22.05.2013 13:26 Merkliste 0

Kurz stellt Sprachunterricht und Schulversuche infrage

REGINA PÖLL (Die Presse)

Migranten sind in niedriger Bildungsschicht überproportional vertreten. Das zeigt der neue Integrationsbericht, den Staatssekretär Sebastian Kurz am Montag in Wien präsentierte.

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Wien. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Migranten sind in Österreich besonders gebildet – oder besonders ungebildet. So haben zwar 35 Prozent aller Personen mit Migrationshintergrund im Alter von 25 bis 64 die Matura oder einen akademischen Abschluss, bei den Nichtmigranten sind es nur 29 Prozent. Doch auch auf den unteren Stufen im Bildungssystem sind Migranten der ersten oder zweiten Generation überrepräsentiert: 13 Prozent der Schüler mit nicht-deutscher Muttersprache brechen ihre Ausbildung schon nach der achten Schulstufe ab, das sind knapp 8000 Schüler. Bei den deutschsprachigen Schülern sind es vier Prozent, die vor dem Pflichtschulabschluss gehen.

Überdurchschnittlich vertreten sind Migranten auch in Sonderschulen, Hauptschulen, Neuen Mittelschulen und polytechnischen Lehrgängen. Das zeigt der neue Integrationsbericht, der auf Daten der Statistik Austria beruht und den Staatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) am Montag in Wien präsentierte.

„Der Bildungsbereich ist sicher die größte Baustelle“, sagt Kurz anlässlich des Berichts im Gespräch mit der „Presse“: Er wolle nun in erster Linie bei den Jungen und Jüngsten ansetzen. Sein konkretes Vorhaben für den Herbst sei es, zwei Bereiche im Detail zu prüfen, nämlich jenen von „Spracherwerb und Bildung“ und, parallel dazu, „Werte und Religion“. Im ersten Fall stellt Kurz auch seit Jahren bestehende Maßnahmen infrage: etwa jene, dass Migrantenkinder oft schon unmittelbar, nachdem sie (mit ihren Eltern) eingewandert sind, als außerordentliche Schüler in den Unterricht integriert werden. Sie de facto „sofort ins Regelschulwesen aufzunehmen, selbst wenn sie kein Wort Deutsch können – da muss man schauen, ob das sinnvoll ist“, sagt Kurz der „Presse“.

Er wolle nun feststellen, was genau mit den außerordentlichen Schülern passiert, die zurzeit neben dem normalen Unterricht etwa elf Stunden Deutschunterricht außerhalb der Klasse absolvieren, sagt Kurz. „Ist der Weg gescheit?“, diese Frage müsse rasch geklärt werden.

 

Muttersprachlichen Unterricht prüfen

Auch den „Wildwuchs an Schulversuchen“ zum muttersprachlichen Unterricht will der Staatssekretär bald durchforsten. So habe er kürzlich eine Klasse besucht, in der elf Migrantenkinder sowohl in Deutsch als auch in Türkisch unterrichtet werden. Doch drei der Kinder seien gar nicht türkischsprachig. „Da gibt es viele gut gemeinte Initiativen“, sagt Kurz: „Manche sind gut, aber andere vielleicht nicht.“

Außer der Bestandsaufnahme plant der Staatssekretär für den Herbst Gespräche mit dem verantwortlichen Unterrichtsministerium Claudia Schmieds (SPÖ) und den für die Pflichtschulen zuständigen Ländern. Nicht immer werde es dabei um mehr Geld für neue Fördermaßnahmen gehen: In vielen Bereichen könnte man auch „intelligent“ umschichten.

Zum Thema „Werte und Religion“ setzt Kurz unter anderem auf das bereits gestartete „Dialogforum Islam“, einen institutionalisierten Dialog mit Muslimen in Österreich, und den neuen Staatsbürgerschaftstest, bei dem nicht mehr nur Faktenwissen, sondern vor allem österreichische Grundwerte abgefragt werden.

