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Zentralmatura: Sicherheit garantiert?

01.04.2012 | 18:39 |  von Bernadette Bayrhammer (Die Presse)

Die Maturabeispiele dürfen keinesfalls in falsche Hände geraten. Kritiker monieren mangelnde Sicherheitsmaßnahmen. Was das zuständige Institut macht, um undichte Stellen zu verhindern.

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Mit dem Start der Zentralmatura muss eine unglaubliche Logistik ins Rollen kommen, um Sicherheit zu garantieren. Lehrerkinder, die die Prüfungsbögen für die Matura an die Schüler ihrer Eltern verkaufen, Jugendliche, die sich übers Netz in den PC des Mathelehrers hacken und die Maturabeispiele dann in der Klasse verteilen oder Lehrer, die ihren Schülern vor der Prüfung die Themen stecken – all das soll künftig unmöglich gemacht werden. Wenn nämlich in zwei Jahren der erste Jahrgang der Gymnasiasten die inhaltlich umstrittene Zentralmatura absolvieren wird, gilt – genauso wie im Jahr darauf bei den BHS – ein und derselbe Prüfungsbogen für tausende Schüler. Nicht auszudenken, wenn jemand die Bögen vor der Matura in die Hände bekäme. Stichwort Verbreitung über das Internet.

Wie weit die Maßnahmen gediehen sind, die das zuständige Bildungsinstitut Bifie ausarbeitet, darüber herrscht Uneinigkeit: Wirtschaftsprüfer kritisierten erst in der Vorwoche, dass die Computerplattform zur Reifeprüfung in einem chaotischen Zustand sei. Firewalls, die die geheimen Prüfungsaufgaben vor Hackerangriffen schützen sollen, würden demnach fehlen. In anderen Punkten dürfte das Bifie sich bereits nach höchsten Sicherheitsstandards umgesehen haben – etwa, was den Druck in einer strengstens überwachten Druckerei oder die Verteilung der Aufgaben an die Schulen per Sicherheitstransport betrifft. „Die Presse“ hat sich angesehen, wie die Zentralmatura in die Klasse kommt – ohne dass es undichte Stellen geben kann. Leitartikel Seite 2

Alles topsecret: Abgekoppelt von Öffentlichkeit und Internet.

Geheimhaltung ist das große Motto bei der Erstellung der Aufgaben der Zentralmatura. Jeder, der damit befasst ist, unterschreibt eine entsprechende Klausel. An der Computerplattform, auf der die Prüfungsaufgaben liegen, gibt es Kritik: Firewalls, die einen Hackerangriff verhindern, würden fehlen. Laut Bifie ist Hacken allerdings gar nicht möglich: Die Plattform, so heißt es, sei vom Internet abgekoppelt. Die Endauswahl der Beispiele trifft schließlich eine kleine Gruppe: ein Fachdidaktiker, ein Testpsychologe und ein Bifie-Mitarbeiter erstellen die Prüfungsbögen für die Matura. Sie bleiben anonym – auch zu ihrem eigenen Schutz.

Verschlüsselt und geheim: Druck im Hochsicherheitstrakt.

Die Auswahl der Beispiele geht an eine (geheim gehaltene) Druckerei. Selbst wenn jemand die Datei abfangen sollte: Öffnen kann das verschlüsselte Dokument nur die Druckerei mit dem entsprechenden Gegenschlüssel. Der Betrieb ähnelt während des Drucks einem Hochsicherheitstrakt. Er ist für den Normalbetrieb gesperrt und wird videoüberwacht. Alle Türschlösser werden ausgetauscht, es wird protokolliert, welche Mitarbeiter vor Ort sind – Geheimhaltungsklausel inklusive. Schließlich macht die Druckerei Pakete mit der entsprechenden Anzahl an Prüfungsbögen für jede Klasse bzw. Schule. Diese werden versiegelt.

Jederzeit ortbar: Sicherheitstransporte rollen durch das Land.

Zehn bis 14 Tage vor dem Maturatermin wird es spannend: Sicherheitstransporte rollen durch ganz Österreich, um die versiegelten Kuverts an die Schulen zu verteilen. Wieder gilt die Devise: bloß nicht zu wenig sichern. Eine Sicherheitsfirma holt die Pakete bei der Druckerei ab und stellt sie mit speziell gesicherten Fahrzeugen zu, die jederzeit per GPS geortet werden können – sollte ein Unfall oder ein Überfall passieren, fällt das sofort auf. „Das ist der höchste Sicherheitsstandard, den wir in Österreich gefunden haben“, heißt es vom Bifie – weit jenseits von den klassischen Paketdiensten wie UPS, DPD und Co.

