jüngster Uni-Absolvent Marian Kogler schon im Alter von 16 Jahren sein Informatikstudium an der TU Wien abgeschlossen hat? Vor allem an viel Eigeninitiative und der Unterstützung einzelner Lehrer und Professoren. Kein Wunder, dass er sich "mehr Klarheit über die rechtliche Lage" für Hochbegabte wünscht. Denn ob diese eine Klasse überspringen oder parallel zum Schulbesuch an einer Uni studieren können, hängt zu einem Gutteil vom Entgegenkommen von Schulleitung und Lehrern ab. Das bestätigte Günter Schmid, Direktor der Karl-Popper-Schule.

Drastischer formuliert es Vera Fischhof von "Mensa Österreich", einem Verein für hochintelligente Menschen: "Derzeit wird für Hochbegabte systematisch nichts getan, die Strukturen sind intransparent und kompliziert." Auch der Wiener Experimentalphysiker Anton Zeilinger vermisst "besondere Anerkennung und Förderung für besondere Leistung" exzellenter junger Menschen in Österreich.

"Im Idealfall" merken es die Lehrer


"Das Überspringen einer Klasse ist Bestandteil des österreichischen Schulrechts, aber es ist immer noch die Ausnahme", so Schmid, der die Karl-Popper-Schule im Wiedner Gymnasium als Schulversuch für Hochbegabte führt. Formale Voraussetzungen gebe es keine, allerdings darf maximal eine Klasse in Volksschule, Unter- und Oberstufe übersprungen werden. Ob und wann ein Kind diese Möglichkeit bekommt, liegt schließlich im Ermessen der Pädagogen.

"Im Idealfall sollten die Lehrer merken, dass ein Schüler in seiner Klasse nicht gut aufgehoben ist und sich fadisiert," sagt Schmid. Mit dem Kind und dessen Eltern werde dann über das Überspringen einer Klasse entschieden. Viel häufiger gingen Schüler allerdings nur in einzelnen Fächern in höhere Klassen.

"Schüler/innen an die Unis"


Seit 2000 gibt es außerdem das Programm "Schüler/innen an die Unis", eine Initiative des Unterrichtsministeriums und des Österreichischen Zentrums für Begabtenförderung (ÖZBF). Es soll Hochbegabte anregen, parallel zum Schulbesuch Lehrveranstaltungen an der Uni zu besuchen. Ein Mindestalter gibt es nicht, die Zeugnisse werden nach Matura und Inskription an der Uni als ordentlicher Hörer voll angerechnet. Auch in diesem Fall ist laut Schmid nirgends festgeschrieben, ob und wie die Schule diese Zusatzbelastung - etwa durch flexiblere Prüfungstermine - berücksichtigen muss. "Aber die Schule sollte ja generell auf die Bedürfnisse der Schüler Rücksicht nehmen."

Für Fischhof und Zeilinger ist es um die Begabtenförderung in Österreich derzeit schlecht bestellt. "Da wird sicherlich zu wenig getan", so die "Mensa"-Sprecherin. In Österreich sei Elitedenken bisher "aus der Geschichte heraus verpönt" gewesen. Erst jetzt werde erkannt, dass nicht nur auf die speziellen Voraussetzungen von "Problemkindern", sondern auch von Hochbegabten eingegangen werden müsse.

ÖZBF-Direktorin Waltraud Rosner bestätigte das: "Die Begabtenförderung ist in Österreich eine sehr junge Entwicklung, die Strukturen sind erst im Aufbau." Allerdings gebe es schon jetzt für Eltern und Lehrer hochbegabter Schüler die Möglichkeit, sich bei den Bundesländer- bzw. Bezirks- Koordinationsstellen für Begabtenförderung beraten zu lassen.

Einsame Hochbegabte


Die mangelnde Förderung zeigt sich laut Zeilinger schon im Gymnasium, wo sich Hochbegabte "meistens total einsam und verlassen" fühlten, so der Experimentalphysiker. "Die werden in der Schule nicht gefördert, schauen kein Fernsehen an, weil es ohnedies nur Blödsinn gibt, und hängen am Internet, in der Hoffnung etwas Interessantes zu finden."

Zeilinger kritisiert etwa, dass es in Österreich kein Pendant zur Studienstiftung in Deutschland gebe. Es gebe zwar einzelne Begabtenstipendien, doch die deutsche Studienstiftung sei eine fixe Institution und jeder sei stolz, da reinzukommen. Bei den halbjährlichen Treffen, an denen er, Zeilinger, schon teilgenommen habe, herrsche eine "unglaubliche Begeisterung". Für eine Förderung, die völlig unabhängig vom Einkommen der Eltern sein müsse, brauche man nicht viel Geld. "Man muss nur die Leute zusammenfassen, ihnen auf die Schulter klopfen und ihnen zeigen, dass es auch noch andere in dieser Situation gibt", so Zeilinger.

