Korrektur der Zentralmatura

Bei der Premiere der Zentralmatura schnitten Mädchen schlechter ab als Buben. Auch Oberstufenrealgymnasien gelten als Sorgenkinder. Die Kritikpunkte im Überblick.

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(c) APA/NICOLE RENNHOFER

Wien. Die Vorbereitungen für die Zentralmatura laufen auf Hochtouren. Denn schon in rund drei Monaten, exakt am 9. Mai, beginnt der nächste Durchgang. Die Gymnasien bereiten sich schon zum zweiten Mal auf die zentrale Reifeprüfung vor. An den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) kommt es zur Premiere. In die bislang ruhig verlaufenden Vorbereitungen platzten nun die Nachwehen der Matura aus dem Vorjahr: Bei dieser habe es auffällige bzw. bedenkliche Geschlechter- und Bundesländerunterschiede gegeben, kritisiert Günter Haider, der einst selbst das für die Zentralmatura zuständige Bildungsinstitut Bifie leitete, im „Standard“. Die Auffälligkeiten im Überblick.

1. Mädchen schnitten bei der Zentralmatura schlechter ab als Buben. Wer ist schuld?

Schon Ende Mai 2015, kurz nach Ende der schriftlichen Reifeprüfung, war klar, dass die Zentralmatura prinzipiell gut ausgefallen ist („Die Presse“ berichtete). Nach den mündlichen Kompensationsprüfungen lag die Durchfallquote schlussendlich in Deutsch bei 0,6 Prozent, in Englisch bei 2,6 Prozent und in Mathematik bei 4,1 Prozent. Dabei gab es große Unterschiede zwischen den Geschlechtern – und zwar waren Mädchen sowohl in Mathematik als auch in Englisch deutlich schlechter. Ersteres war erwartbar (in Mathematik schneiden Mädchen meist schlechter ab), Letzteres war aber eine Überraschung.

Haider hält es für wahrscheinlich, dass die „Merkmale der Prüfung selbst diesen Geschlechtereffekt mit hervorrufen“ und fordert eine Überarbeitung. Das Bifie selbst hält eine Verzerrung durch die Zentralmatura für unplausibel. Die bei der Matura eingesetzten Beispiele würden darauf getestet, ob sie ein Geschlecht bevorzugen oder benachteiligen. Das Bildungsministerium hat jedenfalls schon vor einiger Zeit die Uni Klagenfurt damit beauftragt, die Gründe für den „Gender Gap“ zu suchen. Die Studie läuft noch.

2. Oberstufenrealgymnasien sind schlechter als die AHS in der Langform. Weshalb ist das so?

Zwischen der achtjährigen AHS-Langform und den vierjährigen Oberstufenrealgymnasien (BORG) „klaffen enorme Leistungslücken“, so sagt es Haider. Das war grundsätzlich zwar schon Ende Mai bekannt, damals gab es aber keinerlei Details. Nun weiß man, dass es etwa in Salzburg bei der schriftlichen Mathematik-Matura 8,5 Prozent Fünfer an den AHS-Langformen gab, aber rund 24 Prozent in BORG.

In Kärnten liegen die AHS bei neun Prozent, während es an den BORG 28 Prozent negative Noten gab. Angesichts der Ergebnisse plädiert Haider für eine Verlängerung der BORG von vier auf fünf Jahre. Die BORG starten erst in der neunten Schulstufe und müssen mit einer vergleichsweise heterogenen – aus Haupt-, NMS- und AHS-Schülern zusammengewürfelten – Klasse arbeiten. Im Bildungsministerium sieht man das Ganze etwas anders: Es hätten nur einzelne BORG deutlich schlechter abgeschnitten. Die hätten den Schnitt nach unten gedrückt.

3. Große Differenzen zwischen den einzelnen Bundesländern. Was tut das Ministerium?

Als „völlig schleierhaft“ bezeichnet Haider die Differenzen zwischen den einzelnen Bundesländern. Während in Mathematik in Kärnten (nach den Kompensationsprüfungen) nur 2,1 Prozent der Schüler negativ waren, traf das in Vorarlberg auf 6,5 Prozent zu. Das Bildungsministerium kündigte schon im Frühjahr an, dass die Schulbehörden der Länder die Ergebnisse Schule für Schule und Klasse für Klasse untersuchen und bei Bedarf einschreiten sollten.

Und auch das Ministerium selbst arbeitet mit den Zentralmaturaergebnissen. So wurden die in den Ländern erzielten Resultate in Relation zu den Kosten des jeweiligen Bildungssystems gesetzt. Ein gutes Druckmittel für Verhandlungen.

4. Die Ergebnisse der Zentralmatura wurden nicht veröffentlicht. Wieso nicht?

Der erste Durchgang der Zentralmatura ist noch nicht abgeschlossen. Ende Februar ist der letzte Nebentermin. Erst dann gibt es Gesamtergebnisse. Wirklich detaillierte Daten – also etwa welche Schule wie abgeschnitten hat – werden auch dann nicht veröffentlicht. Offiziell aus Datenschutzgründen. (j. n.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2016)

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