22.11.2009 20:22 | Meine Presse Merkliste0

Der Lehrer führt, das Kind folgt: "Das ist realitätsfremd"

15.07.2009 | 09:54 |   (DiePresse.com)

Hauptschullehrer Christian Preyer will Schüler lehren, eigenverantwortlich zu arbeiten. Er erklärt in der Serie von DiePresse.com, was sich ändern muss, damit das möglich ist.

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KMS-Lehrer Christian Preyer will seinen Schülern eine Schlüsselqualifikation mitgeben: Sie sollen eigenverantwortlich arbeiten können. Wie gut und schnell sie das lernen, ist natürlich auch abhängig vom Intellekt, vom bisher Gelernten und davon, inwieweit Eltern ihre Kinder zur Selbständigkeit erziehen.

Trotzdem will Preyer, dass alle Jugendlichen nach der Hauptschule folgendes erreicht haben: Sie sollen Lernstoff selbst erarbeiten können, die besten Quellen auswählen, aber auch fähig sein, die Ergebnisse zu überprüfen. Sie sollen selbst die Initiative ergreifen und Verantwortung in der Gruppe übernehmen. Denn das sind genau die Fähigkeiten, die sie später im Beruf auch brauchen.

Praktische Umsetzung
Was tun, wenn ein Lernstoff schon vergessen wurde und nicht nachschlagbar ist? Der Lehrer strukturiert den Stoff und teilt ihn auf verschiedene Teams auf. Diese setzen unterschiedliche Methoden ein:
Gruppe 1 durchsucht das Internet
Gruppe 2 arbeitet in der Bibliothek
Gruppe 3 lädt einen Spezialisten ein (z.B. Eltern)
Gruppe stellt Visualisierungen her
Gruppe 5 erstellt einen Beitrag für die Homepage


Der Lehrer führt, der Schüler folgt: Das ist für Christian Preyer eine recht realitätsfremde und auch einengende Auffassung vom Schulbetrieb. Damit das eigenverantwortliche Lernen auch wirklich bis zum Schüler durchdringt, sind zuerst die Lehrer gefordert. Und damit die Aus- und Fortbildung. Die Ausbildung liefert dem Lehrer aber nicht das, was er zum Unterrichten braucht: Er wird nicht auf die Bedürfnisse der Schüler und des Unterrichts vorbereitet.

 

Ausbildung geht an der Praxis vorbei

"An den wesentlichen Kritikpunkten der vergangenen 20 Jahre hat sich nicht viel geändert: Humanwissenschaftliche Vorlesungen, die meilenweit an der Praxis vorbeigehen. Junglehrer, die ohne praktisches Rüstzeug in den Schulalltag entlassen werden," kritisiert der KMS-Lehrer.

Der Mangel in der Lehrerausbildung setze sich in der Weiterbildung fort: Man wird zu einer Fortbildungs-Veranstaltung eingeladen und soll dann dort ohne jede Information das Thema der Veranstaltung in Gruppen erarbeiten. Mit der mangelnden Qualität dieser Aus- und Fortbildung seien die Lehrer auf sich gestellt. Und: "Bundesbesoldete Lehrer müssen sich viele - landesbesoldete Kollegen einige -  Fortbildungen zu einem Teil selber bezahlen," sagt Preyer.

Aber nicht nur bei der Ausbildung, auch bei den Räumlichkeiten gibt es dem KMS-Lehrer Besserungsbedarf: "Wir unterrichten unsere Schüler in einem Arbeitsfeld, das eine Prüfung des Arbeitsinspektorats aller Wahrscheinlichkeit nach nicht immer bestehen würde," sagt Preyer. Doch vor allem ist es die Lehrerausbildung, die seinem Ziel nim Weg steht: Dass ein Hauptschul-Absolvent weiß, wie man eigenverantwortlich arbeitet.

Zur Person
KMS-Lehrer Christian Preyer unterrichtet ein breites Spektrum an Fächern: Soziales Lernen, Mathematik, Geschichte und Sozialkunde, Bewegung und Sport sowie Musikerziehung. Seit 1987 arbeitet er an der Evangelischen Hauptschule Karlsplatz.