(APA/Red.)

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12 Kommentare
Martin_01
18.12.2008 20:40
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Für wen wird nichts getan?

Der Dienstgeber ist es, der seinen Schulen und seinen Lehrern laufend in den Rücken fällt, jahrzehntelang dringend notwendige Schritte nicht setzt, stattdessen ein Verblödungsprogramm namens NMS propagiert und sich nun ein Bifie-Heer von Ja-Sagern leistet, denen ihre persönliche Karriere wichtiger ist als das Wohl unserer Kinder.

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Re: Für wen wird nichts getan?

Und wer ist der Dienstgeber der Lehrer? Sind das nicht auch lauter Lehrer? Die Direktoren, die Inspektoren, die Landesschulräte - lauter Lehrer! Wer sitzt in den politischen Ausschüssen, die sich um die Schulen kümmern? Lehrer! Die Lehrer sind in der Politik ungefähr 10 mal häufiger vertreten als andere Berufe. Es sind nur Lehrer, welche die Geschicke der Schule lenken. Schaun Sie sich doch die verschiedenen Schlüsselstellen in unserem Lande an! Die Lehrer sitzen überall.
Also hören Sie auf sich aufzuregen, dass jemand den Lehrern in den Rücken fällt, es sind auch nur die Lehrer.

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Verantwortung

Nicht nur die Hochbegabung, sondern alles was sich in der Schule abspielt liegt im Ermessen der DirektorInnen und LehrerInnen. Alle Noten, alle Beurteilungen, ob überspringen oder sitzenbleiben, ob Sonderschule, Hauptschule oder Gymnasium - alles hängt vom Gemauschel derer ab, die grad zufällig dort sitzen. Nicht die Fähigkeiten des Kindes, sondern die Beziehung ist ausschlaggebend über das ganze spätere Berufsleben unserer Bevölkerung.
So viel Verantwortungslosigkeit muss man eigentlich schon als Betrug bezeichnen.

Antworten Martin_01
18.12.2008 20:42
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Re: Verantwortung

Das Tellsche Geschwafel konnte hier natürlich nicht fehlen.

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Stimmt

Die Schule schadet Hochbegabten!
Auch mir ist vor wenigen Jahren angeboten worden, eine Klasse zu überspringen, aber ich habe das aus persönlichen Gründen abgelehnt.
Ich will damit nicht sagen, dass ich extrem hochbegabt bin, aber besonders gefördert werde und wurde ich nie...

Antworten komajo
22.12.2008 17:26
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Re: Stimmt

Nehmen wir an, Sie seien ein "hochbegabter" Musiker. Worin müsste die Förderung bestehen? Sie brauchen keine Klassen überspringen, nur excellent spielen. Kommen Sie mit?

Antworten Gast: Crusader
18.12.2008 16:59
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Re: Stimmt

Wenn sie älter werden wird es dann immer lustiger.......

Gast: Neoliberal
17.12.2008 15:29
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Der alte Zausel hat es noch immer nicht kapiert

ES GIBT KEINEN BEDARF AN HOCHBEGABUNG: Die Schwarzen sind nicht interessiert, da sie ihre eigenen oft unterbelichteten Kinder irgendwo unterbringen müssen und wollen und die Roten, reden zwar von Bildung, meinen aber nur die Posten, die im Schlaraffenland entstehen sollen, und zu vergeben wären. HOCHBEGABTE STÖREN NUR!

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Re: Der alte Zausel hat es noch immer nicht kapiert

Vor allem sind LehrerInnen furchtbar beleidigt, wenn SchülerInnen es wagen, etwas besser zu können als die LehrerInnen. So eine Frechheit muss bestraft werden!

Antworten Antworten komajo
22.12.2008 17:29
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Re: Re: Der alte Zausel hat es noch immer nicht kapiert

Nennen Sie bitte wenigstens zwei Beispiele. Am besten aus Ihrer Schulzeit, in der Sie einen Lehrer belehren konnten.

Antworten Antworten Antworten Gast: cogito
29.12.2008 20:20
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Re: Re: Re: Der alte Zausel hat es noch immer nicht kapiert

Deutschlehrer über griechische Sagen (mit 12 Jahren) und Religionslehrer über römische Kaiser (mit etwa 16 Jahren).
Aber das hat nichts mit Intelligenz sondern mit Wissen zu tun.

Antworten Gast: waldmann
17.12.2008 23:24
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Re: Der alte Zausel hat es noch immer nicht kapiert

perfekte analyse bravo

Schlagzeilen Bildung