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Keine Nachfrage nach türkisch-deutscher Schule

01.11.2009 | 18:45 |  ALEXIA WEISS (Die Presse)

Mehr Akzeptanz finden Schulen, die Aktivitäten in den Sprachen Ungarisch, Tschechisch, Slowakisch anbieten. Eine zweisprachige Schule funktioniert nur, wenn Peer-Learning stattfindet.

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WIEN. Englisch, Französisch, Italienisch und Kroatisch: Das sind derzeit in Wien jene Sprachen, in denen das öffentliche Schulwesen tatsächlich bilinguale Schulen anbietet. Soll heißen: hier werden jeweils Kinder gemeinsam unterrichtet, deren Muttersprache beispielsweise Englisch oder Deutsch ist, die aber auch schon gute Kenntnisse der Zweitsprache – dann Deutsch oder Englisch – haben. Wesentliches Merkmal dieser Schulen ist zudem das Team-Teaching: Dem Klassenlehrer wird dabei jeweils ein Native Speaker in der entsprechenden Sprache zur Seite gestellt.

 

Mehr Nachfrage als Angebot

Vor allem das Modell „Vienna Bilingual Schooling“ (VBS) werde von Elternseite massiv nachgefragt, betont Franz Schimek, Leiter des Europa Büros des Stadtschulrats für Wien. Seit diesem Schuljahr gibt es hier nun insgesamt acht Volksschulstandorte und jeweils weit mehr Anmeldungen als Plätze, wobei im Zug eines Orientierungsgesprächs darauf geachtet wird, dass die Kinder tatsächlich in der Lage sind, dem zweisprachigen Unterricht zu folgen.

Das französisch-deutsche Modell wird an zwei Wiener Standorten angeboten, das italienisch-deutsche ebenfalls an zwei Schulen. Und einen kroatisch-deutschen Standort gibt es in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus. In diesen drei Sprachen finde der zweisprachige Unterricht allerdings „nicht in dieser intensiven Form wie an den VBS-Schulen“ statt, so Schimek.

Warum aber gibt es angesichts der großen Wiener Population mit türkischem Hintergrund keine türkisch-deutschen Klassen? Hier habe man es leider mit einem Akzeptanzproblem zu tun, meint Schimek. Vor einigen Jahren habe es einen Standort mit einer solchen Klasse gegeben, doch aufgrund der geringen Nachfrage habe man diesen nicht fortführen können. Das Problem: Eine zweisprachige Schule funktioniert nur, wenn es zwischen den Schülern „den flow of languages“ gibt, also Peer-Learning stattfindet.

Dabei lernen die deutschsprachigen Kinder von ihren Klassenkollegen Türkisch und die türkischsprechenden von ihren Freunden Deutsch. In einer Klasse, die ausschließlich von Kindern mit türkischer Muttersprache besucht wird, funktioniert das bilinguale Modell nicht, so Schimek. Und da die Bereitschaft von deutschsprachigen Eltern, ihre Kinder in eine türkisch-deutsche Schule zu geben, kaum vorhanden sei, funktioniere das Modell nicht. Rechtspopulistische Politiker tragen das Ihre dazu bei, dass eine Schule, die dieses Modell anböte, rasch stigmatisiert würde.

 

Nicht nur Belastung

Was aber tun, um Kinder mit türkischsprachigem Background, aber auch serbischem, kroatischem Hintergrund, nicht nur als Belastung für das Schulsystem, sondern auch als sprachliche Ressource zu sehen? An der Volksschule Liebhartsgasse in Wien-Ottakring wurde nun mit diesem Schuljahr aus genau diesem Grund das International Regional College (IRC) eingerichtet. Dabei werden Kinder mit den Sprachen Polnisch, Türkisch, Albanisch, Bosnisch, Serbisch sowie Kroatisch ein Stück vertraut gemacht. Mit diesem Projekt „versuchen wir, diesen Sprachen eine positive Konnotation zu geben“, betont Schimek.

