Wien (ett). Düstere Berufsaussichten für rund 20.000 junge Menschen, die derzeit ein Lehramtsstudium an einer Universität oder die Ausbildung an einer Pädagogischen Hochschule absolvieren: Wenn, wie von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) zuletzt in der ORF-„Pressestunde" angekündigt, kaum noch Junglehrer aufgenommen werden, wären davon bis zum Ende der Legislaturperiode 2013 in Summe 14.180 angehende Pädagogen betroffen. Das ist jedenfalls die Zahl an Lehrerpensionierungen, mit denen das Unterrichtsressort laut einem der „Presse" vorliegenden Papier rechnet.
Wie viele pensionierte Lehrer nachbesetzt werden? Im kommenden Schuljahr werde es einen De-facto-Aufnahmestopp geben, wurde am Montag auf Anfrage im Schmied-Büro erläutert. Vorausgesetzt, die zusätzliche Lehrverpflichtung von zwei Stunden wird umgesetzt und die Bildungsreform fortgesetzt. „Nur in Einzelfällen" sollen 2009/10 Junglehrer nach Pensionierungen eingestellt werden. Ab 2010/11 werde es wieder mehr Neuanstellungen geben.
Die Lehrergewerkschaft befürchtet, dass allein bei der Umsetzung der von Schmied angestrebten zusätzlichen Lehrverpflichtung von zwei Stunden in der Klasse rund 10.000 Lehrer „überflüssig" werden. Die Ministerin hat mit einer Beschäftigungsgarantie für schon jetzt tätige Lehrer - allerdings nicht in allen Fällen an ihrem bisherigen Schulstandort - geantwortet. Rund 5000 der 120.000 Lehrer haben derzeit laut Unterrichtsministerium nur eine befristete Anstellung.
Angehende Lehrer drohen hingegen auf der Strecke zu bleiben. Allein an den Universitäten sind derzeit rund 12.000 Lehramtsstudenten inskribiert. Die Zahl der Abschlüsse war allerdings laut Wissenschaftsministerium rückläufig - von 1036 im Jahr 2004/05 auf 923 im Jahr 2005/06. An den Pädagogischen Hochschulen studieren derzeit rund 8600 Hörer. Dort ist die Zahl im Steigen: 2008/09 haben 2627 junge Frauen und Männer die Ausbildung zum Lehrer an einer Pflichtschule begonnen.
Zweifel in den Ländern
Die Studentenvertretung (ÖH) reagierte erbost auf Schmieds De-facto-Aufnahmestopp für Lehrer: „Unsere schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden." Die Diskussion dürfe nicht auf dem Rücken der Studenten ausgetragen werden.
Das Unterrichtsministerium erwartet durch die Pensionierungen eine deutliche Budgetentlastung, weil Bezüge für Junglehrer niedriger sind. Im Zuge der Koalitionsverhandlungen bezifferte das Ressort die möglichen Einsparungen durch Struktureffekte als Folge der Pensionierungswelle mit 1,7 Milliarden Euro bis 2025. Für 2009 und 2010 wurde allerdings noch mit keinen Einsparungen gerechnet. Das Schulbudget 2009 wird vielmehr um 400 Millionen Euro erhöht.
Die Landesschulratspräsidenten bezweifelten am Montag nach einem Treffen mit Schmied, dass es überhaupt möglich sein wird, die Unterrichtsverpflichtung der Lehrer ab dem nächsten Schuljahr um zwei Stunden anzuheben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2009)
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