Klagen über "Deutschenfeindlichkeit" an Schulen

11.10.2010 | 18:46 |   (Die Presse)

In Deutschland klagen Politik und Lehrer über eine neue Form der Diskriminierung an Schulhöfen: Migrantenkinder verprügeln und verhöhnen deutschstämmige Schüler.

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Wien/Berlin. Sie haben Angst auf dem Nachhauseweg, werden in den Pausen verprügelt und verhöhnt: „Deutsche Schlampe“ und „Kartoffel“ seien nur einige der Schimpfworte, die deutschstämmige Schüler an manchen Problemschulen in Berlin oder Frankfurt zu hören bekommen, klagen Lehrer. Die Täter seien die, die sonst zur Minderheit gehören: Kinder aus türkischen oder arabischen Zuwandererfamilien.

Ganz Deutschland diskutiert seit Tagen über „Deutschenfeindlichkeit“ an den Schulhöfen. Familienministerin Kristina Schröder stellte klar, dass es sich dabei ebenfalls um „Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“ handle. Und Cem Özdemir von den Grünen sagte, Deutschenfeindlichkeit in den Klassenzimmern sei genauso wenig akzeptabel wie jede andere Form von Diskriminierung.

Auslöser der Debatte war ein Lehrerkongress zu dem Problem in Berlin und der Artikel „Deutschenfeindlichkeit in Schulen“, den die beiden Pädagogen Andrea Posor und Christian Meyer in der Mitgliederzeitschrift der „Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft“ (GEW) veröffentlichten. Der Artikel erschien zwar bereits im Heft 11/2009, also vor fast einem Jahr. Doch offenbar erst jetzt findet er Beachtung.

Posor und Meyer klagen über Segregation an „Schulen in sozialen Brennpunkten“. „Viele deutsche Schüler empfinden sich als provozierte und diskriminierte Minderheit.“ Als eine Ursache des Mobbings durch Migrantenkinder orten sie Revanche für „selbst erlebte Diskriminierungen“.

Sanem Kleff, Leiterin des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zeigt sich im „Presse“-Gespräch „verwundert über die Art dieser Debatte“. Es sei nichts Neues, dass Schüler einander mobbten – und zwar entlang aller möglichen Unterscheidungsmerkmale: etwa Schlanke gegen Dicke oder eben Migranten gegen Deutschstämmige. Bisher seien nur meist die Migranten in der Opferrolle gewesen. Doch mittlerweile gibt es immer mehr Schulen, an denen Migrantenkinder in der Überzahl sind: „Die machen nun genau denselben Blödsinn. Die tun das, was Mehrheitsgruppen oft mit Minderheiten tun.“

Der Chef des Deutschen Philologenverbands Heinz-Peter Meidinger sieht darin jedoch mehr als „normale Konflikte“ unter Jugendlichen. Er ortet „soziale und ethnische Ursachen“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2010)

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15 Kommentare
Gast: Kosmopilot
13.10.2010 15:54
2

"Die tun das, was Mehrheitsgruppen oft mit Minderheiten tun."

Vollkommen richtig, so ist es! Ich bitte diejenigen, die das nicht so sehen zu sagen, wo denn genau der Unterschied ist: Selbst wenn türkische Schüler deutsche gefühlt öfter und brutaler mobben als andersherum, liegt dies höchstwahrscheinlich daran, dass es Deutsche nicht gewöhnt sind, sich in der Minderheitenrolle wiederzufinden und mehr Gehör für ihre Beschwerden finden.
Die Schuld an der Misere trägt zu 99% die Poitik durch die Fehlplanung der Integration!

Gast: Tacheles
12.10.2010 16:41
3

Geht's noch

Sozialgelder streichen für präpotente Witzfiguren aus bestimmten Kulturkreisen und dann sehen wir weiter....

"Die tun das, was Mehrheitsgruppen oft mit Minderheiten tun."

"Die wollen ja nur spielen....."

Vater arbeitet 12 Stunden am Tag auf dem Bau, 3 Brüder sind arbeitslos und der eine sitzt im gefängnis!

Wo soll der kleine Mustafa sonst seine Wut los lassen? Aber im Gegensatz zu den Deutschen, haben die österreichischen Kinder immer eine Steinschleuder mit dabei.

Gast: Werka Anton
12.10.2010 15:14
0

Oder "Schluchtensch***er"

so behandeln uns halt unsere nördl. Nachbarn ...

Gast: Al Ahram
12.10.2010 11:32
4

Zukunftsszenario

Wenn alles so weitergeht wie bisher sind in knapp 20 Jahren die autochthonen Einheimischen sowieso nur mehr eine Minderheit, also gewöhnt man sich besser schon als Kind an diese Zustände...

Antworten Gast: Jonus
12.10.2010 15:15
1

Ja, die Hauptgruppe der Immigranten bei uns

gewöhnt uns schon Wörter wie "Sahne" oder "Apfelsine" an.

Gast: gast
12.10.2010 10:54
4

"Sch... Österreicher"

Kann man in Wiener U-Bahnen auch ab und zu hören.

Antworten Gast: Hydrant
12.10.2010 18:17
0

Re:

Um frei nach den Brüdern Resetarits zu zitieren. "Do, hap eine in D-Wagn - aufe am Hauptbahnhof und ab in die Heimat.
Ein Linker der in einem österreichischen Problembezirk gewohnt hat.

Antworten Gast: Tacheles
12.10.2010 16:39
0

??????????

Ich habe so etwas noch nie gehört und wenn, dann weiss man was man zu tun hat.

Gast: ÖsterreichermitEhr
12.10.2010 09:52
2

Naja, die Deutschen

sind meist schuld, wenn man sie nicht leiden kann. Wir Österreicher mögen sie schliesslich auch nicht...

Re: Naja, die Deutschen

In einem Punkt sind sie schuld:
dass sie sich das so lange bieten lassen.
Ich würde mich mit anderen Eltern zusammenschließen, Beweise sammeln und jeden Lehrer, der die Aufsichtspflicht verletzt hat, die Schulbehörde und jeden der Eltern dieser Fratzen verklagen.

Antworten Antworten Gast: edumbcated
13.10.2010 14:05
0

verklagen

Hallo ihr anderen Eltern!

Ich tue mal versuchen in diesem korrupten Rechtssystem jemanden verklagen der von Harz und sonstigen "Sozialtransfers" lebt.
Wenn ich gewinne gegen seinen vom Amt gestellten Anwalt dann freue ich mich wenn er nichts zahlen muss, denn er lebt ja unter dem Existenzminimum(alles andere ist ja Schwarzgeld oder illegal).
Vielleicht darf der Fratz dann auf Steuerkosten ins Boxcamp von Kannenberg gehen, das wäre voll pädagogisch wirksam.

In Träumen versunken

Euer Stephanos

Re: verklagen

Weil es Ihrer Ansicht nach illusorisch ist, muss man sich alles bieten lassen?
Wenn es Konsequenzen gäbe und zwar sofort, hätte der Spuk bald ein Ende. So signalisiert man ihnen nur eines: die lassen sich alles bieten, diese Weicheier- also feste druff. Und Weicheier verachtet man.

Re: Naja, die Deutschen

Ist aber verständlich, die sprechen ja auch kein Deutsch.....

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