Jänner bleibt Jänner, aber Pfiati wird Tschüss

Das österreichische Deutsch ist bei den Jüngeren auf dem Rückzug, das ergab eine Befragung.

THEMENBILD: ´ZACH´ IST DAS JUGENDWORT DES JAHRES 2015
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THEMENBILD: ´ZACH´ – (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

„Tschüss“ statt „Servus“ oder „Pfiati“, „die“ statt „das“ Cola, „Junge“ statt „Bub“: In einem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Forschungsprojekt konstatieren der Linguist Rudolf de Cillia (Universität Wien) und seine Mitarbeiterinnen Jutta Ransmayr und Elisabeth Fink einen „altersspezifischen Sprachwandel“: Die jüngere Generation spricht zunehmend „deutsches Deutsch“. Die Ergebnisse sind eine Art „Nebenprodukt“ einer Studie zur „Rolle des österreichischen Standarddeutsch als Bildungs- und Unterrichtssprache“, für die 1250 Schüler der Oberstufe und rund 160 Lehrer aller Schularten befragt wurden.

Unter anderem gaben die Sprachwissenschaftler 30 Sätze in jeweils zwei Varianten vor. Das Ergebnis: 61 Prozent der Lehrer, aber nur 46 Prozent der Schüler wählten den Satz mit dem Austriazismus. 91 Prozent der Schüler und 60 Prozent der Lehrer entschieden sich dabei für „die“ SMS, 79 Prozent der Schüler und 57 Prozent der Lehrer drückten einen „Pickel“ statt eines „Wimmerls“ aus, 82 Prozent der Schüler und 43 Prozent der Lehrer schrieben „eine“ E-Mail, 69 Prozent der Schüler und 35 Prozent der Lehrer gaben dem „Jungen“ den Vorzug gegenüber dem „Buben“, 53 Prozent der Schüler und 22 Prozent der Lehrer schlürften „die“ Cola.

Es gibt aber auch weiterhin sehr dominante Austriazismen: Für 97 Prozent der Lehrer und 89 Prozent der Schüler beginnt das Jahr mit dem „Jänner“ (statt Januar), ähnlich viele schrieben „bin gestanden“ statt „habe gestanden“. Auch der „Schweinsbraten“ (statt „Schweinebraten“) und „schmeckt sehr gut“ (statt „lecker“) sind noch fest im Sprachgebrauch verankert.

In einer eigenen Frage erhoben die Forscher, mit welcher Grußformel sich die Teilnehmer verabschieden würden. Zur Auswahl standen „Tschüss“, „Baba“, „Pfiati“, „Ciao“ und „Servus“. Hier waren Mehrfachnennungen möglich. 79 Prozent der Schüler waren für „Tschüss“, 32 Prozent für „Ciao“, 22 Prozent für „Servus“ und je zehn Prozent für „Baba“ und „Pfiati“. Bei den Lehrern kam „Tschüss“ auf 60 Prozent, „Servus“ immerhin auf 50 Prozent, 31 Prozent grüßten mit „Pfiati“. Je jünger die Probanden, desto eher zeigte sich eine Tendenz zu deutschem Deutsch. Das galt auch für die Lehrer.

Grund für den Rückgang der Austriazismen dürfte das Medienverhalten sein. Jene Schüler, die angaben, nur deutsche Kanäle zu sehen, verwenden signifikant öfter deutsches Deutsch als jene, die zumindest hin und wieder auch zum ORF schalteten.

 

Jugendwort des Jahres ist„zach“

Dass manche österreichischen Begriffe eine Renaissance erleben können, legt das von der Forschungsstelle Österreichisches Deutsch der Universität Graz gewählte Jugendwort des Jahres nahe. Es lautet „zach“. Seine ursprüngliche Bedeutung „zäh“ sei massiv erweitert worden, „sodass es heute jede Art Negatives meint und damit für alles verwendet wird, was mühsam, schwierig, problematisch ist“, so die Jury unter der Leitung von Rudolf Muhr. Zum Wort des Jahres wurde „Willkommenskultur“ gewählt, zum Unwort des Jahres die „besonderen baulichen Maßnahmen“. Der Spruch des Jahres lautet: „Frankreich, wir kommen!“ – gerufen von Trainer Marcel Koller bei einer PK nach der Qualifikation für die EM. (APA/best)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2015)

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