Woran liegt es, dass Österreichs jüngster Uni-Absolvent Marian Kogler schon im Alter von 16 Jahren sein Informatikstudium an der TU Wien abgeschlossen hat? Vor allem an viel Eigeninitiative und der Unterstützung einzelner Lehrer und Professoren. Kein Wunder, dass er sich "mehr Klarheit über die rechtliche Lage" für Hochbegabte wünscht. Denn ob diese eine Klasse überspringen oder parallel zum Schulbesuch an einer Uni studieren können, hängt zu einem Gutteil vom Entgegenkommen von Schulleitung und Lehrern ab. Das bestätigte Günter Schmid, Direktor der Karl-Popper-Schule.
Drastischer formuliert es Vera Fischhof von "Mensa Österreich", einem Verein für hochintelligente Menschen: "Derzeit wird für Hochbegabte systematisch nichts getan, die Strukturen sind intransparent und kompliziert." Auch der Wiener Experimentalphysiker Anton Zeilinger vermisst "besondere Anerkennung und Förderung für besondere Leistung" exzellenter junger Menschen in Österreich.
"Im Idealfall" merken es die Lehrer
"Das Überspringen einer Klasse ist Bestandteil des österreichischen Schulrechts, aber es ist immer noch die Ausnahme", so Schmid, der die Karl-Popper-Schule im Wiedner Gymnasium als Schulversuch für Hochbegabte führt. Formale Voraussetzungen gebe es keine, allerdings darf maximal eine Klasse in Volksschule, Unter- und Oberstufe übersprungen werden. Ob und wann ein Kind diese Möglichkeit bekommt, liegt schließlich im Ermessen der Pädagogen.
"Im Idealfall sollten die Lehrer merken, dass ein Schüler in seiner Klasse nicht gut aufgehoben ist und sich fadisiert," sagt Schmid. Mit dem Kind und dessen Eltern werde dann über das Überspringen einer Klasse entschieden. Viel häufiger gingen Schüler allerdings nur in einzelnen Fächern in höhere Klassen.
"Schüler/innen an die Unis"
Seit 2000 gibt es außerdem das Programm "Schüler/innen an die Unis", eine Initiative des Unterrichtsministeriums und des Österreichischen Zentrums für Begabtenförderung (ÖZBF). Es soll Hochbegabte anregen, parallel zum Schulbesuch Lehrveranstaltungen an der Uni zu besuchen. Ein Mindestalter gibt es nicht, die Zeugnisse werden nach Matura und Inskription an der Uni als ordentlicher Hörer voll angerechnet. Auch in diesem Fall ist laut Schmid nirgends festgeschrieben, ob und wie die Schule diese Zusatzbelastung - etwa durch flexiblere Prüfungstermine - berücksichtigen muss. "Aber die Schule sollte ja generell auf die Bedürfnisse der Schüler Rücksicht nehmen."
Für Fischhof und Zeilinger ist es um die Begabtenförderung in Österreich derzeit schlecht bestellt. "Da wird sicherlich zu wenig getan", so die "Mensa"-Sprecherin. In Österreich sei Elitedenken bisher "aus der Geschichte heraus verpönt" gewesen. Erst jetzt werde erkannt, dass nicht nur auf die speziellen Voraussetzungen von "Problemkindern", sondern auch von Hochbegabten eingegangen werden müsse.
ÖZBF-Direktorin Waltraud Rosner bestätigte das: "Die Begabtenförderung ist in Österreich eine sehr junge Entwicklung, die Strukturen sind erst im Aufbau." Allerdings gebe es schon jetzt für Eltern und Lehrer hochbegabter Schüler die Möglichkeit, sich bei den Bundesländer- bzw. Bezirks- Koordinationsstellen für Begabtenförderung beraten zu lassen.
Einsame Hochbegabte
Die mangelnde Förderung zeigt sich laut Zeilinger schon im Gymnasium, wo sich Hochbegabte "meistens total einsam und verlassen" fühlten, so der Experimentalphysiker. "Die werden in der Schule nicht gefördert, schauen kein Fernsehen an, weil es ohnedies nur Blödsinn gibt, und hängen am Internet, in der Hoffnung etwas Interessantes zu finden."
Zeilinger kritisiert etwa, dass es in Österreich kein Pendant zur Studienstiftung in Deutschland gebe. Es gebe zwar einzelne Begabtenstipendien, doch die deutsche Studienstiftung sei eine fixe Institution und jeder sei stolz, da reinzukommen. Bei den halbjährlichen Treffen, an denen er, Zeilinger, schon teilgenommen habe, herrsche eine "unglaubliche Begeisterung". Für eine Förderung, die völlig unabhängig vom Einkommen der Eltern sein müsse, brauche man nicht viel Geld. "Man muss nur die Leute zusammenfassen, ihnen auf die Schulter klopfen und ihnen zeigen, dass es auch noch andere in dieser Situation gibt", so Zeilinger.
(APA/Red.)

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