Versiegelt bis zuletzt: Die Aufgaben müssen im Safe landen.

Der Transport avisiert die Schule per Handy, wenn er auf dem Weg ist. Der Schulleiter soll die versiegelten Kuverts in Empfang nehmen. Maximal drei weitere Personen kann er nennen, die übernahmeberechtigt sind. Die Übergabe wird strengstens protokolliert. Wer die Pakete übernimmt, muss sich ausweisen – läuft irgendetwas nicht korrekt ab, wird sofort das Bifie informiert. Ab dem Zeitpunkt der Übergabe übernimmt die Schule die Verantwortung für die Sicherheit. Die Aufgaben müssen bis zum Tag der Matura in einem Safe aufbewahrt werden. Öffnen darf die Kuverts vorerst niemand – auch nicht Direktor oder Lehrer.

Der große Tag: Erstmals werden die Aufgaben gezeigt.

Ob auch wirklich alles korrekt abgelaufen ist, zeigt sich spätestens am Tag der Matura. Der Schulleiter höchstpersönlich muss die Kuverts in die Klassenräume bringen, vor Schülern und Lehrern nochmals zeigen, dass die Versiegelung unversehrt geblieben ist und die Pakete dann vor deren Augen öffnen. Dann geht es los: Mehrere tausend Maturanten widmen sich denselben Aufgaben, auch die prüfenden Pädagogen kriegen die Prüfungsbögen dann erstmals zu sehen. Für sie wird es am Nachmittag richtig spannend: Dann bekommen sie nämlich die Lösungen und Beurteilungsschlüssel zugesandt.

Der Plan B: Für den Fall einer undichten Stelle.

Auch wenn die Sicherheitsvorkehrungen noch so ausgefeilt sind – es kann immer etwas passieren. Die Szenarien klingen nach großem Kino: Ein Transport wird überfallen, der Safe einer Schule ausgeraubt, die Aufgaben landen im Internet. Für solche Fälle hat das Bifie einen Plan B parat: ein Reservepaket mit alternativen Prüfungsaufgaben, das kurzfristig online zugestellt wird. Das ist sicher abgelegt und zum Download bereit – wo, wird nicht verraten. Innerhalb kürzester Zeit sollen die Aufgaben die Schulen erreichen. Mehr als eine kleine Verzögerung sollte also laut Bifie nicht passieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2012)

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60 Kommentare
 
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Wieder ein Sück Kommunalkreditqualität......


Gast: SeitWannKritisierenWirtschaftsprüferInternetSecurity
02.04.2012 17:23
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Wirtschaftsprüfer kritisierten?

"Firewalls, die die geheimen Prüfungsaufgaben vor Hackerangriffen schützen sollen, würden demnach fehlen."

Keine Verbindung zum Internet ist wesentlich sicherer als jede erdenkliche Firewall. Somit ist die beste Sicherheitsstufe gegen Hackerangriffe via Internet realisiert. Was haben dann WIRTSCHAFTSPRÜFER zu kritisieren? Das ganze sieht rein politisch motiviert aus

Gast: 9847777
02.04.2012 12:29
2 10

KLAPPT IN D SEIT JAHRZEHNTEN

WO SOLL DA EIN PROBLEM SEIN?

(Aber die Deutschen ghen von 9 auf 8 Jahre Mittelschule und glauben auch, dass das nicht geht - klappt bei uns seit immer schon)

VIELLEICHT IST DAS PROBLEM NUR DIE LEHRERSCHAFFT? VERÄNDERUNG IST IN DEREN LEBENSMODELL UNDENKBAR! UND DIE ERZIEHEN AN UNSEREN KINDERN HERUM!!

Gast: Johan Meltini
02.04.2012 11:45
5 0

Wo ist das Problem?

Ich vermute, die österreichische Variante der Zentralmatura muss einen Faktor haben, den ich noch nicht erfahren habe und wegen dem es einen solchen Trubel gibt (sogar eine Forschungsgruppe, die, wie der Leiter nicht aufhörte zu betonen, im Feld experimentell arbeite, im Feld Testläufe vollziehe).
Denn, dass die Maturaaufgaben zentral ausgegeben werden, ist in einigen Ländern seit Jahrzehnten üblich. Wo ist da das Außergewöhnliche?

