Unterschriftenaktion soll tägliche Turnstunde sichern

 (Die Presse)

Ministerin Schmied bekennt sich zu täglicher Turnstunde. Derzeit sei diese aber nicht umsetzbar.

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Wien/Dat. Der medaillenlose Auftritt bei den Sommerspielen in London versetzte Österreichs Sport in Aufruhr. Obwohl auch das Fehlen von Infrastruktur, Trainern oder die Effizienz der aktuellen Spitzensportförderung hinterfragt werden muss, machen die Bundessportorganisation (BSO) und ihre Verbände die Wurzel allen Übels im nahezu inexistenten Schulsport aus. Daher starteten sie am Freitag in Wien die Forderung nach der täglichen Turnstunde mit einer Unterschriftenaktion.

Mit der Forderung meinten es BSO-Präsident Peter Wittmann (SPÖ), Peter Schröcksnadel (ÖSV), Leo Windtner (ÖFB), Peter Mennel (ÖOC) und Peter Kleinmann ernst. Schließlich gehe es nicht nur um die Ausgangsbasis für kommende Spitzensportler, „sondern auch um die Gesundheit aller Kinder“, sagt Wittmann. Das Erlernen der Motorik sowie das Verstehen von Bewegung beginnen im Kindesalter. Die Schulautonmie habe die Turnstunde „aufgefressen“, nun sei die Politik gefragt. Die Unterschriftenaktion sei als Dringliche Anfrage oder Volksbegehren zu verstehen.

In ganz Österreich können bei BSO, Verbänden und Vereinen oder auf www.turnstunde.at Unterschriften abgegeben werden. Dass er mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) über Kreuz geraten könnte, glaubt Wittmann übrigens nicht. „Es geht nicht um die Partei, sondern um die Kinder.“

Schmied hat sich ihrerseits nun zumindest zu einem grundsätzlichen Bekenntnis zu einer täglichen Turnstunde durchgerungen. In der Praxis sei eine solche aber noch lange nicht umsetzbar. Das bedürfe einer „massiven Änderung der schulischen Strukturen“, da in deren derzeitigem Rahmen die nötige Stundenanzahl nicht zu bewältigen sei, meinte Schmied. Sie sieht sich dadurch in ihrer Forderung nach einer Ganztagsschule bestärkt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2012)

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23 Kommentare

Furchtbare Ansage

Im Sport lernt man Fairness.
Im Sport lernt man Ehre.
Im Sport lernt man Verlieren.
Im Sport lernt man Vergessen.

Aber Das hat anscheinend das Ministerium vergessen. Ein Sportler bleibt gesund und kostet nicht viel, Dafür muss doch wenigstens als Gesundheitsinvestition Geld zur Verfügung stehen.

dieses land

ist nur noch lächerlich.

Gast: Abdisu (kein Lehrer)
09.09.2012 12:25
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Wie wäre es statt dessen

mit – abwechselnd – je einer täglichen Literatur-, Musik-, Kunst- und Philosophiestunde? Sonst hatschen wir nämlich hinsichtlich unserer zivilisatorisch-humanistischen Grundausstattung bald ärger als ein durchschnittlicher Olympia-Teilnehmer.

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Ein einfaches Rechenbeispiel..

