In der Schule, ohne Deutsch zu sprechen

20.05.2012 | 18:27 |  von Julia Neuhauser (Die Presse)

Seit Jänner sind 74 Migranten ohne Deutschkenntnisse in Wiener Pflichtschulen aufgenommen worden. In diesen Kursen werden keine Lehrer eingesetzt, sondern Personen aus der Erwachsenenbildung.

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Der Junge aus dem Irak, das Mädchen aus China und die Zwillinge aus Mazedonien: Sie alle hatten in den vergangenen Monaten ihren ersten Schultag in Österreich. Und: Sie alle konnten zu diesem Zeitpunkt kein einziges deutsches Wort sprechen. Dennoch sitzen sie seither als sogenannte außerordentliche Schüler in ihren Klassen. Eine Herausforderung nicht nur für die Kinder selbst, sondern auch für ihre Lehrkräfte. Besonders dann, wenn es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt.

So wie an der Kooperativen Mittelschule Sechshausergasse im 15.Wiener Gemeindebezirk. Dort wurden seit Jahresbeginn fünfzehn Kinder ohne Deutschkenntnisse aufgenommen – viel mehr als in den vorangegangenen Jahren, bestätigt Direktor Bernhard Heinisch im Gespräch mit der „Presse“. Die meisten dieser Kinder sind zwischen dreizehn und vierzehn Jahre alt und besuchen die vierte Klasse. Viel Zeit bleibt demnach nicht, den Kindern ausreichende Deutschkenntnisse beizubringen. Denn nach dem neunten Schuljahr endet die Schulpflicht. Dann liegt es an den Jugendlichen, ob sie noch weiter zur Schule gehen wollen. Rein rechtlich ist ein freiwilliger Schulbesuch im zehnten und elften Schuljahr möglich.

 

74 Schüler ohne Deutschkenntnis

Diese Zeit so gut wie möglich zu nutzen, ist auch eine politische Herausforderung. „Gerade Seiteneinsteiger (jene Migranten, die während des Schuljahres neu dazustoßen, Anm.), die teils ohne oder mit nur rudimentären Deutschkenntnissen in unsere Schulen kommen, sind prädestinierte Bildungsverlierer“, sagt die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl. Gesetzlich sind für diese Kinder Sprachförderkurse im Ausmaß von elf Wochenstunden vorgesehen. Das Problem: Über den Lehrereinsatz in diesem Bereich wird am Beginn des Schuljahres entschieden. Geld vom Bund gibt es also nur für die Sprachförderung jener Schüler aus dem Ausland, die bereits ab September des jeweiligen Jahres eine österreichische Schule besuchen. Vergessen werden dabei jene Migranten, die während des Schuljahres in das österreichische Schulsystem kommen. Die Konsequenz: Es fehlt Lehrpersonal.

Allein in Wien sind seit Jahresbeginn 74 ausländische Schüler ohne Deutschkenntnisse hinzugekommen. Die vergleichsweise hohe Zahl hat den Stadtschulrat zum Handeln gezwungen. Denn die geforderten elf Sprachförderstunden konnten mit den zu Schulbeginn festgelegten und seither eingesetzten Lehrkräften nicht mehr abgedeckt werden. Seit April werden an den Wiener Pflichtschulen nun sogenannte „Neu in Wien“-Einstiegskurse abgehalten. Parallel zum Unterricht in den einzelnen Klassen wird dabei für Seiteneinsteiger ein Deutschkurs angeboten. Kinder, die kürzer als sechs Monate in Österreich sind, können daran teilnehmen. Der Kurs setzt sich aus drei aufeinander aufbauenden Modulen zusammen, die jeweils 90 Stunden umfassen. Maximal zehn Schüler werden pro Kurs aufgenommen. Bislang gibt es den Kurs an elf Standorten.