 

Über die Stadt verstreut

Mehr Akzeptanz finden übrigens Schulen, die Aktivitäten in den Sprachen Ungarisch, Tschechisch, Slowakisch anbieten. Hier gibt es allerdings das Problem, dass jene Kinder, deren Muttersprache eines dieser Idiome ist, über die ganze Stadt verstreut leben, sodass es sehr schwer ist, sie an einem Standort zusammenzufassen, so Schimek. Ähnlich verhält es sich mit Spanisch. Diese romanische Sprache wird schwerpunktmäßig, aber eben nicht hundertprozentig bilingual, derzeit an zwei Wiener Volksschulstandorten unterrichtet: in der Schule Herbststraße in Ottakring und in der Schule Am Platz in Hietzing.

www.schule.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2009)

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7 Kommentare
Gast: Gast
04.11.2009 15:01
0 0

armselig

Die Sache ist hinten und vorne von den meisten Beteiligten armselig aufgezogen. Alleine die Tatsache, dass es anscheinend nicht möglich zu sein scheint den Sachverhalt in nicht mit angelsächsischen Ausdrücken vermanschtem Deutsch zu beschreiben, sagt schon alles aus! Zu dem lächerlichen "peer learning" wäre nur festzuhalten, dass beim ersten Schub der 4 Jahre andauernden kroatisch deutschen Klasse so gut wie keine Kinder mit sowohl deutschmuttersprachigem Vater als auch deutschmuttersprachiger Mutter in der Klasse waren. Das ist reines Wunschdenken von ein paar Phantasten anscheinend. Warum wird das nicht vorher genauer recherchiert? Eines der Grundprobleme war (ist?) übrigens die für solche Projekte wenig geeignete rechtliche Lage im Regelschulbereich der Stadt Wien. Es waren in der Klasse sowohl Kinder, die an diesem Schulversuch partizipiert haben, als auch solche, die das nicht taten. Es soll keine rechtliche Möglichkeit geben die Teilnahme am zweisprachig vorgetragenen Unterricht zu erzwingen! Damit wird die Sache sehr schwierig und praktisch nur im Privatschulbereich, wo eine Selektion der Schüler nach Gutdünken der Schulleitung rechtlich machbar ist, durchführbar. Es ist schwer zu sagen ob da Dilettantismus oder ganz gezielte Irreführung am Werke war/ist ...

Gast: Beckloeffel
03.11.2009 13:10
1 0

Theorie und Praxis

Jetzt könnten GrünpolitikerInen ihre Glaubwürdigkeit in puncto Integrationsidealismus unter Beweis stellen und ihre Kinder dort anmelden. Aber: hmmmm...

Gast: Gast
02.11.2009 17:40
3 0

schade

Schade, dass sich die Zensur meinen ersten von drei zusammenhängenden Beiträgen nicht freizugeben getraute. Dort stand u.a sinngemäß drinnen, dass die "weißen Türken" ihre Kinder komplett von den Kindern der "schwarzen Türken" fernzuhalten pflegen. Wir haben in Österreich fast nur "schwarze Türken" als Zuwanderer. Gut ausgebildete Türken meiden Österreich im Allgemeinen und kommen - überigens ebenso wie gut ausgebildete Serben - nur in Ausnahmsfällen hierhier. Der Löwenanteil der serbischen Zuwanderer kommt aus der Gegend zwischen Pantschowa - Passarowitz - Negotin. Die Menschen können oft weder Standardserbisch noch Standardrumänisch. Sie verwenden irgendwelche Mischidiome, fallen häufig von einer Sprache übergangslos in die andere, und schauen im Schnitt auch wesentlich dünkler aus als die Durchschnittsserben. Zu Hause in Serbien sind sie im Regelfall eher auf den untersten Sprossen der sozialen Leiter. Gelernte Wiener nennen sowas "Petschierte". Die "weißen Serben" verbieten ihren Kindern gewöhnlich den Kontakt mit den Kindern der "schwarzen Serben". Das soziale Muster ist nahezu ident mit dem sozialen Muster zwischen "weißen" und "schwarzen" Türken. Simplifiziert dargestellt sind das die Gründe für die meisten Schulprobleme. Solange das allerdings nicht zur Kenntnis genommen werden darf wird sich nichts ändern können. Ein Mißstand, der nicht einmal korrekt analysiert werden darf, kann nie und nimmer behoben werden! Gutmenschige, ebenso wie populistische Scheuklappen !!!

0 0

Re: schade

Warum schade...

Man tut in der Regel die Birnen zu Birnen und Aepfel zu den Aepfeln...

