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Kinderuni Kunst: Weihnachtsfrau im September

13.09.2009 | 19:23 |  ALEXIA WEISS (Die Presse)

Workshop für Kinder aus sozial benachteiligten Familien – mit Kreativität die Fantasie anregen.

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WIEN. Wenn sich 20 Kinder in einem kleinen Atelier ans Malen machen, dann kehrt rasch Farbe und Fröhlichkeit in vormals farblose Gemäuer. Jeden Sommer animiert die KinderuniKunst junge Künstlerinnen und Künstler zum Entwerfen, Skizzieren, Zeichnen. Anfang September hieß es: Türen auf für Kinder aus sozial benachteiligten Familien.

Den Kontakt zu interessierten Mädchen und Buben stellten der Verein ZeitRaum, das multikulturelle Netzwerk Tangram und das Integrationshaus in Wien-Donaustadt her, die alle in der Parkbetreuung von Kindern und Jugendlichen tätig sind.

 

Motive für Weihnachtskarten

Die Anweisungen von Marion Elias, Professorin an der Universität für angewandte Kunst Wien, waren knapp und herzlich. Gemalt wurde auf Leinwand mit Acryl, nach einer kurzen Erklärung über das Mischen und Verdünnen der Farben mit Wasser legten die kleinen Künstler schon los. Motiv Nummer eins sollte eine Weihnachtsszene zeigen – der Sponsor Oberbank wird die Kunstwerke im Advent in seiner Wiener Filiale am Schwarzenbergplatz ausstellen und aus einigen Sujets auch Weihnachtskarten gestalten.

 

Keine Krippenszene

Da spielte es auch keine Rolle, dass eine Handvoll Kinder nicht aus christlichen Familien kam. „Nachdem alle hier leben, kommt man um Weihnachten nicht herum“, meinte Elias. Sie habe aber als mögliche Motive bewusst keine Krippenszene genannt, sondern eher Weihnachtsmann, Schlitten, Christbaum, Geschenke. Ein elfjähriges Mädchen sitzt vor einer Staffelei und behübscht geduldig ein Präsent nach dem anderen mit einem Bändchen samt Masche. Inmitten der Packerlflut steht eine Frau in dunkelrotem, tailliertem Kleid mit weißem Pelzbesatz an Säumen und Kragen. „Eine Weihnachtsfrau“, erklärt das Mädchen. Warum sie sich dieses Motiv ausgesucht habe? „Weil es keine Weihnachtsfrau gibt.“

 

Selber Lösung finden

Ein neunjähriges Mädchen hat einen Weihnachtslöwen gemalt. Auch auf dem zweiten Bild des Kindes – jeder darf auf einer weiteren Leinwand ein Sujet seiner Wahl gestalten und dieses dann nach dem Workshop auch mit nach Hause nehmen – findet sich ein Löwe. Und dann sieht man es, das Vorbild, es sitzt in Form eines Plüschtiers auf dem Tisch neben dem Kind, wie alle Mädchen und Buben im Raum ebenfalls in ein knallgelbes T-Shirt mit der Aufschrift KinderuniKunst gekleidet. Als das Mädchen ihr zweites Löwenbild fertiggestellt hat, bittet es Elias um Hilfe. Die Professorin solle den Namen auf die Leinwand pinseln. Doch Elias winkt ab, ermuntert das Kind, es selbst zu versuchen.

„Ich male niemals in das Bild eines anderen – und schon gar nicht in das eines Kindes“, betont die Professorin. Ein „Das ist falsch“ von Lehrerseite, ein „Ich kann das nicht“ von Kinderseite, das dürfe es nicht geben. Man müsse die Mädchen und Buben immer dazu bringen, selbst eine Lösung zu finden. Leider werde das in der Schule so wenig gefördert, bedauert Elias, da gehe es mehr um das Zeichnen, das Erfüllen genauer Vorgaben. Genau deshalb könnten sich in diesem Workshop die Kinder auf Leinwand mit Acrylfarben austoben, ohne vorheriges Vorzeichnen, einfach drauflosarbeiten. „Damit kann man junge Menschen durch das Anregen der Fantasie so viel weiterbringen“, betont Elias.

 

„Cooler als mit Pinsel“

Nach vier Stunden ist der ehemalige Luftschutzkeller in Räumlichkeiten in Wien-Landstraße mit bunten Leinwänden gepflastert, und so manches Kleidungsstück hat ebenfalls Farbe abbekommen. Teils sind die Kinder müde – Spaß gemacht hat es allen. Ein 13-Jähriger ist im Anzug zu dem Workshop gekommen. Er hat die Farbe direkt von der Tube auf die Leinwand gedrückt. „Das schaut viel cooler aus als mit Pinsel.“

 

Zeit sinnvoll nutzen

Eine Elfjährige hat ein Aquarium gemalt. Ob sie eines zu Hause habe? „Nein, ich will aber eines.“ Das Mädchen hat heute zum ersten Mal mit Acrylfarben gearbeitet. „Sonst habe ich nur Wasserfarben.“ Sie und die anderen Kinder dürfen die verwendeten Paletten, Pinsel, die angebrochenen Farbtuben mit nach Hause nehmen. Damit noch viele weitere Kunstwerke entstehen.

Nachmittage wie diese seien für die von ihrem Verein in Parks in Wien-Neubau betreuten Kinder und Jugendlichen „ein besonderes Erlebnis“, erzählt Alma Salihovic von Tangram. Kinder würden dabei erfahren, „Zeit sinnvoll zu nutzen – und dabei auch auf gute Ideen kommen“. Nebenbei werde durch solche Aktionen auch die Mobilität gefördert, soll heißen: einmal aus dem Wohnbezirk herauszukommen.

 

Stein der Erinnerung

Elisabeth Sauter von der KinderuniKunst ist sich sicher, dass dies nicht der letzte Workshop dieser Art gewesen ist. Das Echo sei enorm gewesen, es wären noch weit mehr Kinder an der Aktion interessiert gewesen, als man dann einladen habe können. Für den Workshop stellte der Wiener Notar Rudolf Schweinhammer Räume zur Verfügung. Wo an diesem Herbstnachmittag Wiener Kinder gemeinsam mit Mädchen und Buben mit Migrationshintergrund kreative Stunden verbrachten, waren während des NS-Regimes 380 Jüdinnen und Juden in einem Sammellager untergebracht. Nur zwei von ihnen überlebten die Shoa, erzählt ein vor dem Gebäude in den Gehsteig eingelassener Stein der Erinnerung.

www.www.kinderunikunst.at

 

www.kreativinnovativ09.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2009)

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1 Kommentare
Gast: eine Mama
20.09.2009 18:44
0 0

Nicht alle aber sozial benachteiligt!

Es war ein wunderschöner Nachmittag für unsere Kinder.
Wir wurden eingeladen und bedanken uns dafür.
Diese kamen übrigens nicht aus einem Integrationshaus, sondern aus einer (hoffen wir) ganz normalen Familie. Warum dann der Untertitel?

Mich wundert auch die scharfe Einteilung "Wiener Kinder" und "Kinder mit Migrationshintergrund". Sind die letzteren weniger "Wiener"? Hätte man nicht sagen können, z.B., Wiener Kinder und Kinder aus Niederösterreich, davon manche mit Migrationshintergrund ?

Es ist doch ein großer Unterschied.

Das Unvorstellbare, was vor Jahren mit den Juden passierte, hat auch mit solchen Unterschiede angefangen.

Es gibt Diskriminierung heute, und das finde ich ungerecht, als Mutter und als Mensch.


Schlagzeilen Bildung