Wenn die Initiative auch löblich sein mag, es von ministerieller Seite wieder als Argument für die Ganztagsschule zu missbrauchen, ist schon ein starkes Stück und noch dazu nicht haltbar:
Zur praktischen Umsetzung in einer durchschnittlich großen AHS mit 650-700 Schülern und einer Klassenanzahl von 28-30 Klassen haben wir derzeit ca. 32-35 Turngruppen (mindestens) - das ergibt nach der derzeitigen Stundentafel 100 Turnstunden wöchentlich und damit bei zwei Normturnsälen pro Schule eine Auslastung von 10 Unterrichtseinheiten pro Tag (Unverbindliche Übungen wie Fußball etc. sind hier noch gar nicht eingerechnet). Bei einer Erhöhung auf 1 Stunde pro Tag steigt der Bedarf an Turnsaalstunden auf 160! Da in der Unterstufe der Unterricht um spätestens 18 Uhr enden muss, brauche ich zumindest einen weiteren Normturnsaal, der sich in einer typischen Innenstadtschule natürlich ganz locker bauen lässt!!
Zum Personalbedarf: Auf Österreich hochgerechnet ergäbe sich ein Mehrbedarf von ca. 1000 Turnlehrern (die natürlich geschlechtsspezifisch eingesetzt werden müssen).
Weiters erhebt sich die Frage, ob diese Turnstunden zusätzlich zur bestehenden Stundentafel (das kostet Geld), oder auf Kosten des restlichen Unterrichts (je nach Altersstufe müssten dann 1-3 Stunden pro Jahrgang gekürzt werden) stattfinden sollen.

Wer Turnunterricht und Höchstleistungssport vermischt,

hat von beidem keine Ahnung. Man sollte das Geld den Sportlern zur Verfügung stellen.

dass sich die sportvereine dafür hergeben

enttäuscht mich etwas, da hätte ich ihnen mehr grips zugerraut. das olympia "debakel" und die daraus folgende hysterie ums schulturnen wird doch nur verwendet, um einen weiteren grund dafür zu haben, die ganztagesschule einzuführen (damit beide eltern 100% hackeln, mehr lohnsteuer blechen und mehr geld für den konsum ergo mwst haben).

das ganze wird sich letztlich an der lohnkostenfrage entscheiden, und da die schottermizzi ja medial wirksam verkündet hat, beim abgegebenen budget zu bleiben brauchts entweder freiwillige unbezahlte sportlehrer oder einen griff in die wunderkiste...

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Vorher denken, Frau Minister

Die dämlichen und unüberlegten Meldungen aus dem Sommerloch gehen also nahtlos in die undurchführbaren Forderungen im Wahlkampf über.

jetzt schon....

.....mein Sohn hat sozusagen jetzt schon täglich Turnstunden da zu den gewöhnlichen schulischen Turnstunden noch 3xwöchentlich Basketball Training und 1x Fußball dazu kommen.......bisserl initiative und Unterstützung der Kinder sollt schon auch von den Eltern kommen

Re: jetzt schon....

wir leben in einer ego-sozialistischen gesellschaft, insb in wien, da darf man keine erwartungen haben!

Gast: Super Gescheit alles!
08.09.2012 14:23
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Keine Steine den Kids in dne Weg legen! - So ganz sicher nicht!!!

Kleine ist sehr aktiv in rhytm. Sportgymnastik, der Stundenplan des neuen Jahres bedeutet mindesten 3 Stunden Training in der Woche weniger und jetzt will man auch den Stundenplan für ein Turnstunde nochmals verlängern, bedeut wahrscheinlich dann das endgültige aus dieses Trainings.

Da wird dann eine Turnstunde eingetauscht gegen zwei Stunden richtigen Sport, das alles ist Supergescheit, und ich fürchte es wird auch schon durch die Reduktion zu erheblichen Gesundheitsproblemen kommen vor allem beim Gewicht, dann wird etwas unheimlich gesundes zu einem unheimlich Krankhaften!

Blöder geht's eh nicht mehr, oder?

P.s.: Das ist kein Einzelfall, die Kids werden massiv in ihrer freiwillig gestalteten Freizeitgestaltung behindert die auch für die Eltern nicht immer lustig sind, vor allem dann wenn es zu Veranstaltungen kommt, und es Schulfreistellungen braucht, derartiges ist dann der nächste Horror pur!

