Zwei Drittel der Österreicher für mehr Deutschunterricht

27.09.2010 | 10:41 |   (DiePresse.com)

Die Sprachkultur sei durch E-Mail und SMS beeinträchtigt, fürchten viele Österreicher. Sie wünschen sich mehr und besseren Unterricht. Auch Migration sei ein Problem.

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Der Großteil (69 Prozent) der Österreicher vertritt die Meinung, dass die Pflege der deutschen Sprache an den Schulen verstärkt werden soll, gerade "wenn man die Auswirkungen der Medien, der Computer und des Handys auf unsere Sprachkultur bedenkt". 30 Prozent der Befragten in einer Studie des Linzer market-Instituts meinten hingegen, dass der normale Deutschunterricht ausreiche.

Für diese Studie wurden am 21. und 22. September 500 Österreicher repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahren online befragt. Nur 15 Prozent der Befragten glauben, dass die derzeitige Sprachausbildung an allen Schulen gut genug ist. Jeder zweite, bei den Über-50-Jährigen sogar 61 Prozent, hält diese Ausbildung ganz allgemein für zu wenig umfassend für die zukünftigen Anforderungen.

Migration und Motivation

Befragt, woran es liegen könnte, dass die schulische Sprachausbildung die jungen Menschen nicht optimal auf die Zukunft vorbereitet, sehen vor allem die 16- bis 29-Jährigen zwei Gründe: 74 Prozent wählten "viele Kinder können schon nicht richtig deutsch, deshalb ist Fremdsprachenunterricht schwierig" als Antwort, 77 Prozent "die Kinder und Jugendlichen sind zu wenig motiviert".

Bei den Älteren (30 bis 49 Jahre und über 50) sahen nur 52 Prozent die mangelnde Motivation als Grund und auch bei den Deutschkenntnissen lag der Prozentsatz deutlich niedriger. Dass die Lernmethoden zu veraltet seien fanden altersübergreifend etwa 50 Prozent der Befragten.

Problem E-Mail und SMS

Die Auswirkungen von E-Mail und SMS auf unsere Sprache sehen die Befragten durchaus kritisch: 44 Prozent fanden sehr zutreffend, dass niemand mehr an einer sprachlich eleganten Formulierung feilt und "man schreibt, wie man denkt". "Wird unsere Sprache von kurzfristig modernen Slangausdrücken überwuchert" hielten 36 Prozent für sehr zutreffend und "verlernt man auch das schöne Sprechen, weil man sich nur mehr in Kurzformeln ausdrückt" 25 Prozent.

Immens polarisiert hat die Frage nach der Auswirkung der Mediennutzung. 45 Prozent der Teilnehmer gaben an "die Menschen erhalten durch die Medien viele Informationen, sie sind daher besser informiert und gebildet als die Menschen früherer Generationen". 43 Prozent meinten aber "die Menschen erhalten durch die Medien zu viele Informationen und können die wirklich wichtigen Informationen nicht mehr herausfiltern".

84 Prozent sprechen Fremdsprache

Geht man nach der Umfrage, sprechen 84 Prozent der Österreicher eine Fremdsprache, 22 Prozent davon sogar zwei und vier Prozent drei oder vier. 99 Prozent der einer oder mehrerer Fremdsprachen mächtigen Österreicher können auf Englisch eine Unterhaltung führen. Je 13 Prozent trauen sich dies auf Französisch und Italienisch zu, fünf Prozent auf Spanisch und zwei auf Serbisch/Kroatisch. Je ein Prozent kann auf Ungarisch, Polnisch oder Tschechisch/Slowakisch plaudern.

Englisch erachten 93 Prozent der Befragten als besonders wichtig und es solle diese Sprache auch an den österreichischen Schulen gelehrt werden. Auf Platz zwei reihte sich Russisch mit 46 Prozent ein, gefolgt von Französisch (38 Prozent) und Spanisch (33 Prozent).

(APA)

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17 Kommentare
Gast: Michael Ringer
27.09.2010 19:23
0

Zu wenig Deutschunterricht; Erlernen von Sprachen.

Ich finde, es ist äußerst wichtig, mehr Zeit in das Erlernen von Sprachen zu investieren, weil das etwas ist, das einem Jugendlichen in seiner Zukunft echt etwas bringen kann. Gerade für Kinder, die aus einem anderen Land kommen, und deswegen die deutsche Sprache nicht so gut können, hat das oberste Priorität.

Auch finde ich, dass E-Mails und SMS in der Hinsicht sehr stören, da die Menschen, wie im Text erwähnt, nur schreiben, wie sie es wollen und somit nicht mehr auf Rechtschreibung und Interpunktion achten.

Der ORF sollte mit gutem Beispiel vorangehen

er beruft sich ja dauernd auf seinen Bildungsauftrag. Sprachlich geschludert wird aber ununterbrochen. Beispiel: "Dreimal billiger", kostet das nur ein Drittel vom Vergleichswert oder ist es um ein Drittel billiger als der Vergleichswert. Wenn ein Tief für schlechtes Wetter oder Pestizide für Verunreinigungen verantwortlich sind so ist es bis jetzt niemandem gelungen das Tief oder die Pestizide tatsächlich zur Verantwortung zu ziehen.
Der ORF hatte einmal die Sendung "Sprachpolizei", die Sprachpolizei fehlt ihm nun selbst.