Das Projekt
Neun Pädagogen stellen auf DiePresse.com ihre ganz persönlichen Wünsche zur anstehenden Schulreform vor. Den ganzen Sommer über können Sie jeden Mittwoch neue Ideen finden, wie die Lehrer, Direktoren und Sozialmoderatoren die Schule zu einem besseren Ort machen wollen. Vergangene Woche: Schulautonomie.

(ros)

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61 Kommentare
1 2
Gast: Gast
05.08.2009 12:54
0 0

Disziplin

Ich gebe Vergil recht. Heutzutage hat Ausbildung für viele Jugendlichen einen ganz anderen Stellenwert als noch vor 30 Jahren. Das Interesse ist viel geringer. Ich bin der Meinung, das man mit einer gelegentlichen "Watschen" mehr erreicht, als etliche Bittgesuche einzureichen damit sich Schüler endlich auf seine vier Buchstaben setzt und was lernt.

amen.

Gast: gast
31.07.2009 13:17
0 0

Seltsam

In den fürchterlichen Tagen des Frontalunterreichtes ( "Wir Lehrer sind hier um zu lehren und ihr Schüler, um zu lernen" ) gab es weniger Halbanalphabeten wie derzeit .

Vergil
22.07.2009 11:45
0 0

Realitätsfremd

Schickt diesen "Lehrer" schleunigst in Pension !!

Wenn Schüler in der Schule nicht mehr Disziplin lernen können, geht unser Sozialgefüge unaufhörlich den Bach hinunter. Gebt dem Lehrer wieder mehr Sanktionsmöglichkeiten und macht die Eltern darauf aufmerksam, dass Basiserziehung eigentlich ihre Aufgabe wäre.
Vielleicht lässt sich dann noch etwas retten.

Justin
22.07.2009 14:25
0 0

Re: Realitätsfremd

Neugeborene und Kleinstkinder lernen tatsächlich nach eigenem Wollen, erst später fängt der Mensch an, Kinder zu lehren und unterrichten. Doch dabei kann kein Mensch einem anderen etwas beibringen, denn die Erkenntnis kann nur von dem Schüler selbst kommen.
Der Lehrer kann nur Anreize setzen, Materialien bereitstellen oder eine Vorbildfunktion einnehmen.

Vergil
22.07.2009 18:05
0 0

Re: Re: Realitätsfremd

Lesen Sie bitte das was Sie geschrieben haben dreimal langsam durch. Vielleicht führt das auch zu einer Erkenntnis

Justin
22.07.2009 23:48
0 0

Re: Re: Re: Realitätsfremd

Das soll ein Argument oder eine Zerlegung sein? Gut, dann endet eben diese Diskussion ohne Ergebnis. Ich verbuche meinen Einsatz trotzdem als Gewinn.

incubus
22.07.2009 10:03
0 0

Mit solchen Sätzen

wird Lehrerautorität seit 30 Jahren erfolgreich verrnichtet. Und viele Lehrer machen dabei mit. Und schauen dann so zwider wie der Preyer.

derpradler
22.07.2009 09:59
0 0

seit diese sogenannten Experten

am Werk sind, geht es mit der JUGEND und in der Folge mit der Gesellschaft bergab.
Die ganzen "supergescheiten Nullen" gehören aus dem öffentlichen Leben eliminiert, bevor wir vollends dem CHAOS anheim fallen!

skues
22.07.2009 09:13
0 0

Der Lehrer führt, der Schüler folgt: Das ist für Christian Preyer eine recht realitätsfremde und auch einengende Auffassung vom Schulbetrieb.

Völlig richtig! Der Schüler führt, der Lehrer folgt!

0 0

Selbst erarbeiten...

Was ein Schüler am Ende der Schule wissen müsste, ist viel, viel, viel mehr als er sich in dieser Zeit auch bei bester Bemühung von Herrn Preyer selbst erarbeiten kann.

Mit dem (Allgemein-)Wissen, das wir uns vor Jahrzehnten im viel geschmähten "Frontalunterricht" angeeignet haben, stecke ich auch heute noch jeden Maturanten "in den Sack".