Gast: Eine aufgebrachte Schülerin
08.09.2012 14:11
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Unverständnis

Ich verstehe es einfach nicht. Zu einer täglichen Turnstunde gezwungen zu werden wäre doch völlig sinnlos und unproduktiv. Wie sie sich die finanziell ausgehen soll ist mir auch ein Rätsel. In unserer Schule wurden dieses Jahr die Freifächer Basketball und Volleyball abgeschafft, weil man sich das Betreuungspersonal mehr leisten kann, weil das meiste Geld der neuen Mittelschule zugesteckt wird. Es wäre außerdem sehr unlogisch 5 Turnstunden pro Woche zu haben, wo man in den Hauptfächern Deutsch, Englisch, Mathematik und Fremdsprache jeweils nur 3 Stunden zur Verfügung hat und sich der Stoff vorne und hinten nicht ausgeht. Von dem Chaos um die neue Zentralmatura will ich gar nicht anfangen... Ich denke für einen Großteil der Schüler wäre die tägliche Turnstunde mehr Fluch als Segen und sie würde uns glaube ich auch in keinster Weise einer Olympia-Medaille näher bringen. Wer sporteln will oder talentiert ist, sollte einfach in eine Sportschule gehen und die die andere Interessen haben sollten einfach in Ruhe damit gelassen werden. Niemand hindert die Kinder und Jugendlichen daran sich sportlichen außerschulischen Aktivitäten zu widmen. Unsere Politiker sollten anfangen sich um Dinge zu kümmern die wirklich relevant sind und sich nicht mit solch unnötigen Nichtigkeiten befassen.

Gast: Violent Fungus
08.09.2012 14:08
2 0

Klar. Tägliche Turnstunde.

Und was kürzen wir dafür? Mal wieder den Deutschunterreicht? oder Mathe? Braucht man ja auch nicht. Oder Geschichte, is ja total unnötig.

Wer glaubt, dass das "zusätzlich" kommen kann, hat wohl nicht aufgepasst, was in den letzten 20 Jahren mit dem Bildungssystem passiert ist. Sparen, sparen sparen. Kürzen, kürzen, kürzen.

Also mit anderen Worten: Wenn die tägliche Turnstunde kommt, kostet sie eine tägliche Stunde irgendwas anderes. Aber hey. Lieber Sport, als diese nutzlose Bildungszeug. Schon klar. Lesen und Schreiben wird ja auch überschätzt...total.

Wenn heut Jugendliche aus dem Poly kommen und nicht lesen und rechnen können, dann is das ja nicht so schlimm. Hauptsache, sie hatten ihre tägliche Turnstunde.

Bevor wir nicht bereit sind, mehr Geld in Bildung zu stecken, ist die ganze Diskussion nicht nur nicht hilfreich, sondern sogar schädlich.

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ich verstehe es einfach nicht..

wer, bitte, hindert Junge oder Alte daran sich zu bewegen? Ich habe erst vor Kurzem dies ins Forum geschrieben:
1) lasst die Kinder PS-los in die Schule gehen
2) die umgekehrte Strecke auch zu Fuß
3) seit Vorbild, rauchfreie Wohnung, rauchfreie Autos
4) nicht technisierte Erlebnisparks, über Stock und Stein ist toll
5) Stiegen nehmen, nicht immer Lift
6) in den Einkaufszentren neben der Rolltreppe gehen
7) zu den U-Bahnen über die Stiegen
8) warum hat jeder 15 Jährige einen Benzin-Fuß

wollt ihr noch mehr Möglichkeiten zur Bewegung...

habt ihr da draußen schon eine Ahnung, wie die tägliche Turnstunde organisatorisch geschaukelt werden soll. Herr Schröcksnadel gschafftlns sie dort mit wo sie etwas verstehen, aber lassen sie die Schulen in Ruhe mit ihrer "ich weiß es besser" Art. Davon haben wir in Österreich schon genug!

