WIEN (chs). Die Zeit des uniformen Arbeiters ist vorbei – in der Informationsgesellschaft sind Kreativität und Innovation gefragt. Der Grundstein für diese neuen Kernkompetenzen müsse künftig bereits in der Schule gelegt werden. Darin waren sich die Teilnehmer einer Diskussion der Industriellenvereinigung und der überparteilichen Initiative „Bildung Grenzenlos“ anlässlich des „Europäischen Jahres der Kreativität und Innovation“ am Montag einig.
„Unternehmen, in denen kreatives und kritisches Denken nicht erwünscht ist, werden pleite gehen“, sagt Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx. Der Arbeitsmarkt habe sich verändert, komplexe Kommunikation und analytisches Denken würden immer stärker nachgefragt. Woran es vor allem im technischen Bereich mangle, seien hochqualifizierte Mitarbeiter, sagt Monika Kircher-Kohl, Vorstandsvorsitzende des Infineon-Konzerns. Diese müssten oft im Ausland rekrutiert werden, „weil gutes Personal in Österreich nicht vorhanden ist.“ Das Problem: „Viele sind von kritischem Denken entwöhnt.“
Kreativität und Innovationsgeist müssten daher eine tragende Rolle in der Schule übernehmen, so die Diskutanten. „Wir müssen die verzerrte, überhöhte Wahrnehmung von Kreativen ablegen. Jeder kann kreativ sein“, sagt Tuga Beyerle, Veranstalterin der „Vienna Design Week“. Schulen dürften Kreativität und Disziplin nicht länger als Widerspruch betrachten, sagt Horx. Er verweist, wie Kircher-Kohl, auf die Schwächen des Bildungssystems: teure Verwaltung, Proporz, Zentralismus.
Konkrete Konzepte für innovationsfreundliche Bildung gibt es aber wenige, ambitionierte Ideen umso mehr. Heidi Schrodt von der Initiative Bildung Grenzenlos und Direktorin des GRG Rahlgasse fordert, dass „Kreativität in alle Unterrichtsfächer Eingang findet“. Dafür bräuchten Schulen vor allem eines – mehr Autonomie. Für die Zukunft zeigten sich die Diskutanten zuversichtlich: „Engagierte Pädagogen sind oft noch in der Minderheit, aber der Prozess ist im Laufen“, sagt Horx.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2009)

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