„Früh investieren statt später reparieren“, so erklärt er sein Engagement für die Jungen und die jung Zugezogenen. So könnte man etwa auch Arbeitslosigkeit eindämmen, sagt Kurz der „Presse“. Nur 65 Prozent der Migranten hatten zuletzt einen Job, bei den Nichtmigranten waren es 74 Prozent. Das Gesamturteil des Staatssekretärs anlässlich des Integrationsberichts: „Grund zur Euphorie haben wir noch lange nicht.“

Im Vorjahr kamen rund 130.000 Personen nach Österreich (ein Plus von 14 Prozent gegenüber 2010), 95.000 wanderten ab (plus 9,2 Prozent). Die meisten Zuwanderer, nämlich 72.000, kamen aus dem EU-Ausland. Mit 971.000 Personen stellten die Ausländer zuletzt 11,5 Prozent der Gesamtbevölkerung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2012)

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89 Kommentare
 
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Weichzeichnung durch den Expertenrat

Wir wiederholen unsere Einwände gegen die wissenschaftlich-statistische Weichzeichnung der Probleme durch den Expertenrat im Integrationsbericht: neuer Unterschichtstatus der ehemaligen Gastarbeiter und ihrer Nachkommen unter den heimischen Fach- und Hilfsarbeitern/Messung der rassistischen Ausgrenzung im Rahmen des Anti-Muslimismus und Anti-Türkismus/ wissenschaftliche Beachtung der Identitätsformen der Migranten im Rahmen einer Hybriditätstheorie/erweiterte Integration von Migranten-Expert_innen in den Expertenrat beim BMI / Errichtung des angekündigten Online Integrations-Wissensportals, wo auch die Publikationen der jetzt ausgeschlossenen Migranten-Expert_innen integriert werden (vgl. http://or-om.org/krmigration.docx ).

Gast: Wiener
10.07.2012 17:59
8 0

Laßt mich raten.

Die besonders Ungebildeten kommen aus muslimischen oder afrikanischen Ländern.
Die besonders Gebildeten aus asiatischen oder westeuropäischen Ländern.

Ich stelle

diesen Knaben in Frage!

Gast: Kurti
10.07.2012 15:52
9 0

130.000 Zuwanderer und 72.000 aus der EU

Ergibt dann 58.000 Zuwanderer aus Nicht-EU-Gegenden, wie zb Türkei, Albanien, Afrika usw.

Haut mich mit der Schaufel, aber das Grundproblem ist wohl, dass nach wie vor sehr viele Zuwanderer aus Gegenden mit sagen wir mal nicht sehr guter Integrationstradition nach Österreich einreisen.

Der Kurz sollte vielleicht kurz einmal bestehende Zuwanderungsprobleme lösen, statt sich mit fortgesetzter Großzuwanderung neue Probleme aufzuhalsen.

Nebenbei bemerkt gehen wir mit Riesenschritten auf die 9-Millionen Einwohnermarke zu. Den Satz "wir brauchen Zuwanderung" will ich eine Weile lang nicht mehr hören.

Die Zensi ist launisch (heute besonders)...

Zu Kritisches wird blockiert, der Diskurs abgewürgt.
Der Meinungsfreiheit scheinen hier enge Grenzen gezogen zu sein.

Re: Die Zensi ist launisch (heute besonders)...

Warum blockieren sie meine anderen Beiträge ?
Als Bürgerlicher ist es schwierig hier adäquat zu posten !

Gast: Anderl74
10.07.2012 14:11
0 1

da ist aber ein sonst so selbstsicherer Armin Wolf...

gestern ganz schön gegen eine eloquente Mauer gerannt. Und das, obwohl er noch versucht hat, einen Gang zu landen, indem er Kurz mitten in dessen Antwort unterbricht und meint "ich habe aber schon die Chance, eine Frage zu stellen, Sie sind ja nicht Herr Stronach..." Das war eher ein Rohrkrepierer des Herrn Wolf. Es ist übrigens derselbe Dr. (!) Armin Wolf, der Sebastian Kurz bei dessen Amtseinführung, im Bund mit anderen Gesinnungsjournalisten, versucht hat, Lächerlich zu machen. Jetzt hat er ihnen allen die Schneid abgekauft....

