„Lehrer nach ihrer Wirkung auf Schüler beurteilen“

Marie Hamer bildet in London Lehrer aus. In einem neuen Lehrgang, für den sie nicht nur in Sport und Musik recherchiert hat, sondern auch bei Kampfpiloten.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wenn Marie Hamer über Lehrer redet, verwendet sie Bezeichnungen, die man hierzulande selten hört. Die Britin spricht dann von erstklassig ausgebildeten Profis und von Top-Performern und von Kräften für Veränderung. Schon die Sprache alleine zeigt, wie wichtig sie die Pädagogen nimmt. Das hängt nicht nur mit ihrem Job als Chefin des neuen Institute for Teaching zusammen, über das sie unlängst in Wien erzählte. Sondern auch mit ihrer eigenen Biografie.

Wie gewaltig die Wirkung von Bildung sein kann, hat die 37-Jährige selbst erfahren. Aufgewachsen in Manchester, in einem nicht gerade privilegierten Umfeld hat sie mit Bildung erreicht, was vielen ihrer damaligen Freunde bis heute verwehrt bleibt: nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern auch einen Job, der sie begeistert. Nach dem Englischstudium will sie eigentlich zur UNO, wählt dann aber zuerst den Weg zu Teach First – dem britischen Pendant zu Teach for Austria.

„Inspirierende Englischlehrerin“

Nach dem ersten halben Jahr ist klar: Das ist ihr Feld. Schulinspektoren bezeichnen sie als „inspirierende Englischlehrerin, die Bildung vermittelt, an die sich ihre Schüler für den Rest ihres Lebens erinnern“. Einige Jahre später als Lehrerin, deren Schüler mehr Fortschritte machen als im ganzen übrigen Schulinspektionsbezirk – und das an einer Brennpunktschule. Nach fünf Jahren als Lehrerin wechselt Hamer auf die andere Seite, wo sie bis heute ist: die Lehrerausbildung.

Sie arbeitet an der Uni und leitet das Trainingsprogramm von Ark, einem Netzwerk aus 35 Schulen, das jetzt als Institut for Teaching Hochschulstatus bekommt. Das Ziel: Top-Lehrer für jene Schulen auszubilden, an denen sie am meisten gebraucht werden. Was und wie diese Lehrer lernen sollen – in England in der Regel in einem einjährigen Programm nach dem Studium – haben sie akribisch recherchiert. Sie haben Kampfpiloten interviewt. Und viel von Sport und Musik gelernt.

Die Wirkung der Lehrer zählt

Was man daraus lernen könne, seien mehrere Punkte. Unter anderem: Es braucht viel Training. Und Einigkeit darüber, welche Methoden angehende Lehrer am Anfang lernen müssen. „Wir wissen, dass es viele Lehrmethoden gibt, die in unterschiedlichen Situationen passen“, sagt Hamer. Aber das überfordere Junglehrer. „Picasso hat in seiner ersten Zeit auch hauptsächlich imitiert. Dann hat er langsam begonnen, seinen eigenen Stil zu entwickeln. Und erst ab 50 war er wirklich innovativ.“

Im neuen Institut will sie daher auch einen speziellen Master, bei dem es weniger darum geht, wissenschaftliche Texte zu diskutieren und Essays zu schreiben, sondern um die Praxis. „Die Teilnehmer sollen Daten vorlegen, die beweisen, dass die Schüler in dieser Zeit mehr Fortschritte gemacht haben“, sagt Hamer. Basierend auf welchen Tests? „Das ist schwierig. Wir haben noch bis Juli Zeit, um das zu knacken. Aber wir wollen dem nicht ausweichen. Denn eines ist klar: Lehrer müssen nach ihrer Wirkung auf die Schüler bewertet werden.“

Zur Person

Marie Hamer (37) leitet das Institute for Teaching in London. Im Rahmen der Veranstaltung „New Ways into Teaching“ war sie am 4. April Woche auf Einladung von Teach for Austria, dem Wiener Stadtschulrat und der Industriellenvereinigung in Wien.

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