Die Kinder lernen die deutschen Zahlen, sie lernen ihren Namen zu sagen und die Speisekarte zu lesen. Es sind Grundfertigkeiten, die ihnen vermittelt werden sollen; bevor sie aus dem Schulsystem ausscheiden und damit nur mehr schwer erreichbar sind. Eingesetzt werden in diesen Kursen keine Lehrer, sondern Personen aus der Erwachsenenbildung, die bisher zum Großteil AMS- oder Wifi–Kurse hielten. Das bringe einen großen Vorteil mit sich, meint etwa Bezirksschulinspektor Manfred Pinterits. Denn: Da es sich dabei um keine Lehrkräfte handelt, könnten diese auch nicht für etwaige Supplierstunden eingesetzt werden. Der Kurs könne so ohne Probleme abgehalten werden, so Pinterits.

 

Zahlen und Daten fehlen

Dass die Kurse erst seit April angeboten werden, rechtfertigt der Stadtschulrat damit, dass die Zahl der Schüler ohne Deutschkenntnisse, die während des Schuljahres hinzukommen, in den vergangenen Jahren geringer war als heuer. Konkrete Zahlen dazu gibt es aber weder im Stadtschulrat noch im Unterrichtsministerium. In dieser Form habe man das nicht erhoben, heißt es aus dem Stadtschulrat. Es gibt zwar Zahlen dazu, wie viele Schüler während des Schuljahres in eine Wiener Schule wechseln, woher diese kommen, wird dabei aber nicht extra ausgewiesen. Es könnte sich also auch um Neuzugänge aus umliegenden niederösterreichischen Gemeinden handeln.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2012)

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58 Kommentare
 
12

FRECHHEIT!

lehrerInnen: move your asses! was bildet ihr euch ein? macht verdammt nochmal euren halbtagsjob - wir zahlen euch das doppelte! (und rechnen den überzogenen urlaub noch gar nicht mit.)

Re: FRECHHEIT!

genau! tätschn für die Schüler und watschn für die lehrerinnen! den Lehrern ein Krügel Bier am Stammtisch, am besten im reinen raucher lokal: so macht man Bildungspolitik, was?

Gast: Schüler BORG XXXXX
21.05.2012 18:44
1

Was unterschlagen wird:

die meisten dieser Schüler sind Austauschschüler, die für ein Jahr nach Österreich kommen. Und zwar aus allen Staaten Europas. Wir haben einen Schweden, der noch kein Wort Deutsch konnte, im Jänner dazubekommen. Mittlerweile flucht er perfekt auf Wienerisch. Und wir Schüler wundern uns immer mehr über die Probleme, die uns eingeredet werden sollen.

Gast: Hischtor
21.05.2012 18:40
2

Das war 1946 (Vertrieben), 1956-8 (Ungarnkrise), 1968 (CSSR),

1992- (YU-Kriege) nicht anders. Nur haben damals die Lehrer halt einfach die Ärmel hochgekrempelt. Heute rufen Sie bei der Gewerkschaft an und beschweren sich ... wegen 74 Kindern. Lachhaft.

Gast: Otto I
21.05.2012 18:37
1

Kinder lernen schnell eine Fremdsprache.

Die meisten können in 6 Monaten besser Deutsch als die Hälfte unserer Politiker.

Gast: Trommely
21.05.2012 18:36
1

Na arg.

In den Schulen für die Kinder der UNO-Diplomaten (und die 37.000 Diplomaten in Wien haben schliesslich auch mehrere 10.000 Kinder ... die nur in Privatschulen gehen dürfen, da die UNO bei den öffentlichen Schulen nicht beizahlt) ist das klarerweise Alltag. Wenn die Lehrer der Privatschulen von Strebersdorf bis zum Sacre Coer das schaffen, dann schaffen das auch unsere öffentlichen Lehrer auch. Oder?

Re: Na arg.

eine privatschule mit einer öffentlichen zu vergleichen ist schon gut...weil ja lehrer auf beiden seiten top motivierte schüler haben, die von eltern gefördert und gefordert werden...

Gast: Krenkel V
21.05.2012 18:04
3

In Babylon hat es auch so begonnen

Süper Unterricht: Keiner versteht niemanden.
Der Lehrer fuchtelt mit den Händen und springt wie das Rumpelstielzchen herum.

Echt spassig die Schule unter den Roten.

Gast: bärig
21.05.2012 16:35
2

Erwachsenenbildung?

