Wie die Bildungskarriere von Kindern und Jugendlichen aussieht, hängt in Österreich stark von Bildung, Einkommen und Herkunft der Eltern ab, wie zahlreiche Studie zeigen. "Das zeigt uns, dass wir in diesem Bereich noch viel nachzuholen haben", sagte Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Sie will deshalb einen Schwerpunkt auf die Verbesserung von Chancengleichheit setzen. Als "zentrales Zukunftsprojekt" nannte sie dabei den Ausbau ganztägiger Schulformen.
Gerade hier ortet sie allerdings noch Nachholbedarf: Denn während an den privaten Schulen "fast durchgängig" Ganztagsbetreuung angeboten werde, gebe es diese nur an 15 Prozent der öffentlichen Schulen. "Hier muss das öffentliche Bildungssystem mit dem Angebot der Privatschulen mithalten und Angebote schaffen." Mehr Chancengerechtigkeit sollen auch Maßnahmen wie das verpflichtende Kindergartenjahr, die Senkung der Klassenschülerhöchstzahlen sowie die Neue Mittelschule (NMS) mit verstärkter Individualisierung und verpflichtenden Schüler-Eltern-Lehrer-Gesprächen bringen.
Die ganztägige Gesamtschule hat die Unterrichtsministerin zwar weiterhin als Ziel im Hinterkopf, will sich vorerst allerdings vorrangig um die Umsetzung des "Großprojekts" NMS kümmern. Dass aus der ÖVP, zuletzt von Tirols Landeshauptmann Günther Platter, zustimmende Signale in Richtung Gesamtschule gekommen sind, freue sie jedenfalls. Vielleicht komme man in dieser Frage doch noch zu einer Grundsatzentscheidung mit dem Koalitionspartner, gab Schmied sich hoffnungsfroh.
Neben Maßnahmen für alle Schüler setzt Schmied auch auf spezifische Integrationsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, die oftmals aus sozial schwachen Familien kämen: von Sprachförderung bis zu Bildungs- und Kulturprojekten, mit denen kulturelle Barrieren aufgebrochen werden sollen.
Darunter sind auch viele mit der Caritas durchgeführte Projekte: Etwa Lerncafes für Schüler, denen die Eltern nicht bei Hausaufgaben oder Lernen helfen können oder wollen oder die "Parkschule", bei der Schulabbrecher betreut werden. "Wir sehen Tag für Tag den engen Zusammenhang von Bildungsarmut und materieller Not", begründet Direktor Michael Landau das Engagement der Caritas bei Bildungsprojekten. Allerdings springe die Caritas in diesen Bereichen nur mangels Alternativen ein. "Ziel muss es aber sein, dass das in der Schule stattfindet."
Er wünscht sich deshalb wie Schmied, dass künftig stärker auf ganztägige Schulformen gesetzt wird. Außerdem seien mehr Investitionen in Schwerpunktgebiete mit besonders vielen hilfsbedürftigen Kindern und Jugendlichen nötig. Eine zentrale Rolle im Kampf gegen Chancenungleichheit müssten auch Kindergarten und Volksschulen spielen und die entsprechenden Berufe aufgewertet werden. In der Politik ortet Landau in Bildungsfragen noch Verbesserungsbedarf: "Ich appelliere, dass das Kind in den Mittelpunkt gestellt wird, nicht Ideologie und nicht Gewerkschaftsinteressen."
(APA)
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