Wiener Waldorfschule wegen Masernverdachts gesperrt

An der Rudolf Steiner Schule Pötzleinsdorf ermittelt nun das Gesundheitsamt. Bei Masern handelt es sich um eine meldepflichtige Erkrankung, derzeit wird über eine Impfpflicht debattiert.

Die Impfung wäre für Kinder gratis, doch nicht alle Eltern wollen sie.
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Die Impfung wäre für Kinder gratis, doch nicht alle Eltern wollen sie.
Die Impfung wäre für Kinder gratis, doch nicht alle Eltern wollen sie. – (c) imago/Eibner (imago stock&people)

Aufgrund mehrerer Meldungen von erkrankten Kindern hat der Stadtschulrat eine Rudolf Steiner Schule in Wien geschlossen. An der Waldorfschule Pötzleinsdorf (im 18. Wiener Gemeindebezirk) ermittelt nun das Gesundheitsamt (MA 15), um den Impfstatus aller Kinder und des Schulpersonal sowie die genaue Anzahl der erkrankten Kinder zu bestimmen.

Mittwoch Nachmittag soll es bereits drei bestätigte Krankheitsfälle sowie acht Verdachtsfälle gegeben haben. Die MA 15 wurde am Mittwoch durch einen behandelnden Arzt von einem Erkrankungsfall einer Schülerin informiert. "Die Schule hat schnell reagiert", heißt es vom Stadtschulrat "und sofort geschlossen".

Da keine Impfdokumentation in der Schule aufliegt, muss nun das Gesundheitsamt mit allen Schülern beziehungsweise deren Eltern Kontakt aufnehmen und den Impfstatus erheben. Außerdem ist bei jenen Kindern, die möglicherweise erkrankt sind, der Erkrankungsbeginn und die infektiöse Phase zu ermitteln, heißt es von der MA 15.

Masern ist eine meldepflichtige Erkrankung

Dann können die Kontaktpersonen mit einem Infektionsrisiko bestimmt werden. Mit gesundheitsbehördlicher Anordnung können Schüler und Schulpersonal ohne Impfschutz die Schule für die Dauer des möglichen Erkrankungsrisikos und der Ansteckungsgefahr für andere Personen nicht besuchen und müssen zu Hause bleiben.

Bei Masern handelt es sich um eine meldepflichtige Infektionskrankheit. Jeder Verdachts- oder Erkrankungsfall ist vom behandelnden Arzt bei der Gesundheitsbehörde anzuzeigen. Diese ermittelt nach Befragung der erkrankten Person die mögliche Ansteckungsquelle sowie Kontaktpersonen, die ein Infektionsrisiko hatten und setzt verschiedene Maßnahmen, um die Ausbreitung der Infektion zu begrenzen. In den letzten drei Jahren wurden in Wien 89 Masern-Erkrankungsfälle gemeldet.

Debatte um eine Impfpflicht

Da es in Österreich allein seit Jahresbeginn mehr als 50 Masernerkrankungen gab, ist zuletzt eine Debatte um eine Impfpflicht entfacht. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr wurden 28 Masernfälle registriert. Derzeit gibt es keinerlei Impfpflicht. Nicht einmal Gesundheitspersonal muss sich impfen lassen. Nur das Land Steiermark plant wegen gestiegener Masernfälle verpflichtende Impfungen für bestimmtes Krankenhauspersonal einzuführen.

In Österreich sind sechs Prozent der Zwei- bis Fünfjährigen, das sind etwas mehr als 20.000 Kinder, gar nicht gegen Masern geimpft. Etwa zehn Prozent aller geimpften Kinder sind kein zweites Mal geimpft. Das sind fast 39.000 Kleinkinder und mehr als 37.000 Schulkinder. Dabei ist die MMR-Impfung ab dem zehnten Lebensmonat für alle gratis, nach einer zweimaligen Impfung besteht in der Regel ein lebenslanger Impfschutz.

Neben Masern und Mumps nahm zuletzt auch die Zahl der an Keuchhusten erkrankten Erwachsenen deutlich zu, besonders betroffen sind Menschen über 60. Erwachsene sind die häufigste Infektionsquelle für Säuglinge, für die Keuchhusten sehr gefährlich sein kann. Daher werden regelmäßige Auffrischungsimpfungen (alle zehn Jahre) für Jugendliche und Erwachsene dringend angeraten.

(rovi)

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