KMS-Lehrer Christian Preyer will seinen Schülern eine Schlüsselqualifikation mitgeben: Sie sollen eigenverantwortlich arbeiten können. Wie gut und schnell sie das lernen, ist natürlich auch abhängig vom Intellekt, vom bisher Gelernten und davon, inwieweit Eltern ihre Kinder zur Selbständigkeit erziehen.
Trotzdem will Preyer, dass alle Jugendlichen nach der Hauptschule folgendes erreicht haben: Sie sollen Lernstoff selbst erarbeiten können, die besten Quellen auswählen, aber auch fähig sein, die Ergebnisse zu überprüfen. Sie sollen selbst die Initiative ergreifen und Verantwortung in der Gruppe übernehmen. Denn das sind genau die Fähigkeiten, die sie später im Beruf auch brauchen.
Gruppe 1 durchsucht das Internet
Gruppe 2 arbeitet in der Bibliothek
Gruppe 3 lädt einen Spezialisten ein (z.B. Eltern)
Gruppe stellt Visualisierungen her
Gruppe 5 erstellt einen Beitrag für die Homepage
Der Lehrer führt, der Schüler folgt: Das ist für Christian Preyer eine recht realitätsfremde und auch einengende Auffassung vom Schulbetrieb. Damit das eigenverantwortliche Lernen auch wirklich bis zum Schüler durchdringt, sind zuerst die Lehrer gefordert. Und damit die Aus- und Fortbildung. Die Ausbildung liefert dem Lehrer aber nicht das, was er zum Unterrichten braucht: Er wird nicht auf die Bedürfnisse der Schüler und des Unterrichts vorbereitet.
Ausbildung geht an der Praxis vorbei
"An den wesentlichen Kritikpunkten der vergangenen 20 Jahre hat sich nicht viel geändert: Humanwissenschaftliche Vorlesungen, die meilenweit an der Praxis vorbeigehen. Junglehrer, die ohne praktisches Rüstzeug in den Schulalltag entlassen werden," kritisiert der KMS-Lehrer.
Der Mangel in der Lehrerausbildung setze sich in der Weiterbildung fort: Man wird zu einer Fortbildungs-Veranstaltung eingeladen und soll dann dort ohne jede Information das Thema der Veranstaltung in Gruppen erarbeiten. Mit der mangelnden Qualität dieser Aus- und Fortbildung seien die Lehrer auf sich gestellt. Und: "Bundesbesoldete Lehrer müssen sich viele - landesbesoldete Kollegen einige - Fortbildungen zu einem Teil selber bezahlen," sagt Preyer.
Aber nicht nur bei der Ausbildung, auch bei den Räumlichkeiten gibt es dem KMS-Lehrer Besserungsbedarf: "Wir unterrichten unsere Schüler in einem Arbeitsfeld, das eine Prüfung des Arbeitsinspektorats aller Wahrscheinlichkeit nach nicht immer bestehen würde," sagt Preyer. Doch vor allem ist es die Lehrerausbildung, die seinem Ziel nim Weg steht: Dass ein Hauptschul-Absolvent weiß, wie man eigenverantwortlich arbeitet.
(ros)

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