Kern und die digitale Schule: „Hätte es das zu meiner Zeit schon gegeben...“

Trotz Koalitionskrise besucht der Kanzler den idealen digitalen Unterricht, den er propagiert. Dass digital besser ist, liegt unter anderem am Pause-Knopf.

Schließen
(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Wenn es das zu seiner Zeit schon gegeben hätte, würden seine Zeugnisse vielleicht anders aussehen, witzelte Kanzler Christian Kern (SPÖ). An der BHAK Simmering sitzen die 16-jährigen Schüler an ihren Tablets, statt einem Tafelbild gibt es ein Mathematikvideo und statt Frontalunterricht geht Lehrerin Stefanie Schallert von Tisch zu Tisch um etwaige Fragen zu beantworten: So in etwa könnte es bald in allen Schulklassen des Landes aussehen – wenn die Strategie für die digitale Schule umgesetzt wird, die Kern und Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) kürzlich skizziert haben.

Die zweite Klasse in der BHAK Simmering, die der Kanzler mit seiner Ministerin trotz der aktuellen Koalitionskrise besucht, scheint jedenfalls der Idealfall zu sein, um die digitale Bildungswelt zu propagieren: Die Schüler finden den digitalen Unterricht toll, die (technikaffinen) Lehrerinnen, die den hohen Besuch empfangen, geben mit maximaler Begeisterung die digitalen Pionierinnen und laut Mathematiklehrerin Schallert haben sich sogar die Leistungen bei den Schularbeiten verbessert, seit ihr Unterricht digital geworden ist.

Die Macht des Pause-Knopfs

Die Macht des Pause-Knopfs: Das ist einer der zentralen Gründe, warum das digitale Lernen besser funktioniere, sagt Schallert. Wenn die Schüler etwas nicht verstanden haben, können sie das von ihr angefertigte Lehrvideo – quasi ein Tafelbild mit Erklärungen – einfach zurückspulen und sich die Passage noch einmal ansehen. Das habe auch Vorteile, wenn man einmal nicht aufpasst, witzelt der Kanzler. Dann müsse man nicht wie früher einen Kollegen finden, der gerade mitgeschrieben habe.

Hier in der 2BK in Simmering erfüllt sich auch eine große Hoffnung von Hammerschmid: die der Individualisierung, die mithilfe der Technik möglich wird. Sie habe jetzt viel mehr Zeit, um individuell auf die Fragen der Schüler einzugehen, sagt Schallert. Früher seien dafür oft ihre Pausen draufgegangen – weil in den 50 Minuten ja hauptsächlich Stoff vermittelt wurde. Die Pausen habe sie jetzt wieder. Dafür bastelt die technikaffine Lehrerin ein Mal pro Woche ein Video inklusive Quizfragen.

Die Schüler beantworten die Fragen von Kanzler und Ministerin nach den Vorteilen des digitalen Lernens jedenfalls auch brav (und erwartungsgemäß positiv). Man müsse nicht mehr so viel zu Hause tun, weil man ja mit diesem Modell in der Schule mehr lerne, sagt eine Schülerin. Die Videos seien super, weil die könne man sich auch vor der Schularbeit noch einmal anschauen, sagt eine andere Schülerin. Und mehr Spaß mache das Lernen mit Video und Tablet natürlich auch.

Vorlage für die Gratis-Tablets

Voll digitalisiert ist die BHAK Simmering allerdings auch nicht. Wie sehr digitale Medien für den Unterricht genutzt werden, hänge vom Lehrer ab, sagt Direktorin Inge Unger. Und dass die Tablets deshalb hier sind, weil ein Lehrer bei einem Wettbewerb mitgemacht habe, ist eine gute Vorlage für einen weiteren Punkt aus dem Digitalisierungsplan Kerns: für die kostenlosen Tablets und Laptops für alle Schüler. Denn von solchen Zufällen wie dem Wettbewerb wolle man nicht abhängig sein.

„Jetzt habe ich euch aufgehalten“, sagt der Simmeringer Kern, der vorher übrigens ums Eck bei seiner Mutter zum Frühstück war. „Gut, dass man sich das Video noch einmal anschauen kann.“

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Kern und die digitale Schule: „Hätte es das zu meiner Zeit schon gegeben...“

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.