25.05.2013 07:58 Merkliste 0

Engpässe zu Schulbeginn: Wien fehlen Dutzende Lehrer

JULIA NEUHAUSER UND BERNADETTE BAYRHAMMER (Die Presse)

Allein an Wiener Pflichtschulen fehlen 50 Pädagogen. Auch in Vorarlberg gibt es Engpässe. Die Gewerkschaft schlägt Alarm. Im Wiener Stadtschulrat versucht man zu beruhigen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. Es ist wieder einmal so weit: Am Montag beginnt die Schule – und es ist längst nicht überall klar, ob es auch genügend Lehrer geben wird. Vor allem in Wien fehlen noch Dutzende von ihnen. Wiens Volks- und Hauptschulen bräuchten noch 50 Lehrer mehr, an den AHS fehlen 30 Pädagogen. Auch in den berufsbildenden Schulen sind vereinzelt noch Posten zu besetzen. Wird am kommenden Montag in jeder Klasse ein Lehrer stehen?

Im Wiener Stadtschulrat versucht man zu beruhigen. Die Situation sei heuer sogar entspannter als im Vorjahr. Gut 80 fehlende Lehrer seien bei einer Gesamtzahl von knapp 23.000 eine vergleichsweise geringe Zahl. Glücklich sei man aber dennoch nicht. Es gelte, die kommenden Wochen mittels Supplierstunden zu überbrücken – danach hofft man, genügend Lehrer gefunden zu haben.

 

Immer mehr Sonderverträge

Dabei bekämpft man den Lehrermangel gerade in Wien besonders offensiv: Rund 370 Lehrer mit Sonderverträgen wurden im vergangenen Schuljahr eingesetzt. Das bedeutet, dass in den Klassen immer mehr Lehrer ohne (oder ohne abgeschlossene) pädagogische Ausbildung stehen. Etwa Personen mit einem absolvierten Fachstudium – sogenannte Quereinsteiger. Doch auch Lehramtsstudenten, die eigentlich noch mitten im Studium stecken, werden immer häufiger eingesetzt. Bundesweit belief sich deren Zahl im vergangenen Schuljahr auf rund 340.

Die Lage ist zu Schulbeginn nicht nur in Wien angespannt. In Vorarlberg, wo immerhin noch eine Woche länger Zeit ist, ist zwar für das bald startende Schuljahr alles eingeteilt – Reserven gibt es aber keine. Insgesamt fehlen im Ländle bis zu 90 Lehrer. Damit die Stundenpläne problemlos erstellt werden können, braucht es 20 bis 30 zusätzliche Pädagogen in den Volksschulen, 30 in den (Neuen) Mittelschulen und 30 in den höheren Schulen, heißt es aus dem Landesschulrat. Wie in Wien werden auch in Vorarlberg die vorhandenen Lehrer Überstunden machen müssen. Die Mangelfächer sind seit Jahren (fast) immer dieselben – die naturwissenschaftlich-technischen. Es fehlt an Lehrern für Mathematik, Physik, Chemie und Biologie.

 

Lehrer fehlen rund um Wien

In Niederösterreich beteuert man, dass zu Schulstart alle Klassen besetzt sein werden – doch es gebe Bedarf an Sonderpädagogen sowie an AHS-Lehrern für Deutsch, Englisch, Mathematik, Physik und Informatik. Vor allem in den Ballungsräumen rund um Wien ist es für Niederösterreich schwierig, genügend Lehrer zu finden.

In den übrigen Bundesländern fehlt es punktuell – je nach Region bzw. Fach oder Schultyp – an Lehrern. Das Unterrichtsministerium beschwichtigte gestern, Freitag: Zwar könnten Engpässe durch unvorhergesehene Personalausfälle vorkommen. Für solche Fälle könne jedoch durch vorhandene Notfallpläne in den Landesschulräten „binnen weniger Tage“ eine Lösung gefunden werden.