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Re: Wo ist das Problem?

Faktoren: Schmied, Diletantismus, SPÖ und Modernpädagogik.

Gast: Lehrerfürst
02.04.2012 10:05
6 0

Bewertung

Ich sehe das Problem weniger in der Verteilung der Aufgaben als in der Korrektur/Bewertung.

Richtigerweise müßten die Arbeiten anonym abegeben (mit einer zugeteilten Nummer versehen) und von 2 unabhängigen Personen (=SCHULEXTERNEN) bewertet werden.

Sonst werden die Genossenkinder wieder einmal gut aussteigen.

Wie sieht es hier aus? Weiß man etwas?

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Re: Bewertung

Absolute Objektivität würde wohl nur ein Multiple-Choice-Test mit maschineller Auswertung bieten, damit würde wohl jede post-Subjektivität ausgeschaltet werden können (ist aber auch nicht zwingend, wie der Zugangstest für das Medizinstudium bewiesen hat).

Bleibt das a-priori-leaken der Testfragen und das ist in diesem Land offenbar unvermeidlich, die Frage ist also, ob dieser Nachteil weniger gravierend wiegt als das bisherige Willkür-System, bei dem Lehrer nach Tagesverfassung oder persönlicher Symphatie benoten.

7 0

Re: Re: Bewertung

Wenn man bis zur Matura nur Stoff lernt, der sich durch Multiple-Choice-Tests abprüfen läßt, kann man die Oberstufe wahrscheinlich gleich durch Selbststudium ersetzen und auf die Matura an sich verzichten.

Re: Bewertung

Volle Zustimmung - ich bin für die Zentralmatura aber MIT zentraler bzw. anonymer externer Beurteilung! Das habe ich schon unzählige Male angeprangert.

Aber es blieb dabei: korrigieren wird der jeweilige Klassenfachlehrer nach einem vorgegebenen Beurteilungsschlüssel.
Wie groß da die Bandbreite und Auslegungsräume sein werden, kann man sich sofort vorstellen.
Zwar werden die Arbeiten - wie bisher - an die Schule des Maturavorsitzenden dann auch geschickt, aber wie bisher werden wohl nur die Nicht Genügend bzw. die knappen Noten angeschaut weden.

Zu begrüßen

Die unsubstantiierten, kritischen Beiträge hier sind wirklich bemerkenswert.

Das Niveau bei der Matura könnte derzeit unterschiedlicher nicht sein. TGM in Wien vs HAK am Land, das ist so fernab von Gut und Böse, dass einem die Worte fehlen.

Jeder kennt doch die Situation, wo die ganze Klasse zB auf einmal in Biologie maturiert, nur weil es aufgrund des Lehrers klar ist, dass die Matura verschenkt wird. Eine Zentralmatura stellt sicher, dass die Lehrer nicht länger als "Feinde" des Schülers gesehen werden, vielmehr müssen sie gemeinsam an einem Strang ziehen um die Zentralmatura zu schaffen. Bislang ist eines der größten Probleme jenes der absoluten Abhängigkeit der Prüflinge von den Lehrern. Ist der Lehrer grantig, ist eine schwere Prüfung garantiert. Jetzt ist ganz objektiv garantiert, dass sich der Charakter des Lehrers nicht mehr länger auf die Prüfung auswirkt. Gut so.

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Re: Zu begrüßen

Na ja, wenn das TGM und eine x-beliebige HAK am Lande dieselben Inhalte bei der Matura hätten, stellt sich aber die Frage nach der Existenzberechtigung solch verschiedener Schulen...

Antworten Gast: the truth
02.04.2012 10:56
1 0

Re: Zu begrüßen

Ah geh, da ändert sich ja nix. Weil ja nur die schriftlichen Aufgaben der Zentralmatura unterliegen, da war ein "grantiger" Lehrer am Prüfungsvormittag bisher schon egal.

Und Ihr Beispiel mit Biologie passt auch nicht, da im Regelfall die Matura in Biologie weiterhin mündlich abgehalten wird. Wie überhaupt der mündliche Teil davon nicht betroffen ist. Wäre ja auch nicht zu bewerkstelligen.

Gast: Abersicherdoch
02.04.2012 09:39
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Was ist daran bitte so schwer?

