20.05.2013 21:45 Merkliste 0

Von Sport, Politik und Kopflosigkeit

WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Die Bundesregierung sieht zwar Handlungsbedarf, aber die involvierten Ministerien fühlen sich nicht verantwortlich. Das Thema Schulsport wird heiß diskutiert.

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Wien. Das medaillenlose Unglück bei den Olympischen Sommerspielen in London beschäftigt seit Tagen nicht nur die Spitzenfunktionäre des heimischen Sports, sondern auch die Politik. Auch der Bundeskanzler hat sich nun nach dem Ministerrat zu Wort gemeldet, Werner Faymann aber kam dabei über mehr oder weniger schwammige Formulierungen nicht hinaus. Er rang sich aber immerhin zu einer Maßnahme durch, denn er fordert ein Gesamtkonzept ein. Faymann sei überzeugt, dass es Sportminister Norbert Darabos gelingen werde, ein neues Sportgesetz zustande zu bringen. Die Debatte darüber werde wohl mit vielen Emotionen behaftet sein, sie dürfe aber nicht auf dem Rücken der Sportler ausgetragen werden.

Was die von Darabos angeregte tägliche Turnstunde angeht, zeigten sowohl Faymann als auch Vizekanzler Michael Spindelegger nach dem Ministerrat Sympathien dafür. Beide machten aber klar, dass dieser zusätzliche Schulsportunterricht nicht allein zu besseren Ergebnissen im Spitzensport führen würde. Die Turnstunde für medaillenlose Spiele verantwortlich zu machen, lehne er jedenfalls ab, betonte der Kanzler.

 

Keine Lösungsvorschläge

Die Unterrichtsministerin reagierte auf die aufkeimende Kritik schnippisch. „Ich weise das dezidiert zurück“, sagte Claudia Schmid, die Misserfolge des Team Austria könne man ihr nicht anlasten. „Wären die Spiele erfolgreich verlaufen, hätte auch niemand gesagt, das liegt am Sportunterricht.“ Es sei obendrein nicht sinnvoll, nun reflexartig irgendeinen Schuldigen zu suchen. Dem Wunsch des Sportministers nach einer täglichen Turnstunde kann die Unterrichtsministerin nichts abgewinnen. Denn den Sportverbänden habe man ohnedies schon ermöglicht, Kooperationen mit Schulen einzugehen, obendrein würden Schulen mit Sportschwerpunkten zur Verfügung stehen. Und außerdem sei alles eine Frage des Stundenplans.

Sehr unkonkret auch die Vorstellungen von Vizekanzler Michael Spindelegger. Die Jugend, so meint er, müsse man früh fördern – Lösungsvorschläge dazu hat er aber keine. Wunder, so sagt Spindelegger, würde er sich von einer täglichen Turnstunde keine erwarten. Diese hätte auf den Spitzensport seiner Meinung nach auch keine großen Auswirkungen. Auch Gesundheitsminister Alois Stöger wollte sich zunächst auf nichts festlegen. Dass sich Kinder und Jugendliche täglich bewegen sollen, das sei unbestritten. Ob dies in der Schule stattfinden müsse, das sei eine andere Frage.

Dass es mit dem Schulsport in Österreich nicht gut bestellt ist, das ist jedoch unbestritten. Fakt ist, dass die generelle Kürzung der Unterrichtsstunden im Jahr 2003 vielfach zulasten des Sportunterrichts gegangen ist. Der Rechnungshof hat dies auch im Jahr 2008 in seinem Bericht kritisiert. Des Weiteren hat der Rechnungshof darauf verwiesen, dass an Volks- und Hauptschulen zu oft Personal ohne entsprechende Sportausbildung eingesetzt wird. Insgesamt, so das Prüforgan, wurde der Sportunterricht seit 2003 um bis zu fünf Prozent gekürzt.

 

Dann eben Völkerball

An AHS (Unterstufe) und Hauptschule gibt es über vier Jahre gerechnet eine Turnstunde weniger. Berufsbildende mittlere und höhere Schulen haben im Rahmen der Autonomie noch mehr gestrichen. In manchen Klassen, so der Rechnungshof, gibt es nur eine oder in Abschlussklassen gar keine Turnstunde. Keinen verbindlichen Sportunterricht gibt es an den Berufsschulen. In den Volksschulen schreitet der Klassenlehrer in den Turnsaal, speziell ausgebildetes Personal steht in der Regel dafür nicht zur Verfügung. Das Resultat davon lautet dann oft – Völkerball.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.08.2012)

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5 Kommentare
Gast: ja der herr
17.08.2012 16:11
0 1

Sport ist nämlich viel mehr

als die Jagd nach olympischen Medaillen und Pokalen. Der Sport und seine Vereine sind auch im 21. Jahrhundert wichtigster Baustein für die Sozialisierung der Jugend in unserer Gesellschaft. Über 50 Prozent unserer Jugend wird durch und mit dem Vereinssport sozialisiert. Ebenso bedeutsam ist der Sport im Bereich des Gesundheitssystems. Erfolgreiche Förderung von Bewegung und Sport könnte wesentlich zur Entlastung der Kosten im Gesundheitssystem beitragen.


österreich sollte sich beim olympischen

komittee dafür einsetzen - der graf macht das gegen einwurf grosser scheine - dass völkerball olympische disziplin wird. nachdem dieses depperte spiel dem rest der welt unbekannt sein dürfte haben wir gute chancen auf bronze!

Re: österreich sollte sich beim olympischen

völkerball ist auf der ganzen welt bekannt und sehr beliebt. die idee ist dem krieg entnommen, wo 2 völker so lange aufeinander schießen, bis ein volk ausgerottet ist.
in vielen weltgegenden wird es noch in der urspünglichen form gespielt, bei uns nur mit bällen.
auf alle fälle ist es eines der beliebtesten spiele. andere abschießen ist lustig.

Darabos will 40 Mio speziell für Spitzensportler ausgeben!

Sehr geehrter Herr Minister Darabos!

Sie wollen Olympiamedaillen über ein Budget von 40 Mio Euro sicherstellen, die sie vorher dem Breitensport wegnehmen und dann medaillenverdächtigen Sportlern zukommen lassen (das haben Sie eben erst in der ZIB2 gesagt).

Das ist natürlich eine Spitzenidee, vor allem, nachdem Sie vorher eine Turnstunde mehr gefordert haben. Das wäre ja auch einmal eine sinnvolle Idee zur Bekämpfung der Bewegungsarmut der Jugend. Aber das würde ja ihre Kollegin Schmid berappen müssen (Ätsch!) ...

Und jetzt stelle ich mir vor, dass wir 2016 zwei Bronze-, eine Silber- und seien wir großzügig auch noch eine Goldmedaille gewinnen würden. Dann würde doch jede Medaille 10 Mio Euro kosten (pro Jahr nehme ich an ...).

Ist DAS wirklich eine kluge Idee, Herr Minister?

Vielleicht ist das ein gutes Geschäft.

Wenn der Euro wertlos wird, übersteigt der Metallwert dieser Dinger die eingesetzten Summen um ein Vielfaches ;-).

Eduard 2013

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