Wien. Kontraproduktiv, unsachlich und dumm: So kommentieren die Lehrergewerkschafter die Aussage von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ). Im Interview mit der „Presse“ verglich diese einen Teil der Lehrergewerkschaft mit der Tea Party in den USA.
Bezogen hat sich diese Aussage auf den Widerstand der AHS-Lehrergewerkschaft. Anders als die Lehrer berufsbildender höherer Schulen (BHS) zeigen sich AHS-Pädagogen nämlich nur selten bereit, in einer Neuen Mittelschule zu unterrichten. Die fehlende Bereitschaft und der Lehrermangel machen dem Prestigeprojekt der Ministerin zu schaffen: Der in den Neuen Mittelschulen vorgesehene gemeinsame Einsatz von Lehrern höherer Schulen und Hauptschullehrern ist häufig nicht möglich.
„Das Wording der Ministerin ist nicht angebracht“, sagt Matthias Hofer, Mediensprecher der AHS-Gewerkschaft. Derartige öffentliche Statements würden die AHS-Lehrer nicht zu einem Wechsel motivieren – ganz im Gegenteil.
Dass nur wenige AHS-Lehrer in einer Neuen Mittelschule unterrichten, habe mit dem allgemeinem Lehrermangel zu tun. Zuerst müsste eben der Personalbedarf an den AHS selbst gedeckt werden. Außerdem hätten sich die Gymnasiallehrer bewusst für diesen Schultyp entschieden. Sie seien ausgebildet, um Schüler zur Hochschulreife zu führen. Die AHS-Gewerkschaft sieht den gemeinsamen Einsatz von Lehrern höherer Schulen und Hauptschullehrern generell skeptisch. „Das erweckt den Eindruck, als wären die Neuen Mittelschulen nur dann gut, wenn sie ein Beiwagerl der AHS sind“, sagt Hofer.
Fritz Neugebauer, Vorsitzender der Beamtengewerkschaft, wollte Schmieds Aussagen nicht kommentieren. Paul Kimberger, Chef der ARGE Lehrer in der Gewerkschaft, holt indes zum Gegenschlag aus: Die Unterrichtsministerin betreibe „großartige Ankündigungpolitik mit wenig Substanz“.
Dienstrecht: Inhalt kein Thema
Nicht gut zu sprechen sind die Lehrergewerkschafter auch auf die laufenden Verhandlungen zum neuen Dienst- und Besoldungsrecht. Anfang Mai legte die Regierung einen 26-seitigen Entwurf auf den Tisch, bislang sei man in den Verhandlungen nicht einmal über die ersten drei Seiten hinausgekommen, heißt es. Gesprochen wurde über Formalitäten und die Wichtigkeit der Verschwiegenheit nach außen; vom Inhaltlichen sei man noch weit weg. Laut der AHS-Gewerkschaft liegen zwischen dem Vorhaben des Ministeriums und den eigenen Vorstellungen „noch Welten“. Ende Juli findet die nächste Verhandlungsrunde statt. Solange die Ministerin nur über Geld und Arbeitszeit sprechen möchte, sei eine Einigung unwahrscheinlich, sagt Kimberger.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2012)
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