SP-Bildungsministerin Claudia Schmied hat am Samtsag dem ÖVP-Vorschlag zu einem neuen Aufnahmeverfahren an AHS eine klare Absage erteilt. "Nach einigen Wochen der standespolitischen Ablenkung zeigt der Wunsch von ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon nach neuen Aufnahmetests für die AHS die wahren Ziele der ÖVP-Bildungspolitik: Zurück in die Sechziger-Jahre, zurück in die bildungspolitische Vergangenheit", so Schmied in einer Aussendung.
ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon hatte in der Wochenend-Ausgabe des "Standard" ein dreiteiliges Aufnahme-Verfahren vorgeschlagen. Erstens sollen demnach wie bisher die Noten der vierten Klasse Volksschule berücksichtigt werden. Zweitens soll es ein "Prognoseverfahren" geben, mit dem herausgefunden werden soll, welches Potenzial und welche Interessen ein Kind mitbringt. Und drittens sollen die Volksschulzeugnisse evaluiert werden.
Für Schmied ist das der falsche Weg: Alle internationalen Studien zeigten, "dass die brutale Trennung der Kinder mit zehn Jahren soziale Ungerechtigkeit verschärft und Spitzenleistungen im Bildungssystem verhindert". Amon fordere eine weitere Verschärfung dieser Trennung. "Internationale Bildungswissenschafter werden mit Recht den Kopf schütteln", so die Ministerin. Sie betonte: "Die von Amon geforderte Retro-Politik wird es in dieser Regierung nicht geben. Seine vollkommen unüberlegten Forderungen sind nicht Teil des Regierungsprogramms und somit auch kein Thema dieser Regierung."
Ablehung auch von BZÖ und Grünen
Ein klares Nein kam auch vom BZÖ. Generalsekretär Martin Strutz sprach von einem "brutalen Versuch einer sozialen Selektion" und "absoluten Tiefpunkt der immer absurderen ÖVP-Bildungspolitik". "Ich fordere ein Sprechverbot für die ÖVP im Bildungsbereich", so Strutz. Er warf der ÖVP vor: "Die Lehrer in Watte packen, aber den Schüler die Bildungschancen rauben, das ist keine bürgerliche Politik, das ist Bildungskommunismus."
Als "bildungspolitischen Humbug" kritisiert Grünen-Bildungssprecher Harald Walser Amons Vorschlag. Die ÖVP müsse "endlich die Ergebnisse der Forschung akzeptieren und ihre verstaubten bildungspolitischen Vorstellungen ablegen. Amons Vorschlag ist eine Gefährdung für den Bildungsstandort Österreich", so der Bildungssprecher.
Kritik von der FPÖ
FP-Bildungssprecher Walter Rosenkranz kritisierte, dass die Vorschläge der ÖVP "um Jahre zu spät" kommen. In den großen Ballungsräumen seien die AHS oft der letzte Ausweg, um seinen Kindern die Zukunft nicht zu verbauen. Es sollen "natürlich" nur Kinder in die AHS gehen, die auch das Niveau dafür haben. Grundsätzlich seien aber Volksschullehrer in ihrer Benotung sehr wohl in der Lage, zu beurteilen, ob ein Kind für eine AHS geeignet sei oder nicht, so Rosenkranz.
Abgelehnt wurden Amons Wünsche von Bernhard Achitz, Leitender Sekretär im ÖGB. Für den ÖGB kommen "weder verschärfte Aufnahmeverfahren noch Sonderklassen für Migranten in Frage". Die Entscheidung für einen Bildungsweg findet in Österreich ohnehin viel zu früh statt, so Achitz.
(APA)

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