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Naturwissenschaften: „Für ein Mädchen bist du sehr gut“

20.12.2009 | 18:15 |  ERICH WITZMANN (Die Presse)

In der Plattform IMST wollen Wissenschaftler und Lehrer zur Technikorientierung beitragen. Schülerinnen sollen wie ihre männlichen Klassenkollegen begeistert werden.

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Sozialberufe für Mädchen/Frauen, technische Berufe für Burschen/Männer: Der Grundstein für diese Geschlechterzuschreibung wird in der Schule gelegt. „Die in der Schule vermittelte Technikkompetenz entspricht der Geschlechterhierarchie“, sagt Susanne Dermutz. Die Klagenfurter Assistenzprofessorin am Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung zitiert in diesem Zusammenhang das „Lob“ eines Lehrers für eine seiner Schülerinnen: „Für ein Mädchen bist du sehr gut in Physik.“

Dass Naturwissenschaften, Mathematik und Technik als männlich gelten, ist nicht neu. Jene Plattform, die schon seit Jahren gegen diese Fixierung ankämpft, trägt das Kürzel IMST: 1998 als Innovations in Mathematics and Science Teaching gegründet, dann zu IMST2 erweitert (zu Mathematics und Science kam Technology dazu) und schließlich – nach Hereinnahme des Deutschunterrichts – als „Innovationen Machen Schulen Top“ bezeichnet. In erster Linie geht es um die Verankerung von Mathematik und den naturwissenschaftlichen Fächern im Unterricht, wobei diese Schulgegenstände nicht als „schwer“ oder „unbeliebt“, sondern als „höchst interessant“ und „lebensnah“ gelten sollen. Dabei werden natürlich Mädchen gleichermaßen angesprochen (ein eigenes Schwerpunktprogramm), die in IMST engagierten Lehrkräfte setzen auf Gruppendynamik und fächerübergreifende Projekte.

 

Vernichtende Vergleichsstudie

Am Beginn dieser Initiative stand die im September 1998 publizierte internationale Timms-Studie (Trends in International Mathematics and Science), in der die Kompetenz der Schüler in der Sekundarstufe zwei (neunte bis zwölfte Schulstufe) erhoben wurde. „Das Ergebnis war für uns vernichtend. Wir landeten im letzten Drittel der untersuchten Länder“, erinnert sich Herbert Pelzelmayer vom Unterrichtsministerium. Der für Bildungsforschung und Schulentwicklung zuständige Ministerialrat handelte rasch: Er berief umgehend eine Wissenschaftlerrunde ein, die ihm eine Analyse über bestehende Defizite erstellte. „Es war bald klar, dass es nicht um die Fachkompetenz, sondern um die Art der Vermittlung ging.“ Also um die Didaktikkompetenz in diesen Fächern.

Der Mathematiker Konrad Krainer vom Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung der Uni Klagenfurt (heute Institutsvorstand) und Konrad Krainer vom Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung der Uni Klagenfurt (heute emeritiert) waren von Beginn an dabei. Und sie kurbelten IMST an, sie begeisterten Lehrer und ganze Schulen, sie bauten übergreifende Netzwerke auf. „Es war ein Masterplan“, sagt Pelzelmayer noch heute. Die Ministerinnen, damals Elisabeth Gehrer, heute Claudia Schmied, standen ebenfalls hundertprozentig hinter dieser Initiative. Erst beim jüngsten IMST-Innovationstag im September in Klagenfurt erklärte Schmied dem Auditorium, dass die IMST-Projekte mittelfristig in das Regelschulsystem überführt werden sollten, denn derzeit sind nur etwa zehn Prozent aller Lehrkräfte für Mathematik, Informatik, Physik, Chemie und Biologie an den IMST-Initiativen beteiligt.

Derzeit gibt es zehn regionale IMST-Netzwerke, drei thematische Netzwerke und 18regionale Fachdidaktikzentren. In einem Schuljahr wird in zirka 150Netzwerkveranstaltungen gearbeitet, es werden Lernprojekte und Fallstudien besprochen sowie Erfahrungen ausgetauscht.

 

Gegen den Frust vieler Lehrer

An der Mitarbeit und Begeisterung der Schüler liegen die Defizite in den Schulfächern nicht, das zeigen die engagierten Beiträge bei dem seit 2007 ausgeschriebenen IMST-Award (siehe Bericht unten). Peter Posch beschreibt in einer Rückschau die Plattform „als Gegenbewegung zum Frust vieler engagierter Lehrer“. Holt man diese aus ihrer Isolation heraus, ermuntert sie durch die Kooperation mit anderen Fachkollegen, dann ist bereits der Bestand eines Netzwerks gegeben. Dann kommt es zu neuen Unterrichtsformen, die von einem teilweise Miteinander der naturwissenschaftlichen Fächer geprägt sind und in deren Rahmen Schüler verschiedener Schulen (einer Volksschule mit einer AHS-Unterstufe, einer Hauptschule mit einer HTL) miteinander kooperieren. „Man hat zweifelsohne erreicht, dass die Leute mehr Freude haben“, sagt auch Pelzelmayer.

1998/1999 erfolgte der Start von IMST in der AHS-Oberstufe, dann kamen die Unterstufe und die Hauptschulen dazu, 2007 auch die Volksschulen. In den ersten Volksschulklassen sind die Kinder gegenüber allen naturwissenschaftlichen Themen noch aufgeschlossen, erst in den späteren Jahren ist es mit der Teilnahme vorbei. Werden die Volksschüler aber mit aktuellen Themen angesprochen, erkennen sie die Nähe zu ihrem täglichen Leben, bleiben das Engagement und das Interesse daran erhalten. Heute sehe er „das größte Leck im kreativen Bereich“, sagt Herbert Pelzelmayer und meint damit die oft nicht vorhandene Verbindung zwischen Theorie und spielerischer Praxis im Unterricht.

