Mobbing: "Der erhobene Zeigefinger bringt nichts"

Zivilcourage fördern und Mobbing vorbeugen, das versucht das Programm "fairplayer.manual". In Deutschland soll dieses bald bundesweit umgesetzt werden.

Mobbing kann durch Praevention
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Mobbing kann durch Praevention

Mobbing ist kein neues Phänomen. In der gesellschaftlichen Wahrnehmung wird es dennoch immer präsenter. Der wesentliche Grund dafür: Die gestiegenen Sensibilität. Doch auch neue Formen - wie etwa das Cyber-Mobbing - führen dazu, dass es immer mehr zum Thema wird. An deutschen Schulen hat man sich nun dazu entschlossen, ein Anti-Mobbing-Programm einzuführen. Konzipiert wurde das "Faiplayer"-Programm an der Freien Universität Berlin. Teilnehmen sollen daran nicht nur Mobbing-Opfer und Täter, sondern die gesamte Klasse. 17 Unterrichtseinheiten sollen dem Thema laut Plan gewidmet werden. Durchgeführt wird es in der siebten bis neunten Schulstufe.

Gearbeitet wird nicht nur an den sozialen Kompetenzen, sondern auch an der moralischen Sensitivität der Schüler. Auch jene Jugendliche, die nicht aktiv am Mobbing teilnehmen, sind Teil des Systems. Sie müssen verstehen, dass sie auch dann am Mobbing beteiligt sind, wenn sie dem Täter nicht signalisieren, dass er aufhören soll, so der Entwicklungspsychologe Herbert Scheithauer von der Freien Universität Berlin.

"Der erhobene Zeigefinger bringt nichts"

Um den Schülern das zu vermitteln, wird beim Fairplayer-Programm mehr auf die Praxis als auf die Theorie gesetzt. "Der erhobene Zeigefinger bringt nichts", sagt Scheithauer. Vielfach wird mit der "Dilemma-Methode" gearbeitet. Dabei wird eine altersgerechte Konfliktsituation nachgespielt und anschließend in einer Art Gruppendiskussion bearbeitet. Die Studienergebnisse der Uni Berlin, die das Fairplayer-Programm untersucht haben, zeigen eindeutig: Das Programm ist erfolgreich. 

An den untersuchten Schulen ging die Zahl der Mobbing-Fälle deutlich zurück. Bezeichneten sich vor der Durchführung des Programms noch 24 Prozent der Schüler als Mobbing-Opfer, so taten das danach nur noch 12 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Tätern: Hier ging der Prozentsatz von 24 auf 19 Prozent zurück. Diesen statistischen Daten entspricht auch das Lehrerurteil: Der Großteil der Lehrkräfte berichtete von weniger häufigen aggressiven Verhalten in der Schulklasse. Nach diesen erfolgsversprechenden Ergebnissen haben sich die Initiatoren ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Das Programm soll langfristig gesehen bundesweit eingeführt werden.

(j. n.)

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