Matura: „Instabile“ Beurteilung droht

Ungeschulte Lehrer sollten die Deutschmatura nicht beurteilen.

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(c) Stanislav Jenis

Klagenfurt. Bei der Benotung der Deutschmatura bleibt wohl mehr Spielraum als in anderen Fächern – auch bei der Zentralmatura. Deshalb, so zwei Klagenfurter Wissenschaftler, sollten nur entsprechend geschulte Lehrer die Deutschmatura beurteilen. Sonst drohe eine „instabile“ Beurteilung, weil Lehrer die vorgegebenen Bewertungsraster unterschiedlich interpretieren.

Die neue Deutsch-Zentralmatura hat nämlich nicht nur einheitliche Aufgaben für alle Schüler gebracht, sondern auch eine völlig neue Art der Beurteilung. Die Bewertung der Arbeiten erfolgt nicht durch das Zählen von Fehlern à la „zehn Rechtschreibfehler sind ein Fünfer“, sondern qualitativ. Entscheidend ist der Gesamteindruck des beurteilenden Lehrers. Der Eindruck muss einer Niveaustufe auf einer mehrstufigen Skala zugeordnet werden. Für die Beurteilung wichtig ist dabei natürlich die Interpretation dieser Skala und der dort verwendeten Formulierungen. Werden die von Lehrern unterschiedlich interpretiert, wird die Arbeit unterschiedlich benotet.

 

Unterschiedliche Maßstäbe

Für ihre Studie legten Günther Sigott und Hermann Cesnik im Jänner 2012 (also noch einige Zeit vor dem österreichweiten Start der Zentralmatura) 150 ungeschulten Oberstufenlehrern 76 bei der Beurteilung vorgegebene sogenannte Deskriptoren vor – das sind einzelne Beschreibungen von Niveaustufen wie „kohärent und frei von Gedankensprüngen“, „variantenreiche und komplexe, der Textsorte angemessene Satzstrukturen“, „grammatikalisch nahezu fehlerfrei“ und so weiter.

Die Lehrer mussten sich einen Maturanten vorstellen, der gerade noch einen Vierer bekommt und für jeden der 76 Deskriptoren auf einer achtstufigen Skala angeben, wie schwierig es für diesen Maturanten ist, dem jeweiligen Deskriptor gerecht zu werden – also etwa, ob es für ihn „sehr einfach“ (1) bis „sehr schwierig“ (8) ist, einen „grammatikalisch nahezu fehlerfreien“ Text zu schreiben.

Resultat: Die Lehrer legten unterschiedliche Maßstäbe an. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Schulung der Beurteilenden zur Erhöhung der Übereinstimmung unumgänglich ist. Eine Verwendung der Skala durch Nichtgeschulte ist nicht ratsam“, so Sigott. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2017)

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