Wenn schwarze Türken oder Serben (Unterschicht) nach Österreich kommen, hat es seine Gründe. Diese Leute wissen genau, dass die Österreicher alle aus dem Unterschicht kommen.

Gast: Gast
02.11.2009 15:08
1 0

ach ja

Zu dem komplexen Thema wäre noch viel zu schreiben. Es wäre schön, ließe die Zensur auch meinen ersten Beitrag dazu durch! Es fehlt sonst der Zusammenhang. Das nahezu vorprogrammierte Abstürzen der allermeisten zweisprachigen Schulprojekte ist multikausal. Dafür einer Gruppe oder gar einer Religionsgemeinschaft die alleinige Schuld zuzuschieben ist arg hundsföttisch! Die erdrückende Mehrzahl der türkischsprachigen Eltern hat, wenn sie überhaupt am Schulerfolg ihrer Kinder besonders interessiert sind, so gegen Null Interesse am Türkischen insgesamt. Türkisch wird ja sowieso zu Hause gesprochen und im Fernseher geguckt, was brauchen die Kinder das denn noch in der Schule lernen? Die türkischen Eltern wollen, dass ihre Kinder in der Schule Deutsch, dann wieder Deutsch, dann noch einmal Deutsch, und dann vielleicht noch Englisch lernen! Das sowas ohne eine solide türkische kulturelle Grundlage für die allermeisten Kinder ein nicht zu schaffender kultureller Spagat ist, das weiß jede fachkundige Person. Das kann aber weder eine deutschsprachige noch eine türkischsprachige fachkundige Person einem "schwarzen" türkischen Elternpaar in Wien erfolgreich verklickern. Diese Eltern wollen, dass ihre Kinder gut leben können, wenn geht mit 18 einen BMW fahren, eine schöne Wohnung in Wien und ein Haus irgendwo in Anatolien, wenn geht, noch ein Ferienhaus am türkischen Meeresstrand, haben, und, und, und, ... Für lächerliche Kinkerlitzchen wie türkische Standardsprache bleibt da nix mehr ..

Gast: Gast
02.11.2009 14:47
1 0

wzeisprachig kroatisch deutsch geführte Schule in 1150 Wien

Zur zweisprachig kroatisch-deutsch geführten Schule in 1150 Wien wäre einiges zu bemerken: Das Projekt wäre ohne den nahezu unersetzbaren persönlichen Einsatz des Obermachers des führenden kroatischen Kulturvereines in Wien - welcher Verein auch eine eigene recht gute kroatische Parallelschule betreibt, die eigentlich der einzige Ort in Wien ist, wo Kinder wirklich gepflegt Serbokroatisch/Bosnisch erlernen können, da der auf Regimentsunkosten angebotene muttersprachliche Unterricht bestenfalls einen minderwertiger Nachhilfeunterricht für lernschwache des Deutschen nur mangelhaft mächtige serbokroatisch/bosnische Kinder darstellen dürfte - weder vor fast 6 Jahren zustande gekommen noch mit einem neuerlichen Durchstart nach dem voraussehbaren Absturz fortgesetzt worden. Die deutsch-kroatische Gruppe hatte ebenso wie die türkisch-deutsche Gruppe keine Kinder. Die betreffende Schuldirektorin hat sich vor der Kroatenkirche am Sonntag hingestellt und vergebens um Kinder "gebettelt". 4 Jahre lang gab es keine Nachfolgeklasse ... Vom unerhört starken persönlichen Einsatz des kroatischen "Obermachers" abgesehen, hing die Fortsetzung des kroatischen Schulexperimentes ebenso wie die des türkischen rein vom Zufall ab. Die Serben haben fast keine "weißen" brauchbaren Kinder in Wien, die kann man vergessen, und die Bosnier haben fast kein Interesse oder schicken, so sie keine Assimilanten sind, ihre Kinder lieber in die Moschee zum Koranunterricht. Ein bisserl Realismus tät halt doch Not!

wol
02.11.2009 11:52
2 0

Warum das nicht funkt...

<Dabei lernen die deutschsprachigen Kinder von ihren Klassenkollegen Türkisch und die türkischsprechenden von ihren Freunden Deutsch.

Tja, so die Theorie. Leider haben die Türken keine österreichischen Freunde und umgekehrt. Daher will keiner in so eine Schule.

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