Die Gewerkschaft schlägt hingegen Alarm: „Das Ministerium sollte sich im Vorfeld von dramatisch steigenden Pensionierungsraten Gedanken machen, wie es genug junge Leute für den Lehrerberuf motivieren kann“, meint Pflichtschulvertreter Paul Kimberger. „Ich habe so meine Zweifel, ob das gelingt“, fügt er mit Hinweis auf die noch ausstehende Reform der Lehrerausbildung und des Dienstrechts hinzu.

Auf einen Blick

Am Montag beginnt die Schule in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Eine Woche später starten auch die restlichen Bundesländer mit dem Schulalltag. Nun zeigt sich, dass es vor allem in Wien und Vorarlberg schwierig ist, genügend Lehrer zu finden. Allein an den Wiener Pflichtschulen fehlen noch 50 Pädagogen. Die übrigen Bundesländer klagen über einen punktuellen Lehrermangel. Betroffen sind vor allem die naturwissenschaftlichen Fächer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

97 Kommentare
 
12 3
Gast: sepp3
02.09.2012 15:51
2 0

Lehrermangel

Mich wundert es nicht, dass viele Lehrer in Bayern oder der Schweiz arbeiten.

Gast: Seyfried L
02.09.2012 10:46
6 0

Es fehlen 50 Lehrer

Wenn so etwas in der Privatwirtschaft passieren würde, könnte die Verantwortliche den Hut nehmen!

es ist wirklich mühsam,...

einige kommentare hier zu lesen; noch dazu werden sie anscheinend von menschen geschrieben, die wahrscheinlich nicht einmal den wissensstand meiner jüngsten schüler (14 jahre alt!) haben.
wer glaubt, lehrer zu sein ist einfach, sollte doch einfach umsatteln!
wenn jemand physik/mathematik studiert, bekommt er sofort nach abschluss der ausbildung einen job!
sonst bitte ich alle suderer, endlich in ihrerm job jene hohe kompetenz zu beweisen, die wir lehrer haben!

Antworten Gast: Physiker2012
02.09.2012 12:39
3 0

Re: es ist wirklich mühsam,...

Die wenigsten Absolventen, die Physik und/oder Mathematik studiert haben, werden Lehrer. Sie meinen die Absolventen, die Physik und/oder Mathemtaik auf LEHRAMT studiert haben. Das ist ein Unterschied.

Re: Re: es ist wirklich mühsam,...

ja, klar.
ich habe mathematik lehramt und diplom studiert; sie wissen sicher auch, dass die schwierigkeiten doch eher am anfang liegen und nicht in den "höheren" vorlesungen.
abgesehen davon könnten die diplomabsolventen ja auch lehrer werden, wenn sie wollten; es gibt ja seit geraumer zeit die möglichkeit von sonderverträgen.
aber sie werden sich hüten, ist doch die bezahlung in der sogenannten privatwirtschaft ungleich höher.

warum gibt es zu wenig lehrer in wien?

ganz einfach: weil der beruf nicht als wertvoll anerkannt wird.
keine angst, für jene bevölkerungsgruppen, denen bildung etwas wert ist, gibts immer genug lehrer, die sind dann eben in privatschulen.
für die große masse der "lehrer sind faul, bildung ist eh nix wert"-sager gibts eben britische zustände.
recht geschiehts denen!

Antworten Gast: bergziege
03.09.2012 00:41
0 0

Re: warum gibt es zu wenig lehrer in wien?

Das stimmt uneingeschränkt.

Gast: Hans im Glück
01.09.2012 20:21
11 0

Es darf gelacht werden

Wie jedes Schuljahr ist es auch heuer gleich: Lehrer fehlen, während anderswo Lehrer fürs Nichtstun bezahlt werden. Ein Beispiel unter vielen gefällig? In Köflach stand eine Direktorsbestellung an, am Ende bleibt der provisorische Leiter. Die unterlegene Kandidatin, übrigens zufällig Chefin der örtlichen Grün-in-en, schafft das Hearing nicht. Frau Finder aber denkt nicht ans Arbeiten mehr, schließlich wollte sie ja Direktor(In) werden. Was also? Sie wird das ganze Jahr als Nichtstuer(in) in iher Schule in Graz Klusemannstr. - bei vollen Bezügen - als Suplierbereitschaft durchgefüttert. Zwei Dinge fallen auf: es gibt keine Berichterstattung durch die Zeitungen und keine Fragen von oben.(Sie ist ja Grüne, und die sind nicht korrupt) Da die Dame auch heuer nicht Direktor(in) wird, wird sie wohl noch ein Jahr nichts tun, oder? Und da regen sich die Leute über fehlende Lehrer auf. LOL

