Mehr "digitale Grundbildung" für Sechs- bis 14-Jährige ab Herbst

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) präsentiert eine neue Digitalstrategie - inklusive eines digitalen Kompetenztests für Schüler.

Hammerschmid präsentiert Digitalstrategi
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Hammerschmid präsentiert Digitalstrategi
Hammerschmid präsentiert Digitalstrategie – BKA/Regina Aigner

Mehr als 500 Schulen setzen schon jetzt digitale
Medien als Teil der Schulentwicklung ein, ab Herbst soll "digitale
Grundbildung" an allen Schulen verankert werden: An den Volksschulen
wird diese Teil der Lehrpläne, in der Sekundarstufe 1 (NMS,
AHS-Unterstufe) wird sie als "verbindliche Übung" eingeführt, gab
Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) am Montag bekannt.

"Ziel ist, dass kein Kind, kein Jugendlicher das Schulsystem ohne
digitale Kompetenzen verlässt", betonte sie bei der Präsentation von
"Schule 4.0". Durch die stärkere Verankerung digitaler Medien sollen
die Schüler nicht nur auf neue Herausforderungen in der Arbeitswelt
vorbereitet werden, sie sieht auch ganz neue Möglichkeiten für
Individualisierung, Förderung von Talenten und Teamarbeit im
Unterricht.

An den Volksschulen sollen sich die Kinder (vor allem in der 3.
und 4. Klasse) spielerisch mit Technik und Problemlösung
beschäftigen, die erworbenen Kompetenzen sollen sie in einem
Sammelpass dokumentieren. Im allgemeinen Teil der Lehrpläne wurde
die digitale Grundbildung bereits verankert, schrittweise soll das
nun auch in den einzelnen Fächern (Deutsch, Mathematik etc.)
passieren.

Eine verbindliche Übung soll eingeführt werden

In der Sekundarstufe 1 sollen die Schüler im Umfang von zwei bis
vier Wochenstunden innerhalb von vier Jahren informatische
Grundkenntnisse, den Umgang mit Standardprogrammen und den
kritischen Umgang mit sozialen Netzwerken, Information und Medien
erlernen. Passieren soll das in einer verbindlichen Übung, die zwar
verpflichtend besucht werden muss, bei der es aber - anders als bei
einem Unterrichtsfach - keine Benotung gibt. Beispiele für
verbindliche Übungen sind etwa lebende Fremdsprachen in der
Volksschule oder Berufsorientierung in der Sekundarstufe 1. Die
Schulen sollen selbst entscheiden, ob sie "Digitale Grundbildung"
integrativ im Fachunterricht, in speziellen Stunden oder als
Mischform anbieten. Ob die geforderten Kompetenzen erreicht wurden,
wird in der achten Schulstufe in einem Online-"digi.check"
überprüft.

Hammerschmids "Digitalstrategie" betrifft auch die Pädagogen: Es
wird ab Herbst ein Lehrgang von 6 ECTS (30 ECTS entsprechen dem
Aufwand eines Semesters) eingeführt, der in den ersten drei Jahren
ab Schuleintritt absolviert werden muss. Zeitgleich wird auch in der
Fort- und Weiterbildung das Angebot ausgebaut. Außerdem eröffnet an
der Pädagogischen Hochschule (PH) Oberösterreich Anfang Februar ein
Bundeszentrum zur Förderung des digitalen Lernens, an der PH Wien
sollen unterdessen im ersten österreichischen "Future Learning Lab"
angehenden Lehrer mit digitalen Tools experimentieren können.

Umsetzung soll im Herbst 2017 starten

Gemeinsam mit dem Infrastrukturministerium plant Hammerschmid
außerdem eine Breitbandoffensive an den (in der Regel von den
Gemeinden erhaltenen) Pflichtschulen. Dort haben laut einer
flächendeckenden Erhebung des Bildungsministeriums derzeit 31
Prozent der Standorte WLAN und 78 Prozent der Klassen einen
Internetzugang. Zum Vergleich: An den Bundesschulen (AHS, BMHS) sind
es 50 bzw. 96 Prozent. Mit der sogenannten "Eduthek" soll auch ein
Portal eingerichtet werden, auf dem Lehrer digitale Lehr- und
Lernmaterialien, pädagogisch empfohlene Apps und Spiele finden.

Mittelfristiges Ziel sei außerdem, wie von Bundeskanzler
Christian Kern (SPÖ) angekündigt, jedes Kind nach der Volksschule
mit einem Tablet und nach der Unterstufe mit einem Laptop
auszustatten.

Die Umsetzung der digitalen Strategie soll mit Schuljahr 2017/18
starten. Den Anfang machen in der Sekundarstufe Pilotprojekte an
Schulen des eEducation-Netzwerks, nach Nachjustierungen soll dann
ein breiter Ausbau folgen. Bis 2020 sollen außerdem möglichst alle
Schulen an das Breitband angeschlossen sein. Die Kosten laut
Hammerschmid: 2,4 Mio. Euro steckt das Bildungsministerium in die
Umsetzung von digitaler Grundbildung, Lernplattformen,
Lehrerausbildung und das neue Bundeszentrum an der PH
Oberösterreich. 2,2 Mio. Euro kommen aus dem Staatssekretariat für
die Umsetzung der "Eduthek" und den Ausbau des an den Volksschulen
schon laufenden Mobile Learning Projekts. "Die Tablets, Laptops, die
sind zu verhandeln", räumte Hammerschmid ein. "Aber wir werden alles
daran setzen, dass wir diese Vision unseres Herrn Bundeskanzlers
umsetzen können."

(APA)

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