Sie galt als die Erfolgsschule der vergangenen Jahrzehnte, sie wird auch heute noch als sicheres Ticket für einen Job gesehen: die HTL, die fünfjährige technisch orientierte Schule mit einem Maturaabschluss. Dennoch überrascht die Schulstatistik, die einen Rückgang der HTL-Zahlen ausweist: 2008 maturierten 9295 Schüler und Schülerinnen an den technischen und gewerblichen höheren Schulen, ein Jahr zuvor waren es noch 9706, im Jahr 2005 legten 9648 die Matura ab. Im gleichen Zeitraum stieg übrigens die Zahl der AHS-Maturanten.
An den betroffenen Schulen zuckt man da nur mit den Achseln. Die HTL Mödling ist mit ihren 3500 Lernenden nicht nur Spitzenreiter in Österreich, sie gilt auch als die größte Schule Europas. Die – laut Eigenwerbung – „Schule für Ihren beruflichen Erfolg“ bietet in zehn höheren Abteilungen (den HTL-Fachrichtungen) 13 verschiedene Ausbildungsschwerpunkte an, weiters sieben vierjährige Fachschulen und acht zweijährige Kollegs.
Was ist der Ingenieur heute noch wert? Der HTL-Absolvent (mit seinen Praxisjahren), der als Abstufung zum universitären Diplomingenieur auch wenig schmeichelhaft Schmalspur-Ingenieur genannt wird? Geht man nach einer Studie des ibw (Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft), ist der HTLer weiterhin gefragt. Jeder zweite Absolvent ergreift direkt nach der Schule bzw. dem Präsenzdienst/Zivildienst einen Beruf, wobei Studienautor Arthur Schneeberger auf die „sehr chancenreichen“ Berufsaussichten verweist. Vor allem in den Fachrichtungen Maschinenbau, Elektrotechnik, Elektronik, Metallurgie und Biotechnologie.
Dennoch: Der Anteil jener, die nach der Matura studieren, werde größer, sagt Karl Reischer, Direktor des TGM in Wien (Technologisches Gewerbemuseum). Wobei Reischer auf eine fragwürdige Lehrplanreform hinweist: Im Zuge der Stundenkürzungen wurde Mathematik in den Abschlussklassen gestrichen. Als Folge leidet die Studierfähigkeit der Absolventen, sie tun sich an den technischen Universitäten schwerer.
Schwer tun sich die HTLs mit dem Frauenanteil. Die HTL Mödling konnte immerhin fast 15 Prozent erreichen, das TGM hält noch bei knapp zehn Prozent (siehe Bericht unten). Am stärksten sind sie noch in den Abteilungen Wirtschaftsingenieurwesen und Werkstoffingenieurwesen vertreten, fast gar nicht („eine handverlesene Schar“) bei der Maschineningenieurausbildung.
„Qualitative Latte“ gefordert
Ein Problem sieht der TGM-Direktor bei den 14-Jährigen, die an seine Schule kommen. Reischer: „Mein Anliegen an die Politik ist, dass man nach acht Jahren Pflichtschule auf die Zeugnisse vertrauen kann.“ Denn diese seien heute nicht mehr zu vergleichen. Ein Hauptschüler aus dem Weinviertel sei oft in einem weitaus höheren Maße für die HTL qualifiziert als ein Schüler nach einer vierten AHS-Klasse in Wien. Deswegen sei eine qualitative Latte, „über die alle drübermüssen“, ein wichtiges Anliegen. Eine rein formale Feststellung mittels Bildungsstandards, die nicht einmal veröffentlicht werden, bringe da kaum etwas.
Die Drop-out-Rate nach dem ersten Jahr (HTL oder Fachschule) ist seit Jahren extrem hoch, wobei dies auf die große Zahl an Poly-Flüchtlingen zurückgeführt wird. Die Polytechnische Schule wird gemieden, da lohnt sich immer noch ein Versuch an einer berufsbildenden mittleren oder höheren Schule. Ab dem zweiten Jahr geht die Abbrecherquote deutlich zurück. Allerdings: „Uns fallen Schüler auf, die im vorletzten Jahr nicht mehr weiterwollen, die lieber Geld verdienen wollen.“ Diese Entwicklung habe, so Reischer, vor fünf, sechs Jahren begonnen.
Dabei erweisen sich HTLer in späteren Jahren – nach einer ersten Berufsphase – als bildungshungrig. Beruf und Studium, so lautet die Devise. Wobei vor allem die Fachhochschulen berufsbegleitende Studien anbieten. „Mit Ende 20 haben sie oft Erfolg, sie sind im Ausland tätig und haben es dort mit Graduierten zu tun“, sagt Schneeberger. Das animiert zum eigenen Studium, „nicht weil sie die Qualifikation noch brauchen, aber im Geschäftsverkehr, also für die Visitenkarte, ist das wichtig.“
■Die HTL ist eine Form der fünfjährigen berufsbildenden höheren Schule, die mit der Matura abschließt. Nach Jahren des enormen Wachstums (zuletzt 59.942 Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2007/08) sind die Maturantenzahlen in den vergangenen Jahren gesunken. An einer HTL sind zumeist auch eine vierjährige Fachhochschule (ohne Matura) und Kollegs für Berufstätige eingerichtet.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2009)
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Wie gut ist Ihr Schulenglisch? Können Sie mit den 14-Jährigen mithalten?











