Der oberste Vater

PK 'FUeHRUNGSWECHSEL IM BUNDESELTERNVERBAND': SCHREYER
Gernot Schreyer / Bild: APA/HELMUT FOHRINGER 

Seit 19 Jahren ist Gernot Schreyer Elternvertreter. Als Gegner der Ministerin sieht sich der Salzburger nicht – im Kampf um Mitbestimmung scheut er aber auch keine Konflikte.

 (Die Presse)

Wenn beim ersten Elternabend an der neuen Schule gefragt wird, wer denn gerne die Eltern der Klasse vertreten wolle, setzt oft betretenes Schweigen ein. Und wenn man so gestrickt ist wie Gernot Schreyer, dann zeigt man in diesem Moment auf. „Für mich gibt es die Option zurücklehnen und abwarten nicht“, sagt der 53-Jährige. „Ich bin einer, der seine Verantwortung als Bürger ernst nimmt und versucht, mitzugestalten. Ich engagiere mich gern, und wenn es um die eigenen Kinder geht, dann doppelt.“

Seit 19 Jahren, seit seine inzwischen 30-jährige Tochter ins Gymnasium in Seekirchen bei Salzburg kam, das auch der mittlere und jetzt noch sein jüngster Sohn besucht, ist Schreyer als Elternvertreter aktiv. Seit knapp einem Jahr ist er Chef des Bundesverbands der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen. Und als solcher zuletzt mit harschen Formulierungen aufgefallen. Seite an Seite mit Lehrer- und Schülervertretern warnte er vor einer „Einheitsschule ohne störenden Einfluss der Eltern“, vor einer „ideologiegeleiteten Schulpolitik der Bevormundung“ und einer „Beseitigung der Schuldemokratie“. Auch wenn es bisweilen den Eindruck machte, sieht er sich „überhaupt nicht“ als Gegner der Bildungsministerin. Nachsatz: „Wenn man uns nicht hören will, bin ich aber auch nicht konfliktscheu.“

Dieser Tage geht es um den einen Bereich, in dem die Eltern etwas zu sagen haben: um ihr verbrieftes Recht, gemeinsam mit Schülern und Lehrer an den einzelnen Schulen bei Themen wie Hausordnung, schulautonome Schulfächer oder Gruppengrößen mitreden zu dürfen. Die Eltern fürchten, dass sie durch den Ausbau der Schulautonomie, der Ende Jänner fix sein soll, um ihre Mitbestimmungsrechte gebracht werden. Angekündigt war, dass sie nicht mehr über Gruppengrößen mitbestimmen dürfen. Schreyer argwöhnt aber, dass die Einschnitte noch größer ausfallen könnten.


Kein Werbegag. Grundsätzlich prallen da zwei Ansichten aufeinander. Während die Befürworter der Reform argumentieren, dass Autonomie ein bloßer Werbegag sei, wenn nicht gleichzeitig Macht zum Direktor verlagert werde, meint Schreyer, das würden nicht einmal alle Direktoren wollen. Und die Qualität an den Schulen könne leicht Schaden nehmen, wenn der Schuleiter „als Pseudounternehmer“ allein entscheidet. Oder aber „durch seine Weisungsgebundenheit gezwungen ist, die Vorstellungen den Zentralstelle umzusetzen“ – ohne das Korrektiv der Eltern. „Wir wissen, worum es wirklich geht. Wir können gemeinsam mit Lehrern und Schülern vor Ort besser entscheiden, was unsere Kinder tatsächlich brauchen. Wir wollen die Voraussetzungen für unsere Kinder verbessern.“


Milizoffizier. Schreyer nimmt die Funktion als oberster Elternvertreter ernst. Der Versicherungsangestellte, der nebenbei auch das Salzburger Milizbataillon kommandiert, ist meistens erreichbar. „Es ist schon unglaublich, wie viel Freizeit dafür draufgeht“, sagt er. „Aber wenn man für eine Sache brennt, dann zehrt es nicht.“ Sein Horrorszenario ist, dass dieses Engagement uninteressant wird, wenn die Mitsprache der Eltern mit der Autonomiereform beschnitten wird. „Wenn das nur ein Diskussionsklub ist – warum sollte das dann irgendwer noch einen Tag länger machen?“ Das betretene Schweigen am Elternabend wäre dann vielleicht noch ein bisschen beharrlicher.

Elternvertreter

Der Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen ist kritisch, was den Ausbau der Schulautonomie angeht. Die Pflichtschulelternvertreter nicht so sehr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2017)

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