Re: Es darf gelacht werden

warum wird nicht berichtet? vor allem in sogenannten "qualitätszeitungen" wie der "Kleinen Zeitung" nicht? weil auch sie nur an einem interessiert sind: lehrer als faul hinzustellen, die obrigkeit aber zu stützen. und vor allem, grün scheint - nicht nur hier - die modefarbe der zukunft zu sein. wenn das stimmt, was hier über köflach steht - und es scheint leider alles so zu stimmen- dann prost mahlzeit für`s schulsystem und für die genannte schule sowieso.

Gast: bergziege
01.09.2012 18:26
12 6

Sonderbar

Wie können Lehrer fehlen, wenn es sich um DEN Beruf für Faulenzer handelt? Der Stadtschulrat müsste sich doch vor Anmeldungen nicht wehren können!

Antworten Gast: humanpower
02.09.2012 09:51
1 4

Re: Sonderbar

Warum zu wenig Lehrer? Ganz einfach: Weil es zu wenig "Faulenzer" gibt.

Antworten Antworten Gast: humanpower
02.09.2012 21:54
0 0

Re: Re: Sonderbar

An alle "Rotstrichler!"
Zum Sinn erfassenden Lesen gehört auch, dass man die Ironie eines Textes erkennt!
Noch einen entspannten Abend wünscht hp!

Re: Sonderbar

klassischer, sinnentleerter kommentar! menschen wie sie sind schuld an der hysterie im schulsystem!
sie haben keine ahnung von der materie; so etwas nennen gebildete menschen "unmündig"!

Antworten Antworten Gast: bergziege
03.09.2012 00:39
0 0

Sind Sie Hellseher?

Provokation verstehen Sie nicht.
Mir geht in unserem Schulsystem die Nivellierung nach unten massiv auf die Nerven. Es krankt an vielem. Erschreckend ist, dass die umfassende Allgemeinbildung immer mehr ins Hintertreffen gerät. Schlimm ist, dass im Unterrichtsministerium und im Wiener Stadtschulrat Leute sitzen, die eher parteipolitisch als sachbezogen denken. Als Lehrer steckt man zeitweise in einem Korsett, das wichtige Maßnahmen nicht erlaubt. Vor allem in Wien sind die Arbeitsbedingungen oft alles andere als einfach. Kein Wunder, dass viele junge Menschen vor dem Lehramt zurückschrecken. Nur wegen der Ferien sollte man auch nicht Lehrer werden. Für diesen Beruf bedarf es Idealismus. Der ist aufgrund der bestehenden Unsicherheit jedoch oft gefährdet. Schade.

Gast: LeiderNein-Lehrer
01.09.2012 17:24
12 1

Nein Danke

Will wirklich noch jemand in Wien unterrichten? Also ich gehe dem Migruge... aus dem Weg wo es nur geht. Hoffentlich kracht es einmal so richtig. Ich bin gespannt, wie der Mob in Europa aufheulen wird sollte Israel den Iran bändigen. Das wird dann die Nagelprobe, ob wir noch Herr im Hause sind.

Re: Nein Danke

Guter Kommentar! Kann ich nur unterstreichen.

Gast: Hier bleiben
01.09.2012 16:48
8 1

Was machen unsere Roten

nicht alles für die klein Anatolis,haben keine Lehrer für sie. Jetzt brauchen die gar nicht mehr Deutsch zu lernen.

Re: Was machen unsere Roten

die roten liegen lt. österreich bei 30%.