Toll, Kinder von Leuten unterrichten zu lassen, die bislang AMS-Kurse für Erwachsene hielten! Warum werden die Schüler nicht in sogenannten Mehrstufenklassen integriert? Die gibt es in Wien. Warum werden sie nicht in Gymnasienklassen integriert? Warum müssen dafür wieder die KMSen herhalten, die sowieso mit Verhaltenskreativen, Lernschwachen und Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf (in den I-Klassen) ausgelastet sind?

Gast: Liesingbachler E
21.05.2012 14:44
0

Warum gibt es noch keine Dolmetscher an den Schulen?

Die könnten ja den Unterricht übersetzten und die Zuwanderer müssten sichh nicht mit dem lästigen Deutsch herumschlagen.

Antworten Gast: naiv nativ
21.05.2012 16:09
4

noch einfacher wäre es,

die hier lebenden Einheimischen würden sich überhaupt diskret vertschüssen und die Neuankömmlinge nicht durch ihre Anwesenheit belästigen.

Gast: 1. Parteiloser
21.05.2012 13:49
6

Die Schulen können ja nicht mehr funktionieren!

Es ist doch auch vom Gesetzgeber vorgesehen, dass die Schulreife vorhanden sein muss und auch von den Lehrpersonen korrekt festgestellt werden sollte. Fehlende Sprachkenntnisse sind sicher eine fehlende Schulreife und müssen zur Überforderung führen.

Es ist (war!) auch vorgesehen, dass zum Aufsteigen in den nächste Ausbildungsstufe Mindestkenntnisse vorhanden sein müssen, eben um den neuen Stoff auch brauchbar verarbeiten zu können. Ich würde das als Schulstufenreife bezeichnen. Auch diese Notwendigkeit wurde mit einerseits mit dem Aufsteigen von unzureichenden Fähigkeiten (Unreife!) ausgehoben, andererseits aber auch mit positiven Benotungen trotz ungenügender Kenntnisse / Fähigkeiten.

Es ist doch unmöglich mit diesen Voraussetzungen den Schülern die notwendigen Fähigkeiten zu vermitteln. Das ist doch schon vor dem Start des Unterrichts einfach nur unmöglich. Das Schulsystem wurde in den letzten 40 Jahren immer mehr ausgehoben, die Resultate können wir an den laufend fallenden Durchschnittsfähigkeiten der Absolventen beobachten. Diese prinzipiellen Fehlentwicklungen können auch niemals mit Psychologen, Hilfskräften und auch nicht mit 5 Lehrpersonen pro Schulklasse zu nur 15 Schülern kompensiert werden.

Ideologen, welche durch deren Ideologien die Realität (Naturgesetze) außer Kraft setzten wollen, die zersetzen nur die Gesellschaft.

Antworten Gast: Bleyguss
21.05.2012 18:41
1

Wegen 74 Schülern

können die Schulen nicht mehr funktionieren? Aha.

Antworten Gast: bärig
21.05.2012 17:54
2

Re: Die Schulen können ja nicht mehr funktionieren!

Haben Sie es jetzt endlich eingesehen, wie schwer es Lehrer vor allem in den Pflichtschulen haben? Denen wird alles aufgelastet, was sich die oberen Instanzen so am Schreibtisch ausdenken!

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
21.05.2012 18:48
0

Re: Re: Die Schulen können ja nicht mehr funktionieren!

Die erschwerte Aufgabe ist dann aber doch kein Grund sich der Aufgabe gleich nur in Placeboform zu stellen.

Die Rechtslage ist die eine Seite, das Versagen der Beschäftigten im Bildungsbereich die andere Seite, welche auch nicht vollkommen ausgeblendet werden kann.

Nur, die deppaten Gewerkschafter stellen zu den wesentlichen Punkten ja gleich gar keine Forderungen!

Antworten Gast: Bedenker
21.05.2012 15:29
0

Re: Die Schulen können ja nicht mehr funktionieren!

Schulreife JA - für ordentliche Schüler. Aber für außerordentliche Schüler ..........

Wer, was wie ist ein ao. Schüler? Alles?

NS Gilt natürlich auch für Schülerinnern.

