Migration: Schulbücher hinken hinterher

Migrationsthemen werden in aktuellen österreichischen Schulbüchern durchaus aufgegriffen, so eine Studie. Lange Zeit war das nicht so. Langsam beginne man, Diversität als positiv darzustellen.

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Migration Schulbuecher hinken hinterher
(c) Clemens Fabry

Lange verdrängt, heute einigermaßen präsent: Migrationsthemen werden in aktuellen Schulbüchern durchaus aufgegriffen, sagt Migrationsforscherin Christiane Hintermann. "Als vorbildhaft kann die Darstellung aber noch nicht bezeichnet werden", so Hintermann, die mehr als 80 österreichische Schulbücher untersucht hat.

Schulbücher würden gesellschaftlichen Entwicklungen "immer etwas hinterherhinken", so die Forscherin des Ludwig Boltzmann Institut für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit. "Bis in die 1980er Jahre tauchen migrationsrelevante Inhalte nur sehr sporadisch auf", so Hintermann. Erst in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren habe sich das geändert.

Wirtschaft, Gastarbeiter, Asyl

Dabei wurde das Thema äußerst unterschiedlich dargestellt. Anfang der 1980er Jahre habe man noch den ökonomischen Nutzen betont, dann sei der Fokus auf das  "Gastarbeiterproblem" gelegt worden. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs seien Asylwerber als "Problemgruppe konstruiert" worden. Davor sei das Thema aufgrund der Aufnahme von Flüchtlingen aus dem kommunistischen Osten "mit stolzem Unterton" behandelt worden.

Mittlerweile werden in den Schulbüchern verschiedene Perspektiven vorgestellt sowie Einwanderungs- und Asylbestimmungen auf nationaler und EU-Ebene hinterfragt. Unter anderem wird Österreich als Staat dargestellt, der sich vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland gewandelt hat.

Diversität langsam positiv

Langsam beginne man, Diversität als positiv darzustellen. Einerseits würde in Schulbüchern zwar noch immer der Diskurs von "uns" und "den anderen" eine Rolle spielen und Schüler aus Einwandererfamilien als typische Repräsentanten für das "Fremde" quasi "vorgeführt". Es gebe auch Beispiele für neue Schulbücher, "die ohne Begrifflichkeiten wie 'Fremde' oder 'Andere' auskommen und z.B. auch Elitemigrationen thematisieren".

Die Forscherin hat mehr als 80 Schulbücher der Fächer Geografie und Geschichte der AHS-Oberstufe der vergangenen 40 Jahre analysiert. Speziell untersucht hat sie, wie in den Büchern die Zuwanderung nach Österreich ab den 1960er Jahren dargestellt wird. Sie stellt ihre Studie im Rahmen der Jahrestagung der österreichischen Migrations- und Integrationsforschung vor, die von Montag (20.9.) bis Mittwoch in Wien stattfindet.

(APA)

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