Antworten Gast: Anderl74
10.07.2012 14:52
3 0

à propos Kurz-bashing "zu jung und KEINE BERUFSERFAHRUNG"

da fällt mir noch ein, was macht eigentlich Laura Rudas gerade...? :-))))))

Die österreichischen und türkischen Nationalisten irren sich

Die Schüler der Zukunft müssen primär Englisch lernen um auf diesem Planeten bestmöglich leben zu können. Deutsch und Türkisch sind bereits Vergangenheit und bestenfalls ein wichtiges Kulturgut, nicht allgemeine Sprache.


Re: Die österreichischen und türkischen Nationalisten irren sich

Nein. Chinesisch und Ivrith.

Gast: Ex-Bertl
10.07.2012 13:10
13 2

Gesülze

Integration ist eine Bringschuld der Zuwanderer!

Wer sich nicht integrieren will oder kann sollte baldigst aus Össterreich verschinden!
Aus dem Grund sollte eine "Probezeit" mit ständiger Beobachtung und Feststellungstests für Zuwanderer eingeführt werden, wer sich etwas zu Schulden kommen läßt bzw. wer gewisse Standards nicht erfüllt sollte das Land verlassen müssen!
Das ewige Gesülze über die Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Rassismus nerven und dürfen nicht als Entschuldigung für Integrationsverweigerung herangezogen werden.

Die sogenannten Integrations- und Menschenrechtsexperten verfolgen eigenützige Ziele bzw. arbeiten im Auftrag politischer Parteien, die die Zuwanderer auf Kosten des Wohlstandes der Österreicher als Wähler gewinnen wollen!

Re: Gesülze

was ist denn ihrer meinung nach integration? wie lautet die definition von integration in den papieren der integrationsvereinbarung? schon mal was von integrationsvereinbarungen gehört? wenn sie wollen, dass ständig feststellungstest absolviert werden, dann muss die auch jemand bezahlen. das wird dann wohl der steuerzahler sein, also u.a. sie. irgendwann werden sie sich dann aufregen, dass sie für diese migranten sooo viel zahlen.

integration ist keine bringschuld, genauso wenig wie respekt. das sollte ein permanenter reziproker prozess sein. reden sie gerne mit menschen, von denen sie verachtet werden?

sie bezeichnen die eklatante fremndenfeindlichkeit in Ö als gesülze, also das nenne ich respekt! ach, und sie wissen schon, dass niemand mehr so leicht die Ö staatsbürgerschaft erhält...da muss man eben einige kriterien erfüllen, die sie angeschrieben haben.

was mir dieses posting generell zeigt ist folgendes: erschreckend, dass ein solches posting, wie dieses von ihnen, so viele + bekommt! denn es ist nicht nur rechts, sondern auch aus der luft gegriffen.


Antworten Gast: DFI
10.07.2012 14:02
1 0

Re: Gesülze

Wenn Sie das wollen, muss Österreich aus der EU austreten, denn solche Bestimmungen können nie für EU-Bürger gelten. Zudem will Österreich die Europäische Integration vorantreiben.
Alles ist nicht möglich. Souveräner Nationalstaat oder EU-Mitglied (Bundesland) . Beides ist nicht möglich.

Übrigens, GB, F, D, NL - alle haben die gleichen Probleme.

Antworten Antworten Gast: Ex-Bertl
10.07.2012 16:00
7 0

Re: Re: Gesülze

Richtig GB, F, D, NL haben die gleichen Probleme und mit fast der gleichen Zuwanderergruppe!
Ernsthafte Probleme mit Zuwanderern aus EU-Staaten sind mir nicht bekannt.

Deshalb wären die von mir beschriebenen Maßnahmen eine Hilfe für alle integrationswilligen Zuwanderer.

Gast: hahahallo
10.07.2012 12:39
0 0

ich kann mir nicht vorstellen, dass nur 25%

die Matura haben.

Re: ich kann mir nicht vorstellen, dass nur 25%

doch das stimmt schon so!