Antworten Antworten Gast: bärig
21.05.2012 17:49
1

Re: Re: Die Schulen können ja nicht mehr funktionieren!

A.o.Schüler werden nicht beurteilt, d.h. sie bekommen daher keine Zeugnisse sondern Schulbesuchsbestätigungen. Erst wenn ein Schüler dieses Status verliert, wird er als ordentlicher Schüler benotet. Schüler ohne Deutschkenntnisse können bis zu 2 Jahre a.o. den Unterricht besuchen. Daher: Wer die Pflichtschule als a.o. Schüler verlässt (im 9.Schuljahr) hat keinen Pflichtschulabschluss! Er darf aber um ein freiwilliges 10. oder 11.Schuljahr ansuchen. Viele fleißige Zuwanderer tun das und erlangen somit den positiven Pflichtschulabschluss.

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
21.05.2012 17:38
1

Re: Re: Die Schulen können ja nicht mehr funktionieren!

Natürlich ist eine Schulreife auch sehr im Interesse der Schüler, weil es ja sonst zu Überforderungen kommen muss.

Die Belastungen der Klasse, also der Mitmenschen, mit einer unguten Vermischen zwischen außerordentlichen und ordentlichen Schülern, die würde ich in vielen Fällen dann sogar als Verletzung der Menschenrecht der ordentlichen Schüler sehen.

Das Österreichische Bildungssystem braucht dringend korrekte und umfassend Feststellungen von Schulreifen und Jahrgangsreifen um eine brauchbare Vermittlung der notwendigen Fähigkeiten auch in die Praxis umgesetzt werden kann. Ich würde aber auch die Feststellung von Lehrreifen als sehr notwendig ansehen.

Politisch wird das Bildungssystem nicht zu retten sein, die Lehrpersonen können das von unten auch nicht machen. Es wird am Ende, wenn man die erforderlichen Korrekturen auch will (bzw. machen muss) dann doch auf eine Privatisierung dieses Bereiches hinauslaufen.

Babylon revisited...


Gast: Wirtschaftler
21.05.2012 10:53
1

Früher gab es darüber kein Aufsehen !

Ich denke an die Zeit der Jugoslawienkrise zurück. Da haben wir tausende Schüler in Österreich binnen kürzester Zeit ohne Deutschkenntnisse in den Schulen integriert und niemand hat sich aufgeregt. Nach einiger Eingewöhnungszeit ist alles bestens gelaufen.
Da frage ich mich: Damals waren die Schwierigkeiten weitaus größer und die Unterstützung minimalst. Trotzdem hat alles bestens geklappt. Und heute???
Es wird geraunzt, geraunzt und wieder geraunzt !
Warum ? Scheinbar sind schon alle guten Lehrer aus dem Schuldienst ausgeschieden und wir haben nur mehr Raunzer....

Antworten Gast: bärig
21.05.2012 17:57
2

Re: Früher gab es darüber kein Aufsehen !

Der Unterschied zu damals: Damals gab es wenige Projekte, mit denen gutes Geld zu verdienen war! Integration ist ein weites Feld- viele wollen es bestellen und abernten!

Antworten Gast: Kritik muss ernst genommen werden
21.05.2012 11:20
8

Jugoslawen = Türken ?

Kartoffeln = Orangen? Erdbeeren = Johannisbeeren? Äpfel = Zitronen? Zucker = Salz? - Wer so wirtschaftet...

All inclusive Lehrer sind gefragter als jeh!


Genau darum wollen Schmied und Fekter den "all inclusive Lehrer"!!!!

zu dessen Pflichten gehört es dann eben nicht nur zu unterrichten, sondern auch solche Kinder und deren Familien im Altagsleben zu betreuen......

Re: Genau darum wollen Schmied und Fekter den "all inclusive Lehrer"!!!!

Aber kostenneutral natürlich!

Gast: GFE
21.05.2012 10:24
10

Das Wahlvolk in Wien

ist ausgetauscht. Noch profitieren ROT und Grün davon.
Wenn die Sharia in Wien regiert wirds eng für unsere Toleranten.
Toleranz = Totentanz

 
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