Methodenkompetenz haben sie auch nicht mehr. Sie können besser im Internet stöbern - ob sie das, was sie da finden, ausreichend kritisch hinterfragen können, darf heftig bezweifelt werden - und Informationen aus Büchern, die als gesicherte Quellen gelten dürfen, zusammensuchen? - Totale Fehlanzeige!!

Und im Übrigen ist es gar nicht übel, wenn die Damen und Herren Kids auch mitbekommen, dass Arbeit nicht unbedingt und immer Spaß machen muss. Kenne genug Schulabgänger, die jeden Job oder Lehrplatz hinschmeißen, sobald ihr Brötchengeber für sein Geld auch ARBEITSLEISTUNG verlangt!

Martin_01
17.07.2009 20:25
0 0

Für diesen Schwachsinn gibt es "Experten"


komajo
16.07.2009 08:03
1 1

KMS

Was bitte ist ein KMS-Lehrer? Der Herr Preyer ist offenbar Lehrer in einer Privatschule, das heißt, seine Erfahrungen sind nur bedingt für die öffentlichen Hauptschulen verwertbar. Ein bisschen weltfremd scheint er auch zu sein. Fast alle seiner Schüler werden unselbständig tätig sein. Sie werden geführt werden und malochen müssen. Wenn man fürs Leben lernen will, dann muss man zu allererst begreifen, dass mit dem Ende der Pflichtschulzeit der Spass aufhört.

Vergil
22.07.2009 13:38
0 0

Re: KMS

Das ist ein Irrtum. Ein Lehrer einer Privatschule würde vermutlich kaum so einen Unsinn verzapfen !!
KMS ist die neue "kooperative Mittelschule", eine eigene Art Hauptschule

komajo
23.07.2009 07:08
0 0

Re: Re: KMS

Lieber Vergil! Was ist ein Irrtum? Dass die Evangelische Hauptschule am Karlsplatz eine Privatschule ist oder dass die Abgänger von Hauptschulen überwiegend unselbständige Tätigkeiten ausüben. Lassen Sie mich das bitte wissen. Lehrer von Privatschulen haben die gleiche Ausbildung wie Lehrer von Landesschulen, was sie wissen sollten, und warum sollen sie also "vermutlich kaum so einen Unsinn verzapfen"?

Antworten Gast: KMS
17.07.2009 16:24
0 0

Re: KMS

die Kooperative Mittelschule (KMS) ist in Wien der Name für die Hauptschule.

Birgit 68
16.07.2009 11:33
1 1

Re: KMS

KNS heißt KooperativeMittelSchule und ist keine Privatschule, sondern ein, meines Wissens, speziell in Wien eingeführter Schulversuch, der die HS reformieren soll.

Übrigens: Für die meisten Schüler hört der Spass derzeit bereits mit Beginn der Pflichtschulzeit auf. Was aber schade ist.
Es steht auch nirgends geschrieben, dass das Arbeiten keinen Spass machen darf!

"Malochen" ist kein besonders gut gewählter Ausdruck für etwas, was dem Menschen eigentlich im Blut liegt: etwas bewegen um die Dinge am Laufen zu erhalten.

komajo
17.07.2009 07:21
0 0

Re: Re: KMS

Liebe Birgit! Sind Sie 68 oder nur ein Kind dieser Zeit? Konfessionelle Schulen sind meines Wissens nach immer Privatschulen und dort ist man schneller draußen als drinnen, das heißt, es läuft prinzipiell vieles anders als in öffentlichen Schulen.
Es steht nirgends geschrieben, dass Arbeit keinen Spaß machen darf. Arbeit soll befriedigend sein, kann es aber nur, wenn man eine für die Person geeignete Ausbildung erhalten hat und dann noch dazu den passenden Job findet. Aber das ist nicht die Regel sondern eher die Ausnahme.
Wenn Sie meinen, dass für viele Kinder der Spaß bereits mit Beginn der Pflichtschulzeit aufhört, kann das nur bedeuten, dass man mehr differenzieren müsste. Nicht für alle Kinder eine Pflichtschule sondern für jede Begabungsgruppe eine spezielle Schule.

