Kindergarten: "Männer werden durch Kinder toleranter"

11.03.2012 | 18:39 |  KÖKSAL BALTACI (Die Presse)

In seiner Forschungsarbeit "Elementar" hat der Psychologe Josef Aigner die Situation von männlichen Pädagogen in Kindergärten untersucht. Er kommt zum Schluss, dass Kinder ganz besonders von Männern profitieren - und umgekehrt.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Awien. Ein unterbewertetes, konservatives und nicht professionalisiertes Berufsbild, die traditionelle Kindferne von Männern sowie der unbegründete Generalverdacht gegen männliche Pädagogen – das sind laut Josef Aigner, Professor für psychoanalytische Pädagogik an der Universität Innsbruck, die wichtigsten Gründe dafür, dass in Österreich Männer in Kindergärten und Volksschulen massiv unterrepräsentiert sind. Die Arbeit mit Kindern werde nach wie vor als Frauensache angesehen.

Männer, die sich für diesen Beruf entscheiden, müssten sich den Vorwurf gefallen lassen, schwul, pädophil oder beides zu sein. Drei von zehn Hauptschülern etwa hielten Männer eher für eine „Gefahr für Kinder“. Diese Ergebnisse gehen aus der Forschungsarbeit „Elementar“ hervor, die Aigner zusammen mit dem Berliner Diplompsychologen Tim Rohrmann veröffentlicht hat und die jetzt auch in Buchform erschienen ist. Für die Studie wurden unter anderem 150 Kindergartenpädagogen befragt.

„Österreich ist neben Malta und der Slowakei das einzige Land in Europa, in dem Kindergartenpädagogen nicht in FH und Universitäten, sondern in berufsbildenden höheren Schulen ausgebildet werden“, beklagt Aigner. „Das ist letztlich eine Entwertung eines Berufsfeldes, das für mich der wichtigste und anspruchsvollste pädagogische Bereich überhaupt ist.“ Die Geisteshaltung, wonach die Betreuung von Kindern nur etwas für Frauen – am besten für Mütter – sei, sei noch immer vorherrschend. „Ein Irrweg, auf dem viel Potenzial verloren geht. Kinder brauchen Männer und umgekehrt“, so der Psychologe. Wenn Kinder bei ihrer Ausbildung fast ausschließlich von Frauen betreut werden, gebe man ihnen ein fragwürdiges Männerbild mit auf den Weg. „Es fehlen dadurch die Auseinandersetzungsmöglichkeiten.“ Kinder würden so den Eindruck bekommen, dass die Sorge um sie nur Frauensache sei.

 

Hohe Berufszufriedenheit

„Abgesehen davon bin ich der festen Überzeugung, dass Kinder aus Männern andere Menschen machen würden“, so Aigner. „Der regelmäßige Kontakt mit dem Unfertigen, Hilfsbedürftigen würde dazu beitragen, dass Männer weniger endzweck- und erfolgsorientiert sind und stattdessen mehr Geduld und Toleranz an den Tag legen.” Studien dazu gebe es noch keine, „aber ich glaube fest daran“. Ein Hinweis darauf sei beispielsweise, dass männliche Pädagogen eine sehr hohe Berufszufriedenheit aufweisen würden, weil sie sich bewusst für ein Leben entschieden hätten, dessen Alltag nicht mehr von wirtschaftlichem Konkurrenzdenken dominiert ist.

In Österreichs „Kindertagesheimen“ (Krippen, Kindergärten, Horte, Kindergruppen) liegt der Prozentsatz männlicher Beschäftigter derzeit bei 1,4Prozent. Die EU hat einen Anteil von 20Prozent als wünschenswertes Ziel ausgegeben. In den Kindergärten selbst beträgt der Männeranteil nur 0,6Prozent. In den Volksschulen sieht die Situation nicht viel besser aus. Hier sind es nur noch knapp zehn Prozent Männer, die als Lehrer tätig sind. Zum Vergleich: In den 1970er-Jahren waren es noch gut 45Prozent.

Die Ironie an dieser Entwicklung: Laut Aigner hat die Befragung von Eltern ergeben, dass sie männlichen Pädagogen gegenüber mehrheitlich durchaus positiv gesonnen sind. „Auch die Pädagogen selbst bestätigen, dass sich Eltern über männliche Betreuer meistens freuen.“ Am liebsten sei den Eltern im Übrigen, wenn männliche und weibliche Pädagogen gemeinsam ihre Kinder betreuen. Auch für Aigner eine Lösung, „die für alle Beteiligten die beste wäre“.

