20.05.2013 02:04 Merkliste 0

Jeder fünfte Jugendliche kann nicht prozentrechnen

 (Die Presse)

Bei einer von Gfk Austria durchgeführten Umfrage gaben nur vier Prozent der Jugendlichen an, sich in Versicherungsfragen gut auszukennen. Bei den Erwachsenen sind es 17 Prozent.

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Wien/Höll. Wenn Sie in Österreich 100 Euro auf ein Sparbuch legen und dafür pro Jahr vier Prozent Zinsen bekommen: Wie viel Geld haben Sie nach zwölf Monaten? 104 Euro, antworteten 75 Prozent der Erwachsenen bei einer vom Versicherungsverband in Auftrag gegebenen Umfrage. Das ist falsch.

Denn wer sein Geld auf einem Sparbuch liegen lässt, muss auch die Kapitalertragssteuer von 25 Prozent berücksichtigen. Daher bleiben nach einem Jahr nur 103 Euro übrig. Nur neun Prozent der Befragten wussten die korrekte Antwort. Noch schlechter sieht das Finanzwissen bei Jugendlichen im Alter von 14 bis 20 Jahren aus. Von ihnen kann jeder Fünfte nicht einmal prozentrechnen, geht aus der von Gfk Austria durchgeführten Umfrage unter 500 Personen (davon 200 Jugendliche) hervor.

Die Ergebnisse der Studie seien „sehr erschütternd“, sagt Wolfram Littich, Chef der Allianz-Versicherung und Präsident des Versicherungsverbands. Vor allem die Mängel beim Prozentrechnen müssten in der Ausbildung zu einem Umdenken führen. Littich fordert, dass Finanzthemen in die Lehrpläne aufgenommen werden.

68 Prozent der Jugendlichen erklärten, dass sie in der Schule nie Informationen über Versicherungen bekommen haben. Dabei halten es 57 Prozent für sinnvoll, solche Themen stärker in den Lehrplan zu integrieren.

 

Österreich ist Schlusslicht

Mit einer besseren Finanzbildung wäre man laut Littich weniger anfällig für unrealistische Versprechungen. Er erinnerte daran, dass einst „mündelsichere Produkte“ mit Jahresrenditen von bis zu zehn Prozent für Furore sorgten. Doch im Zuge der Finanzkrise stellte sich heraus, dass solche Renditen nur mit hohen Risken zu erzielen sind. „Jeder Schulabsolvent sollte daher einmal im Leben Finanzwissen durchgenommen haben“, verlangt Louis Norman-Audenhove, Generalsekretär des Versicherungsverbands.

Bei der Befragung gaben nur vier Prozent der Jugendlichen an, sich in Versicherungsfragen gut auszukennen. Bei den Erwachsenen sind es 17 Prozent.

Große Unwissenheit herrscht auch bei der privaten Altersvorsorge. 70 Prozent der Jugendlichen und 37 Prozent der Erwachsenen erklärten, sie wissen nicht, mit welchen Produkten man sich für den Lebensabend absichern kann.

Im internationalen Vergleich schneidet Österreich in puncto Finanzwissen besonders schlecht ab. So testete die Direktbank ING DiBa jüngst 11.000 Menschen in elf Ländern. Dabei bildeten die Österreicher zusammen mit den Polen das Schlusslicht.

Daher starten die Versicherungen nun eine Informationsoffensive. Schulen können kostenlos Informationspakete anfordern. Kritik, dass damit in erster Linie der Verkauf eigener Produkte angekurbelt werden soll, weisen die Assekuranzen zurück. „Uns geht es um den mündigen Bürger“, so Norman-Audenhove. Dabei arbeite man mit dem Verein für Konsumenteninformation zusammen. Auch die Wiener Börse, die Nationalbank und die Wirtschaftskammer bieten Pakete für Schulen an.

Im Büro von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) weist man die Kritik der Finanzbranche zurück. Man sei gerade dabei, die schulische Ausbildung zu verbessern. Daher werden die Österreicher in einigen Jahren in Umfragen besser abschneiden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2012)

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27 Kommentare
 
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Re: Re: Falsch formulierte Frage

Gott sei Dank, wenigstens ein vernünftiger Beitrag.

Natürlich wäre auch noch zu berücksichtigen, ob die zwölf Monate über das Jahresende laufen und daher Zinsenszinsen anfallen.

Also etwas mehr Mühe mit den Fragestellungen.

Gast: Mai
25.06.2012 20:50
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Na ja

Zinsenrechnung ist eben keine Potenzrechnung.

 
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Eduard 2013

Schlagzeilen Bildung