Birgit 68
17.07.2009 09:03
0 1

Re: Re: Re: KMS

Ich glaube, da haben Sie sich verlesen: Ich habe nicht "KonfessionelleMittelSchule" geschrieben, sondern "KooperativeMittelSchule", oder wollen Sie vielleicht andeuten, Sie wüssten, dass an einer KooperativenMS religiös kooperiert wird, obgleich Sie nicht wussten, was ein KMS-Lehrer ist?

Ansonsten gebe ich Ihnen Rech!

komajo
17.07.2009 17:56
0 0

Re: Re: Re: Re: KMS

Ich gebe zu, dass ich das Kürzel KMS (Schulversuch mit viel Personal und Ausstattung) nicht kannte, weiß aber mittlerweile, dass dort viel Geld verbrannt wird. Evaluationsergebnisse sind in Österreich Staatsgeheimnisse, lassen sie doch Rückschlüsse auf die Arbeit aller beteiligter "Experten" zu. Wäre gut zu wissen, wie die Schule des Herrn Preyer im Vergleich mit anderen Schulen abschneidet. Dass die Evangelische Hauptschule Karlsplatz (siehe oben) jedoch eine Staatsschule wäre, ist mir neu. Das kann nur eine Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht sein. Privatschulen sind besser, nicht weil man hinein muss, sondern weil man hinein darf. Das sollte man bei der Diskussion bedenken. Mit der Austattung einer Schule und ihrem Personal hat das wahrscheinlich wenig zu tun.

Birgit 68
17.07.2009 20:06
0 0

Re: Re: Re: Re: Re: KMS

Haben Sie sich schon einmal überlegt, wann man in eine Privatschule hinein darf? Nein? Ich werd's Ihnen sagen: Wenn man viel Geld hat.

Nun, viel Geld wandert nun ja auch in die neue KMS.
Wenn es die Ressourcen sind, die die Privatschule so begehrenswert machen, so müsste das doch eigentlich bei einer anderen Schule auch funktionieren, oder?
Zumal man da ja auch wirklich viel damit macht.
Siehe folgenden Link:

www.kms3.at/pages/kooperative_mittelschule.htm

Gast: skimpy
16.07.2009 05:42
0 0

bitte

nicht schon wieder.

Gast: Teacher
15.07.2009 21:19
2 0

Also,

der Herr Preyer schaut ja ziemlich griesgrämig drein.Was die Schüler alles können SOLLEN, steht in der Präambel zu den Lehrplänen der verschiedenen Klassen, ist nichts Neues, allerdings meist ziemlich idealistisch in der Erwartung.

Antworten Gast: auch Lehrer
16.07.2009 14:01
0 1

Re: Also,

Der Herr Oberlehrer Preyer mach ein "Zwiderwurzengesicht" und das obwohl er durch seine Methode "Schüler erarbeiten sich alles selbst" wohl wesentlich weniger zu tun hat, als ein Lehrer, der seine Schüler ambitioniert anleitet (führt!)

Firemage
17.07.2009 04:41
0 0

Re: Re: Also,

ein folgenschwerer irrtum - versuchen sie¿s mal...

Gast: Jojo
15.07.2009 20:25
3 0

Realitätsfremd

Die Hauptschüler können nicht einmal die einfachsten Fertigkeiten wie Lesen und Rechnen. Vielleicht sollte man sich darauf konzentrieren, bevor man Stunden vergeudet am Internet zu surfen. Selbst bei den Maturanten ist es so, dass längst nicht alle eigenverantwortlich agieren können.

Birgit 68
16.07.2009 11:46
0 1

Re: Realitätsfremd

Und was sollen sie dann lesen? Etwa Kindergartenlektüre, die man ihnen als Kindergartenkind bereits vorgelesen hat?

Für über 10 Jährige, die des Lesens und Rechnens noch nicht mächtig geworden sind, gibt es den Sonderschullehrplan (ASO-Lehrplan), der mittlerweile prinzipiell an jeder öffentlichen Schule integrativ unterrichtet werden kann. Das kann allerdings zum Problem werden, wenn die Anzahl jener Schüler bereits die 50% Marke erreicht.
Vielleicht könnte man das Niveau der KMS, NMS oder herkömmlichen Hauptschule erhöhen, indem man die Zugangskriterien an den Gymnasien verschärft?


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Schlagzeilen Bildung