Auf einen Blick

Männer in der Minderheit. In den heimischen Kindertagesheimen (Krippen, Kindergärten, Horte, Kindergruppen) liegt der Prozentsatz männlicher Pädagogen bei 1,4Prozent. Die EU hat einen Anteil von 20Prozent als wünschenswertes Ziel ausgegeben. In den Kindergärten selbst beträgt der Männeranteil nur 0,6Prozent. In den Volksschulen sind es zehn Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

9 Kommentare
Gast: Helgomar
12.03.2012 17:02
0

Bin skeptisch

Bin da ehrlich gesagt skeptisch, was die Eignung von Männern für den Beruf des Kindergärtners anlangt, schon das Wort bereitet mir Unbehagen, Und falls doch dabei mal der eine oder andere sich an den Kindern sexuell vergreift, wills natürlich keiner gewesen sein. Wer trägt dann die Verantwortung? Klar: Der Mörder ist immer der Gärtner!

aber genau aus

diesem grund sind wir wirtschaftlich so erfolgreih !!!
siehe deutschland, schweiz, österreich (noch)

der mann arbeitet und bringt geld nach hause, die frau erzieht die kinder und hält den haushalt zusammen !

Antworten Gast: Krawuzikapuzi
12.03.2012 20:10
0

Re: aber genau aus

Sie sind wohl erst vor kurzem nach 50jährigen Tiefschlaf aufgetaut worden.

Gast: Marianne K.
12.03.2012 15:47
4

Ganz schwach!

Nichts erfährt man über die Studie. Keine Daten, nichts über die Methode. Wo wurde die Studie publiziert? Gab es Selektionseffekte (tolerante Männer arbeiten vermehrt als Kindergärtner)? Das Ganze hört sich sehr nach pseudowissenschaftlichem, ideologisch eingefärbten BlaBla an.

Gast: Achdalachter
12.03.2012 15:13
5

Drei von zehn Hauptschülern etwa hielten Männer eher für eine „Gefahr für Kinder“.

Dank der unermuedlichen Propagandaarbeit des Frauenministeriums ist das auch kein Wunder.

Gast: Lilli
12.03.2012 13:08
2

Tolle Erkenntnis

Wer bezahlt all diese - an sich unnützen - Studien?
Fazit: Kinder brauchen Frauen und Männer als
Erziehungs- und Bezugspersonen, sapperlot,
wer hätte das gedacht.....

Linke Logik

Linke Logik fasziniert mich immer wieder aufs neue.

Natürlich brauchen Kinder Männer - nämlich als Väter!

Und nachdem zuerst Männer seit Jahrzehnten von eben jenen linken Weltverbesserern als latente Gefahr für Kinder gebrandmarkt und Väter zu Zahleseln degradiert wurden, kommt plötzlich die Erkenntnis daher, dass Kinder irgendwo doch männlichen Einfluss brauchen.

Und was ist die Conclusio? Anstatt dafür einzutreten, dass Männer wieder normale Väter sein dürfen, sollen jetzt Männer zu Kindergartenpädagogen umerzogen werden - umerzogen deshalb, weil sie offensichtlich von sich aus nicht besonders interessiert sind (wer eine Parallele zu Frauen und Technik findet, darf sie behalten).

Die armen Kinder, die den linken Weltverbesserern als Laborratten dienen müssen.

Antworten Gast: El Non-Politico
12.03.2012 14:26
0

Re: Logisch, die Logik

Gehts bei Ihnen immer nur um das eine, nämlich die Linken fertigmachen ?
ihre Argumente sind oft gar nicht so schlecht, als Leser davon tut man sich aber schwer den sachlichen Inhalt vom allesdurchsetzenden Linkenhass bei Ihnen zu trennen. Können Sie sich mal "ohne" äußern ?

Antworten Antworten Gast: Gasti
12.03.2012 16:11
0

Re: Re: Logisch, die Logik

Naja, El Barato hat aber recht: Es ist tatsaechlich immer wieder dieses Muster zu erkennen.

Wer noch einigermassen unabhaengig Denken kann, wird genuegend Beispiele finden um dies nachzuvollziehen.

Falls nicht, ist es auch gut, solange er/sie sein/ihr Hirn ehrlich angestrengt haben. Das ist sicher der Kern der Uebung.

Schlagzeilen Bildung

AnmeldenAnmelden