In den USA gibts schon seit ewigen Zeiten die SAT und das funktioniert ebenfalls.

Üben und Beispielfragen downloaden kann man auf der Website des College Boards, damit man in etwa weiß, wie der Test abläuft.

Wieso sollte das in Österreich nicht funktionieren?

Re: Was ist daran bitte so schwer?

das funktioniert weltweit bei allen IBs und zum Beispiel auch in Irland, wo es auch zentral korrigiert wird und auch alle Nebenfächer schriftlich sind, abgesehen von kleinen Fachbereichsaufsätzen, die aber ebenfalls eingeschickt werden.
so g ersehen wird hier ein
Theater um ein Provisorium gemacht, welches den Namen Zentralmatura nicht verdient.

Gast: Tonus
02.04.2012 09:23
3 0

maturaauchfürdiedümmstenbonzensprößlinge

Mit Sicherheit wird dies in diesem korrupten Staatswesen der Fall sein

Gast: Don Quichote
02.04.2012 09:15
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Wie wir ...

... die Wiener Geheimhaltungsmethoden kennen, können wir uns jetzt schon ausmalen, was stattfinden wird. Anstatt diesen Zirkus zu veranstalten, würde es genügen, die Ausbildungsstandards der Maturanten festzulegen und die Ergebnisse durch die bislang überflüssigen Schulinspektoren überprüfen zu lassen, jedoch nicht im eigenen Sprengel, sondern in einem zufällig ausgewählten.

Gast: Experte 55
02.04.2012 09:07
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Vertrauen

Ich habe höchstes Vertrauen in unsere Ministerin. Sie hat ja ihre "Experten" (z.B. Bernd Schilda), die sie beraten. Sie wird schon wissen, was sie tut. Und sie hat (sich) bis jetzt schon großartiges geleistet.

Re: Vertrauen

Ironie?

Antworten Antworten Gast: the truth
02.04.2012 11:00
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Re: Re: Vertrauen

No, wenn er schon von "Bernd Schilda" spricht. :-)

Die Prüfungsfragen kommen an die Öffentlichkeit!


Davon ist auszugehen!


Antworten Gast: Abersicherdoch
02.04.2012 09:37
3 1

Re: Die Prüfungsfragen kommen an die Öffentlichkeit!

Und das ist auch gut so :)

Genalier Schachzug

Da hat unser Nomenklatura einen eleganten Weg gefunden, um ihrem Kokain u. partysüchtigen Nachwuchs ohne viel Aufwand die Matura zu sichern. Beim nachfolgenden Publizistik u. Politikwissenschaftsstudium sollten ja keine Prolbeme auftreten (wie auch) und danach sorgt eh die Partei für die Kleinen. Sehr schlau eingefefädelt.

Antworten Gast: Der Notar
02.04.2012 11:14
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Re: Genalier Schachzug

Sie haben sich Ihre Meriten durch beinhartes Lernen geholt, darf ich annehmen?!

Gast: dirge
02.04.2012 08:49
0 0

die zentralmatura am schießplatz

lauf frei, sicherheit vorhanden.

Gast: Der Notar
02.04.2012 08:32
2 1

Ich bin ein glühender Befürworter der Z-Matura

da kann sich unser Partei- und Günstlingssystem die letzte Ölung holen. Wenig zu gewinnen, viel zu verlieren und als Bonus: die Mobilisierung wütender Eltern!

Gast: Informatiker
02.04.2012 08:22
1 2

Es wäre einfach, wenn mans könnte

Wenn die Verantwortlichen in der Bildung nur halb so viel Wissen hätten wie die Schüler, dann könnten sie das Problem ganz unproblematisch lösen.
Man muss einfach nur den ganzen Lehrstoff, der zur Prüfung kommen kann in Kapitel und Schwierigkeitsgrad einteilen und ins Internet stellen. Jeder kann sich diese Aufgaben anschauen und lernen. Unmittelbar vor der Prüfung werden pro Fach und Kapitel vom Computer nach dem Zufallsprinzip die Prüfungsaufgaben ausgesucht.
Diese Methode lässt sich ohne großen Aufwand für den gesamten Lehrstoff, für alle Prüfungen von der ersten Schulklasse bis zur Uni durchführen.
Die Schulen müssten ohnehin garantieren, dass die Schüler das lernen, was sie später geprüft werden. Nicht einmal das ist heute garantiert. Dabei wäre es so einfach.

 
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