Der Mann, der das Schulsystem verändern könnte

Lothar Trierenberg steht hinter der Verfassungsgerichtshofklage, die allen Privatschulen die gleichen Rechte sichern soll. Der "Presse" erzählte er, warum er als Einzelner diese Klage finanziert.

Er fährt ein Elektroauto, engagiert sich für Umwelt und Kultur – und für Waldorfschulen.
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Er fährt ein Elektroauto, engagiert sich für Umwelt und Kultur – und für Waldorfschulen.
Er fährt ein Elektroauto, engagiert sich für Umwelt und Kultur – und für Waldorfschulen. – (c) Clemens Fabry

Vor rund 25 Jahren versuchten alternative Privatschulen bereits, über den Verfassungsgerichtshof zu mehr Geld zu kommen. Die Klage scheiterte an formalen Mängeln. Warum warteten Waldorf- und Montessorischulen mit einer neuen Klage ein Vierteljahrhundert? Vor allem, weil das Geld dafür fehlte.

Nun hat ein Einzelner die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt. Und Lothar Trierenberg, ein überlegter Mann Ende vierzig, musste nicht erst dazu überredet werden. Er war an der Entwicklung der Idee beteiligt. Dass katholische oder evangelische Privatschulen vom Staat ein Vielfaches des Geldes bekommen, mit dem alternative Privatschulen gefördert werden, ist für diese seit Jahrzehnten wie eine offene Wunde. Die Lage habe sich verschlechtert und erste Schulen müssten bereits Konkurs anmelden, heißt es.


Mehr als Wissen. Trierenberg kennt diese missliche Lage recht gut. Er selbst besuchte die idyllisch gelegenen Waldorfschule in Mauer, ebenso seine Frau, und nun gehen seine beiden Kinder dorthin. Er habe eine „lange und tiefe Verbindung“ zu dieser Schule, sagt er, und viele positive Erinnerungen. Nun sitzt der Inhaber des Geschäfts und Cafés „das möbel“ im Vorstand eben dieser Schule und überblickt die finanzielle Lage. Obwohl die meisten Eltern ein Schulgeld von durchschnittlich 300 Euro monatlich zahlen, müsse die Schule jede Investition, jede Reparatur genau abwägen. „Meinem Rechtsverständnis nach kann es diese Ungleichbehandlung nicht geben“, sagt Trierenberg. „Ich bin in der glücklichen Lage, die Klage finanzieren zu können“, sagt er und verweist auf eine Erbschaft. „Solche Dinge auf den Weg zu bringen“ sei sein Hauptluxus. Rechtsanwalt Wolfram Proksch würde aus einem sozialen Engagement heraus zu einem reduzierten Stundensatz arbeiten – es handelt sich dennoch um einen Pauschalbetrag in der Höhe eines kleinen Neuwagens.

Trierenberg ist ein Mann, der häufig die Worte „gesellschaftliche Verantwortung“ in den Mund nimmt. Das sei etwas, was man in einer Waldorfschule lerne. Wie überhaupt so vieles, was über das reine Wissen hinausgehe. Der zweifache Vater ist ein Idealist, der rational argumentiert. Durch den generellen Wettbewerb würden alle Schulen besser, sagt er. Und kritisiert, dass sich das Bildungsministerium zwar gern an der Pädagogik der freien Schulen bediene, diese aber trotzdem im Regen stehen ließe.


Mehr Freiheit. Waldorf hält er für ein Konzept, das neue Ideen, freies und kritisches Denken fördert. Mehr Autonomie, der Verzicht auf Noten und viele pädagogische Elemente seien in den alternativen Schulen erdacht worden. „Ich glaube an die Bildungskonzepte der freien Schulen. Und daran, dass das ein wichtiger Beitrag für die Gesellschaft ist“, sagt Trierenberg. Mit gewonnener Klage „würde sich die Bildungslandschaft schlagartig verändern“. Kurzfristig würde das den einzelnen Schulen helfen, langfristig wäre es aber „ein Impuls für die Bildungslandschaft“. Der Unternehmer glaubt daran, dass man die Welt verbessern kann. Politisch aktiv will er nicht sein: „Ich sehe mich als engagierte Privatperson, dränge aber nicht in die Öffentlichkeit. Dafür fehlen mir Eitelkeit und Sendungsbewusstsein und ich würde bestimmt in ein Fettnäpfchen treten.“

Freie Schulen

Gut 6100 Kinder besuchen derzeit in Österreich eine freie Schule mit Öffentlichkeitsrecht. Darunter fallen Waldorf-, Montessori- und andere Alternativschulen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2016)

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