Einen Dämpfer mussten die IMST-Initiatoren in diesem Jahr hinnehmen: Das Wissenschaftsministerium kürzte die Subvention für die Aktivitäten der Plattform. Ein Jahrestreffen fällt nun ins Wasser, und die Ausgaben des Newsletter werden drastisch eingeschränkt. Dabei hat Wissenschaftsminister Johannes Hahn erst am 25.November beim Hochschulgipfel als einen seiner neuen fünf Handlungspunkte die Steigerung der Studierenden in den naturwissenschaftlichen Fächern genannt. Das solle, so Hahn, über eine verstärkte Information in den Schulen erreicht werden. Über eine Rücknahme der Subventionskürzung beziehungsweise eine Erhöhung der Beiträge hat der Minister – noch – nichts gesagt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2009)

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12 Kommentare
roger
21.12.2009 15:45
3 0

Geldvernichtungsmaschinerie

Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung, Timms-Studie, Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung, Universität Klagenfurt, 10 regionale IMST-Netzwerke, 3 thematische Netzwerke, 18 regionale Fachdidaktikzentren... am besten alles in einen Sack stecken und draufhauen- man trifft garantiert den Richtigen.

Gast: tasler wolfgang
21.12.2009 14:39
1 0

stundenkürzungen kontraproduktiv

gerade im schultyp bhs mit steigenden schülerzahlen insbesondere mädchen wurden die naturwissenschaftlichen fächer gekürzt oder in didaktisch ungübstige jahrgänge verlegt - was solls. keine ahnung, wie das vor 3-4 jahren angekündigte nw - gasgeben damit harmoniert.
bin lehrer in dieser fachgruppe und kann nur mehr den kopf schütteln - wird auch nicht besser werden - lehrt mich die erfahrung der letzten 30 jahre !!

Gast: Nepotist
21.12.2009 09:56
1 1

BWL Jus

Das sind die Fächer der Zukunft. Leicht und ohne Talent bewältigbar. Mit dem richtigem Schub gibts Top Jobs. Die Sklavenarbeit sollen die Chinesen machen.

Antworten Gast: plebs potus
21.12.2009 18:38
0 0

Re: BWL Jus

Sie malen ein monochromes Bild mit Einfaltspinselei...

Genau diese Fächer sind spätestens dann längst Geschichte, wenn wir den Rest unseres Know-Hows und unserer Produktion nach China ausgelagert haben. Dann heisst es nämlich: Sinologie und Orientalistik. Die BWLer werden dann alle Supermarktkassen bedienen, während Physiker, Chemiker, Biologen aufgekauft werden. Menschen, die Tatsächlich Innovation, Inhalt und somit Produkte und Lösungen schaffen, anstatt Seifenblasen zu pusten und wieder zu zerstechen und zu lernen und Kleinanleger abzuzocken.

Dank der Manager und Betriebswirte von heute werden Deine Enkelkinder in China Au Pair und Putzfrau spielen eines Tages.

Antworten Antworten Gast: Nepotist
23.12.2009 07:00
1 0

Re: Re: BWL Jus

Vielen Dank für die Schreibarbeit. Sie haben die Ironie nicht verstanden.

Antworten Antworten Druven
22.12.2009 18:34
0 0

Re: Re: BWL Jus

na ja ob die uns dort dann wollen ist die andere Frage.
Schon wieder ein neues Erstaufnahmezentrum in Shenzen für fette Weiße, die ihr Leben lang nix gelernt haben außer Powerpoint., wird dann dort im Plesse-Forum zu lesen sein, wir haben unser Land aufgebaut, während die dort N.eger im Mittelmeer versenkt haben und Schulden gemacht haben wie Simbabwe.
Ich löse mir schon mal mein Ticket.

wol
20.12.2009 21:47
4 0

ich frage mich...

wie unser Land in früheren Zeiten ohne all diese Gspasettln viele Entdecker, Forscher und Wissenschaftler hervorbringen konnte. Damals gabs autoritären Frontalunterricht, keine Kuschelschule, kein Montessori, kein Nichts. Und dennoch waren wir damals viel besser als heute.

Antworten Gast: Wilhelmine Tell
21.12.2009 16:30
1 0

Re: ich frage mich...

Damals gab es noch einen richtigen Unterricht. Die Lehrer wussten wovon sie reden und waren daran interessiert, dieses Wissen den Schülern zu vermitteln.

2 2

Re: ich frage mich...

Das war bevor die Nazis die jüdische Intelligenz vertrieben oder ermordet haben(und Österreich sie niemals zurückgeholt hat).

Antworten Antworten Otsch
26.12.2009 14:17
1 0

Re: Re: ich frage mich...

Das war auch noch in den 50ern so, weil damals nicht nur die Lehrer sondern auch viele Eltern und Schüler daran interessiert waren, dass Schüler den Lehrstoff wirklich beherrschen! Vermutlich ein Relikt aus der Zeit der üblen Monarchie.

Antworten Antworten Allah
21.12.2009 09:40
0 0

im technischen Bereich

gabs derer nicht viel

Antworten Antworten Antworten Gast: mi fhèin
21.12.2009 11:04
1 0

Re: im technischen Bereich

Das ist ein Irrtum.

Schlagzeilen Bildung