Jürgen Czernohorszky: Zurück als Zukunftshoffnung

Unter seinem Geburtsnamen, Jürgen Wutzlhofer, galt er vor Jahren als SPÖ-Jungstar. Nun ist Jürgen Czernohorszky Stadtschulratspräsident. Und das ist wohl nicht seine letzte Station.

Stadtschulratspräsident Czernohorzsky: Früher Revoluzzer, heute besticht er durch mehr Besonnenheit als seine Vorgängerin.
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Stadtschulratspräsident Czernohorzsky: Früher Revoluzzer, heute besticht er durch mehr Besonnenheit als seine Vorgängerin.
Stadtschulratspräsident Czernohorzsky: Früher Revoluzzer, heute besticht er durch mehr Besonnenheit als seine Vorgängerin. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Es hat ein bisschen was von einem Déjà-vu. Wenn man sich in der SPÖ umhört, wer in den kommenden Jahren durchstarten könnte, fällt immer wieder ein Name: Jürgen Czernohorszky. Auch vor dem Hintergrund, dass Wiens Bürgermeister, Michael Häupl (SPÖ), demnächst seine Stadtregierung umbauen dürfte, gilt der 39-Jährige als potenzieller Aufsteiger. Es ist nicht das erste Mal: Unter seinem Geburtsnamen Wutzlhofer wurde der damals noch unverheiratete Jungpolitiker auch vor anderthalb Jahrzehnten schon gern als Zukunftshoffnung der (Wiener) Sozialdemokratie gehandelt.

Der in der Steiermark aufgewachsene gebürtige Burgenländer galt als jung, frisch, ein bisschen als Revoluzzer. Seine politische Karriere begann er bei den roten Studierendenvertretern des VSStÖ, wo auch seine spätere Frau, Eva Czernohorszky, aktiv war. Er folgte ihr als VSStÖ-Bundesvorsitzender, arbeitete dann zwei Jahre lang als parlamentarischer Mitarbeiter. Mit Aktionen wie öffentlichem Haarefärben („Rote Köpfe in den Gemeinderat“) warb der wie SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder politisch im 14. Gemeindebezirk verwurzelte Wutzlhofer um Aufmerksamkeit. Erfolgreich: Im Jahr 2001 zog er mit 24 Jahren als jüngster Gemeinderat ins Rathaus ein.

 

Grün-affin, nicht flapsig

Dann war es einige Jahre lang eher ruhig um den einstigen roten Jungstar. Er war Jugend- und Mediensprecher im Gemeinderat, schloss sein Soziologiestudium ab und war ab dem Jahr 2011 Geschäftsführer der Kinderfreunde, mit deren Bundesvorsitzendem, Wiens SPÖ-Klubchef Christian Oxonitsch, Czernohorszky eng vertraut ist. Kurz fiel der Name des rot-grün-affinen Gemeinderats, als die Wiener Sozialdemokraten vor gut zwei Jahren einen neuen Parteimanager suchten. Die Prophezeiung, dass aus ihm sicher einmal etwas werde, bewahrheitete sich schließlich ein Jahr später: Nach der Wien-Wahl wurde der Vater zweier Mädchen vergangenen Herbst als Nachfolger der in Ungnade gefallenen Stadtschulratspräsidentin, Susanne Brandsteidl (SPÖ), präsentiert.

Den Job macht er gut. Er fordert mehr Mittel für Problemschulen, er wirbt für die Schule ums Eck, für das Campusmodell und für Ganztagsschulen. Und vermeidet es gleichzeitig, in die Fettnäpfchen seiner streitbaren Vorgängerin zu treten: Statt wie sie mit allzu flapsigen Sagern aufzufallen (Brandsteidl sprach etwa vom „Subproletariatsproblem“), schlägt Czernohorszky in seinem Werben für sozialdemokratische Bildungspolitik besonnenere Töne an.

 

Rochade im Jänner?

Das Stadtschulratsbüro in der Wipplingerstraße dürfte allerdings nicht Czernohorszkys letzte Station sein. Eine Chance zum politischen Aufstieg könnte es schon im Zuge der Vorstandstagung der SPÖ Ende Jänner geben, bei der Bürgermeister Häupl nach dem Richtungsstreit die Wogen in seiner Partei glätten will. Kolportiert wird, dass damit auch eine möglicherweise größere Rochade im Wiener Regierungsteam einhergehen könnte.

Sollte es da noch nichts werden, ist Czernohorszky vielleicht in einigen Jahren wieder zurück als Zukunftshoffnung. Einstweilen scheint ihm der Job im Stadtschulrat durchaus Freude zu machen.

Neue „Presse“–Serie

Politischer Nachwuchs. „Die Presse“ stellt junge, noch nicht so bekannte Politiker der Parlamentsparteien vor, aus denen noch etwas werden könnte – eines Tages eventuell sogar Mitglieder der Bundesregierung. Es ist nicht das erste Mal, dass wir das tun. 2008 beispielsweise wurden Kandidaten für die Nationalratswahlen mit Potenzial für Höheres porträtiert. Eine von ihnen war die Donaustädter Bezirksrätin Muna Duzdar. Ein Nationalratsmandat bekam sie 2008 zwar nicht, dafür wurde sie im Vorjahr Staatssekretärin im Kanzleramt. Ebenfalls 2008 fand sich der heutige Kanzler Christian Kern, damals Verbund-Vorstand, in einer „Presse“-Geschichte über Zukunftshoffnungen der Parteien wieder. Damals ebenfalls genannt: Thomas Drozda, Chef der Vereinigten Bühnen Wien, heute Kanzleramtsminister. Oder Stephan Pernkopf, damals Kabinettschef im Landwirtschaftsministerium, heute Landesrat in NÖ.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2017)

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