Kirche, Militär und Zufall: Was unser Schulsystem geprägt hat

Der historische Zufall ist eine Großmacht. Einmal eingetreten, können seine Folgen jahrhundertelang greifen - bis in die Klassenzimmer des Jahres 2012. Der klerikal-militärisch Geist von strammer Ordnung ist in den organisatorisch wie inhaltlichen Relikten des Schulsystems zu finden. Was die Schule gepräft hat.(c) APA (SCHulmuseum Bad Leonfelden)

50-Minuten-Einheit

Um die Dauer einer Schulstunde ranken sich mehrere Mythen. Die 50 Minuten könnten vom Militär kopiert worden sein: eine Stunde Exerzieren – minus zehn Minuten Austreten und Pfeifenrauchen.(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

50-Minuten-Einheit

Ein anderer Mythos sieht die Schulstunde durch den Katholizismus begründet: Mönche hätten den Unterricht ihrer Schüler alle 50 Minuten unterbrochen, um zu beten.(c) AP (JENS MEYER)

Sitzordnung

Tatsächlich an die Kirche angelehnt war lange Zeit die Sitzordnung. Lange, schmale Bänke; die Mädchen auf der einen, die Burschen auf der anderen Seite. Der Lehrer wird stehend begrüßt - wie der Pfarrer in der Kirche.(c) Clemens Fabry

Schülerzahl

Dabei spielten wieder militärische Überlegungen eine Rolle. So soll die ehemalige Zahl von 120 Schülern pro Klasse der Kompaniestärke geschuldet sein. Nach der Schlacht bei Königsgrätz wurde sie auf 80 beschränkt.(c) FABRY Clemens

Schulglocke

Das Klingeln zwischen den Stunden hat gleich zwei Vorbilder: Die einen sehen es als den Kirchenglocken nachempfunden, für die anderen ist es an die militärische Trillerpfeife angelehnt.(c) APA (HANS KLAUS TECHT)

Sommerferien

Einer der Gründe für die Sommerferien dürfte höchst profan gewesen sein: dass Bauernkinder nämlich bei der Ernte helfen konnten. In Deutschland dienten die Herbstferien noch bis in die 1960er Jahre der Hilfe bei der Kartoffelernte, daher auch der Name Kartoffelferien.(c) Dapd (Sascha Schuermann)

Fächer

Der Fächerkanon geht zum Teil noch auf die Antike zurück (im Bild: Philosophenschule von Athen, Raffael). Verbindliche Leitlinien für Lehrer sind eine Errungenschaft des späten 18. Jahrhunderts. Zumindest im Gymnasium ist der Kanon im Kern seit dem 19. Jahrhundert konstant.

Mehr dazu: Historisches Korsett: Schule, ein Produkt des Zufalls(rovi)
Kommentar zu Artikel:

Kirche, Militär und Zufall: Was unser Schulsystem geprägt hat

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.