Gast: Wozzek D
01.09.2012 15:01
14 2

Arbeitslose Postler in die Klassen

Bei der babylonischen Sprachverwirrung brauchen sie eh nur drinnen stehen und warten bis es läutet!

Ich würde ja sogar noch auf die Lehrerausbildung umsatteln, wenn

1) der Beruf gesellschaftlich anerkannter wäre,
2) wenn ich zumindest das verdienen würde, was ich in der Privatwirtschaft verdiene (oder zumindest flache Gehaltskurve),
3) ich meine Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen machen könnte ohne Einmischung über Benotungen von oben,
4) ich dem Ministerium glauben könnte, dass es wirklich einen Lehrermangel gibt und ich mich nicht in eine Einbahnstraße begebe,
5) ich einen ordentlichen Arbeitsplatz mit Schreibtisch und PC in der Schule bekommen würde, damit sich die leidige Diskussion von Anwesenheit/Arbeitszeiten aufhören würde.

Das sind meine Sorgen, wenn ich daran denken die Lehrerausbildung zu absolvieren, egal für welchen Zweig...

Antworten Gast: HB4242
01.09.2012 17:03
5 12

Re: Ich würde ja sogar noch auf die Lehrerausbildung umsatteln, wenn

Bitte nicht umsatteln !!!

Das haben unsere Kids nicht verdient .....

5 1

Re: Re: Ich würde ja sogar noch auf die Lehrerausbildung umsatteln, wenn

Lol again!

Antworten Gast: UKW
01.09.2012 16:17
4 17

Wir brachten eine Propaganda-Sendung der Lehrergewerkschaft und danken für Ihre Aufmerksamkeit. Eine freiwillige Spende nehmen wir gerne entgegen. Die Ferien sind schließlich lang, daher brauchen wir Lehrer ein wesentlich höheres Urlaubsbudget als der Mob in der Privatwirtschaft


6 8

Re: Wir brachten eine Propaganda-Sendung der Lehrergewerkschaft und danken für Ihre Aufmerksamkeit. Eine freiwillige Spende nehmen wir gerne entgegen. Die Ferien sind schließlich lang, daher brauchen wir Lehrer ein wesentlich höheres Urlaubsbudget als der Mob in der Privatwirtschaft

LOL!

Gast: Gast 345
01.09.2012 14:48
13 0

Alle Jahre wieder ...

Ich staune darüber, dass man jedes Jahr "schon" 3 Tage vor Schulbeginn daraufkommt, dass die Personaldecke nicht reicht.
Man könnte die Personalplanung für das folgende Schuljahr bereits bis zum 1. Mai abschließen und hätte dann noch genügend Zeit, sich um die fehlenden Lehrer zu kümmern, sodass zum Schulschluss der Personalplan für das neue Schuljahr feststeht. Auch hätte das den Vorteil, dass die Schulen das neue Schuljahr in Ruhe organisieren könnten.

Gast: Blitzlicht3
01.09.2012 13:20
19 0

es fehlen kaum Lehrer?

In Wiener AHS fehlen nur deshalb so wenige Lehrer, weil
a) die Lehrer mit Überstunden (oft gegen ihren Willen) zugeschüttet werden. 5 Unterrichtsstunden pro Woche können als Überstunden angeordnet werden (das sind immerhin 25% der Lehrverpflichtung zusätzlich)
b) in vielen Schulen schon einige Studenten beschäftigt werden
c) bisher freiwillig Teilbeschäftigte überredet werden, mehr zu übernehmen
d) Quereinsteiger (Techniker) sich etwas dazu verdienen wollen.
Und dann fehlen immer noch einige Lehrer. Ohne die Punkte a) b) und c) wären es vermutlich 500 offene Stellen - und immer werden es mehr.
In Mangelfächern wird derzeit jeder, der es sich zutraut und irgend so etwas schon einige zeit studiert, genommen. "Wir wollen nur die besten der besten ......."

 
12 3

Eduard 2013

Schlagzeilen Bildung