Du musst bedenken, dass die ältere Generation eher geringere Bildungsabschlüsse vorweisen kann. (auch wenn hier nur die Bis-64-jährigen betrachtet werden; auch Personen über 50 sind davon betroffen)

Übrigens: Nicht überall ist die Matura so leicht wie in Wien oder im Burgenland.

Kurzschluss?

Warum berichtet man über die Meinung eines Kindes?

Gast: Isa
10.07.2012 09:53
20 0

Es wird einfach zuviel darüber gesprochen

Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen. Meine Großeltern kamen aus Jugoslawien als einfache Arbeiter nach Österreich.
Somit bin ich "erst" die dritte Generation. Meine Sprache zu Hause war Deutsch und ich kann mich nicht erinnern, dass meine Großeltern sich als Österreicher gefühlt hatten, wiewohl sie mir auch aus der alten Heimat erzählten. Leider hat man mir nicht mehr serbokroatisch beigebracht und auch meine Mutter sprach es nicht sehr gut, dafür hatte ich keine Probleme in der Schule und wurde noch niemals gefragt, woher ich komme, das war überhaupt kein Thema.
Es liegt also auch an den Zuwanderern wie sie mit der Situation umgehen.
Ich bin meiner Familie sehr dankbar, dass sie mir stets die Zugehörigkeit zur neuen Heimat ermöglichten - ich habe keinen Bezug mehr zur Heimat meiner Vorfahren und es fehlt mir nichts, weder die Kultur noch die Sprache. Ich kann somit bestätigen, dass jene Personen, die glauben, Identität wäre angeboren, ein Unsinn ist. Man fühlt sich dort wohl, wo man sich selbst zu Hause fühlt.

Re: Es wird einfach zuviel darüber gesprochen

Ich freue mich für Sie, dass Sie sich hier zu Hause fühlen. Generell haben Kinder der dritten Generation ( Nachkommen der Jugoslawen) keine Probleme mit der Landessprache.
Wie Sie finde ich es schade, dass man Ihnen kein Serbokroatisch beigebracht hat (Großeltern) , da Sie ja die Chance hatten, zwei Sprachen aus versch. Sprachfamilien akzentfrei zu erlernen.
Deswegen ersuche ich die Eltern bzw. die Großeltern, wenn es möglich ist, dass wenigstens einer aus der Verwandtschaft mit den Kindern regelmäßig Serbokr. spricht.

Re: Es wird einfach zuviel darüber gesprochen

Man hat das Problem eher zerredet wie auch meist bagatelisiert (von gewisser Seite) und die Aufschieberitis kam auch zu ihrem Recht.

Re: Es wird einfach zuviel darüber gesprochen

Bei der Überschrift bin ich ganz deiner Meinung.

Um hier Elvis zu bemühen:
"A little less conversation, a little more action please"

Das könnten sich all unsere politischen Hirnzwerge hinter die Ohren schreiben.

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Türkei als Alternative

Wäre ich einer von denen würde ich lieber dorthin , der Arbeitsmarkt ist für sie sicher nicht schlechter. Doppelte Staatbürgerschaft, und dann kann jeder leben wo er sich am besten entfalten kann.

Re: Türkei als Alternative

wieso sollte jemand in der türkei arbeiten wenn er bei uns das selbe als arbeitsloser hat?

Das Selbe ????

Das ich nicht lache.

Mindestlohn in der Türkei sind 750 TRL, oder 375 Euro.

Re: Das Selbe ????

Und wie hoch sind Mieten, Strom, Lebenserhaltungskosten in der Türkei?

Antworten Antworten Antworten Gast: Üzi Güzi
10.07.2012 16:14
4 1

Re: Das Selbe ????

Und wenn du in der z.b. türkei 200 Euro bekommst, kann es immer noch mehr sein als wenn du in Österreich 1000euro bekommst.
Das sagt nicht aus ob es mehr oder weniger ist im Verhältnis zu den Lebenskosten (Miete, Strom, Essen)

PS: Österreich gehört zu jenen Ländern in Europa, die keinen gesetzlichen Mindestlohn besitzen

 
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Eduard 2013

Schlagzeilen Bildung