Burkaverbot in Schule? "Ist nicht so einfach"

SPÖ-Stadträtin Sandra Frauenberger ist nun für Integration und Bildung zuständig. Sie sagt, in Wien gebe es keine islamischen Kindergärten, weil das dem Bildungsplan widerspreche.

 Händeschütteln gehört zur Integration, sagt Sandra Frauenberger.
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 Händeschütteln gehört zur Integration, sagt Sandra Frauenberger.
Händeschütteln gehört zur Integration, sagt Sandra Frauenberger. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Die Presse: Wenn ein Muslim einer Frau nicht die Hand gibt – ist das ein Problem oder eine kulturelle Eigenheit?

Sandra Frauenberger: Ich bin seit achteinhalb Jahren Integrationsstadträtin, und mir hat noch keiner die Hand verweigert.


Sie sind Politikerin, da verhält man sich vielleicht anders.

Mag sein. Sie werden auch nicht von mir hören, dass ich so ein Verhalten okay finde. Es ist unhöflich. Als Frauenstadträtin verstehe ich Geschlechterunterschiede im 21. Jahrhundert prinzipiell nicht. Deswegen sprechen wir in den Willkommenskursen in Wien auch über Gleichberechtigung.


Heißt das, Händeschütteln gehört für Sie zur nötigen Integration?

Ja, weil man es hier eben so macht.


Minister Kurz hat vergangene Woche vorgeschlagen, islamische Kindergärten registrieren zu lassen. Im Unterschied zu katholischen Kindergärten haben die keinen gemeinsamen Träger und werden deshalb nicht als solche erfasst. Warum macht das Wien bisher nicht?

Wenn eine Trägerorganisation einen Kindergarten eröffnen will, muss sie um Genehmigung ansuchen. Es gibt keine islamischen Kindergärten, weil sich alle an den Wiener Bildungsplan halten müssen – sprich es darf dort keinen Religionsunterricht geben


Aber es gibt doch muslimische genauso wie katholische.

Aber es gibt keinen Kindergarten der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Mit Fragen der Radikalisierung beschäftigen wir uns jedenfalls in der Deradikalisierungsgruppe, die in der Kinder- und Jugendanwaltschaft eingerichtet wurde.


Werden Sie künftig den religiösen Hintergrund von Kindergärten und -gruppen erheben?

Es geht nicht um die – schwierige – Registrierung, die Idee dahinter ist vielmehr die Qualitätskontrolle. Und das tut Wien bereits intensiv und streng. Das gilt für Kindergärten und -gruppen unabhängig vom religiösen Hintergrund.


Das war jetzt weder ein Ja noch ein Nein.

Die Frage ist wie gesagt, woran der religiöse Hintergrund überhaupt festgemacht werden kann. Vorrangig gelten unsere Anstrengungen der Kontrollen und Qualitätssicherung – zum Wohl unserer Kinder.


Ich würde das jetzt als Nein interpretieren. Kommen wir zu einer anderen Kurz-Idee: Kinder, die in der Schule radikales oder rassistisches Verhalten zeigen, sollen mit Dienst an der Gemeinschaft bestraft werden. Eine gute Idee?

Ich finde es besser, in der Schulklasse über so ein Verhalten zu reden. Nur zu strafen ist mir zu simpel.


Zuletzt gab es Berichte über eine Schule, in der ein Mädchen plötzlich mit Burka aufgetaucht ist. Kommt so etwas öfter vor?

Das mit der Burka ist mir neu. Von Mädchen, die ohne Wissen der Eltern Kopftuch tragen, hören wir.


Im Anlassfall hat die Schule die Burka verboten. Darf sie das?

Ja, rechtlich darf sie das.


Sind Sie generell für ein Burkaverbot an Schulen?

Beim Kopftuch haben wir uns als SPÖ-Frauen darauf geeinigt, dass das Selbstbestimmungsrecht der Frau vorgeht. Eine Vollverschleierung in der Klasse ist etwas anderes. Wenn das jetzt stärker Thema wird, müssen wir uns auch mit unserer Koalitionspartnerin zu einer Positionierung unterhalten.


Aber was ist denn Ihre Meinung? Verbieten – ja oder nein?

Das ist nicht so einfach. Wäre es so leicht, hätten wir viele Probleme in der Deradikalisierung nicht. Aber zugegeben, für mich ist Vollverschleierung etwas, womit ich als Frau schwer kann.


Bürgermeister Häupl geht davon aus, dass die Gesamtschule in Wien 2025 die Regelschule sein wird. Was können wir uns darunter vorstellen?

Wir würden die Gesamtschule gern auf ganz Wien ausweiten. Jeden Millimeter, den wir nutzen können, um dem Ziel näherzukommen, werden wir auch nutzen. Wir haben jetzt die 15 Prozent Beschränkung auf dem Tisch liegen (maximal 15 Prozent der Standorte bzw. 15 Prozent der Schüler dürfen von einer Modellregion umfasst werden, Anm.). Jetzt muss man schauen, was das konkret bedeutet.


Wie man in Wien eine Modellregion machen möchte, ist mir unklar. Gesamtschule hieße doch, dass alle Kinder einer Region den gleichen Schultyp besuchen.

Das ist es nicht. Wie die Modellregion aussehen wird, muss erst ausgestaltet werden.


Nämlich?

Die Frage ist, ob ich irgendwo eine Insel schaffen will. Und alle Lehrer, die dort nicht sein wollen, lassen sich hinausversetzen, und alle Eltern, die Kinder dort nicht hinschicken wollen, fahren rundherum.


Die Gefahr ist groß, dass genau das passiert.

Daher kann ich mir auch vorstellen, dass die Modellregionen zur Gesamtschule über das Stadtgebiet verstreut sind.


Ist es für Sie Bedingung, dass AHS-Unterstufen an der Modellregion teilnehmen?

Ich sehe die AHS-Unterstufe schon als Teil eines solchen Clusters.


Würden Sie Gymnasien gegebenenfalls auch dazu zwingen?

Die Modellregion muss attraktiv ausgestaltet sein, dass Gymnasien sie annehmen.


Bei der Schaffung der Neuen Mittelschulen haben sich österreichweit nur elf AHS-Unterstufen freiwillig umwandeln lassen.

Stimmt. Ich sehe auch nicht, dass jetzt Zuckerln vorgesehen wären.


Der Bund sieht keine vor.

Er sagt ja auch, dass wir eine Modellregion sein können, wenn wir uns das selbst zahlen.


Was raten Sie Eltern, die ihr Kind partout nicht in eine Modellregion schicken wollen?

Na, was passiert denn jetzt? Man schickt das Kind woanders ins Gymnasium.


Erwarten Sie einen Ansturm auf die Privatschulen?

Ja, der Druck kann steigen. Wir müssen die Modellregion attraktiv kommunizieren.


Und das funktioniert ohne zusätzliches Geld?

Ich sage ja nicht, dass es ohne zusätzliches Geld geht. Wir stehen vor großen Finanzausgleichsverhandlungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2015)

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