Antworten Gast: scala
27.09.2010 18:14
1

Re: Der ORF sollte mit gutem Beispiel vorangehen

Ich stimme Ihnen zu. Immer wieder ganz besondere Schmankerln bietet ORF Teletext. Da stand doch tatsächlich einmal: "Die Armen haben zugenommen". Sollte natürlich heißen, dass die Zahl der Armen gestiegen ist. Meldungen dieser Qualität gibt es fast täglich.

Dazu kommen noch diverse mehr oder weniger gelungene Wortspiele in der Werbung. Fatal für jemanden, der ohnehin unsicher in der Rechtschreibung ist (Kinder, Migranten).

hier müsste es heißen:...

drei Drittel der Österreicher für mehr Deutschunterricht!!
Ein Drittel der in österreich lebende Menschen und Innen sind jedoch schon Ausländer und Innen ...

Antworten Gast: Denka09
27.09.2010 17:11
2

Mit "Österreicher"

sind ja auch hier lebende Migranten gemeint. "Österreicher" wird nicht nach Blut&Boden definiert ...

Gast: Martha Segenreich
27.09.2010 14:25
1

Mehr Deutschunterreicht

für unsere Politiker bitte!!!

Pflege der deutschen Sprache,

sie ist sehr wichtig! Nicht nur für das Erlernen von Fremdsprachen, sondern primär um sich verständlich mitzuteilen.

Alleine die überwiegende Mehrzahl aller in der PRESSE zu lesenden Kommentare sind Beweis dafür.


Gast: Ottokar
27.09.2010 11:59
3

Latein

könnte man dafür streichen. Das kostet nur Zeit und bringt weniger als gleich eine lebende Fremdsprache zu lernen.

Antworten Gast: mach dich messa
27.09.2010 12:38
5

Re: Latein

Wenn Sie Latein gelernt haben lernen Sie jede lebende Fremdsprache leichter.
Die Latinitätist ist eine der wichtigen Grundlagen unserer abendländischen Kultur (Rechtssystem, Wissenschaften, etc.)

Ihr broken english lernen Sie noch früh genug!

Antworten Antworten Gast: Jurorppp
27.09.2010 17:09
0

Und Sie haben

Autofahren über Hochradfahren gelernt, gell.

Re: Re: Latein

wir hatten leider keine möglichkeit latein zu erlernen (Türkei). ich bin auch der meinung das es hilfreich für europäische sprachen ist. speziell wenn die muttersprache keine europäische sprache ist (wie mein mann bei meinem deutsch des öfteren zu bemerken pflegt ;)).

Antworten Antworten Antworten Gast: Doz. Phil.
28.09.2010 10:53
0

Für welche europäischen

Sprachen soll Latein hilfreich sein? Die romanischen Sprachen haben sich von Latein weit wegentwickelt, da bringt Latein nichts mehr. Und für die indogermanischen, germanischen, baltischen, finno-ugrischen und slawischen Sprachen bringt Latein sowieso genau Null.

Antworten Antworten Gast: Ettler
27.09.2010 14:40
0

Altbabylonisch

muss sofort eingeführt werden! Nur Altbabylonisch kann uns die Wurzeln unserer Kultur und Sprache vermitteln! Auch Recht und Wissenschaft versteht man nicht, wenn man nicht Altbabylonisch kann!

Antworten Antworten Gast: Univ.-Doz. G.O.L.
27.09.2010 14:28
0

Lustig, aber falsch.

Latein ist schon lange nicht mehr die Grundlage unserer Kultur oder unseres Rechts oder der Wissenschaften. Und was das Lernen von Sprachen anbelangt: lernens gleich die erwünschte Sprache, dann können Sie sie auch besser.

Antworten Antworten Gast: Gast
27.09.2010 13:14
1

Re: Re: Latein

Die Zeit, die ich in Latein investieren musste hätte ich 10x nutzbringender in das Erlernen einer lebenden Sprache stecken können.
Auch wenn Latein in vielen Fällen hilft, das Aufwand-Nutzen-Verhältnis spricht gegen obligaten Lateinunterricht.

Antworten Antworten Antworten Gast: B52s
27.09.2010 14:30
0

Re: Re: Re: Latein

So isses. Wer die üblichen 1500 Schulstunden für Latein STATTDESSEN GLEICH in Spanisch oder Italienisch investiert, spricht diese Sprache dann fließend. Und zwar erstens deutlich früher und zweitens besser, da er mehr zeit aufgewendet hat.

Antworten Antworten Antworten Gast: Gastgastgast
27.09.2010 14:15
1

Re: Re: Re: Latein

Mir tut es leid, nicht Latein gewählt zu haben. Sehe das bei meinen beiden Kindern, die neben einer Zweitfremdsprache- oder vorher- Latein mitnahmen: Sprachgefühl!ist da für Wurzeln und Sinnstämme.

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