Re: ich verstehe es einfach nicht..

gute Idee! Man könnte vielleicht mit dem Unfug aufhören, Schülern für eine Buß- oder Bim-Station eine Schülerfreifahrt zu genehmigen (das ist in der Schule meiner Kinder massenhaft vorgekommen).

So ein Unsinn!

10 ganztägige Wandertage pro Schuljahr,verpflichtend auch für alle Lehrer(innen)

mit Freiland-Natur-Erlebnis

würden genügen und BESONDERS manchen Kolleginen nicht schaden,

die massiv unter Bewegungsmangel leiden!

turnen != bewegung

es würde doch vorerst genügen, wenn zumindest einmal pro tag für min 30min aktiv bewegung gemacht wird. dafür sollte es keine extra vielen turnlehrer bedürfen, sondern eine verpflichtende fortbildung in den sommerferien "spass an bewegung" und dann kann das jedeR leherIn :)
und in der früh 10min kurze "streck und atemübungen"

Gast: Dworag H
08.09.2012 09:08
1 1

Ministerin Schmied bekennt sich zu täglicher Turnstunde. Derzeit sei diese aber nicht umsetzbar.

Und wer hat sie den Schülern vor nivht allzu langer Zeit weggenommen?

Eine gewisse Frau Schmied!

Gebt den Kindern lieber wieder ihr (selbstbestimmtes) LEBEN zurück!

Weniger Hausaufgaben, dafür vernetztes Lernen in der Schule und mehr Freizeit!

musikstunde täglich?

Wenns nur ums Aufholen von Defiziten geht, dann wär eine Fußballstunde täglich richtiger, weil Schifahren können wir eh schon?!
Oder anders gedacht: ist Ö nicht für Musik bekannter als für Sport? Dann wär doch eine Musikstunde täglich auch wichtig um den Status zu erhalten oder sogar auszubauen, oder?

Gast: Wir sind die Eltern
07.09.2012 22:47
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Politiker unglaubwürdig

Zu oft haben Politiker diverser Lager versprochen, etwas für die Gesundheit der Kinder zu tun. Geschehen ist nichts. Diese elenden Lügner denken nur an ihre eigen Brieftaschen, nicht an die Zukunft des Landes. Weg mit ihnen! Direkte Demokratie und tägliche Turnstunde jetzt!
Schaffen wir die unnötigen Landtage und den Bundesrat ab, verkleinern wir den viel zu großen Nationalrat und zahlen wir den Politikern nur das, was sie verdienen. Dann wären genug Mittel frei, um die tägliche Turnstunde zu finanzieren! Außerdem würden wir uns viele Bewegungsmangelerkrankungen ersparen!

Re: Politiker unglaubwürdig

Nicht mehr Stunden, sondern weniger führen zu glücklicheren und gesünderen Kindern.

Gast: tzutzutzu
07.09.2012 21:29
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Weiterhin spezielles Sportgym für angehende Spitzensportler

Nachdem ich weder Profisportler noch Sportfunktionär bin kann ich die Logik, die hinter dem Ruf nach mehr Turnunterricht zwecks größerer Sportbegeisterung und mehr Medaillen im Spitzensport steht nicht wirklich verstehen.

Tatsache ist, dass Österreich durch professionelle Sportler an öffentlichen Wettbewerben vertreten ist. Diese werden als Spitzensportler aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit speziell trainiert und, um internationale Leistungen von Sportlern anderer Länder wissend, durch direkte Vergleiche (Zeiten etc.) zw nationalen und internationalen Sportlern gezielt trainiert und ausgewählt.

Das Versagen von London liegt demnach an wem? An den Turnlehrern (und deren wenigen Turnstunden x Jahre vor den Spielen)? An den Trainern (zu schlecht ausgebildet und zu wenig intensiv vorbereitet -> künftig eine Stunde täglich mehr, mind.)? An den Sportlern (zu wenig und zu schlecht trainiert)? Wenn sowohl Trainer als auch Sportler das Maximum / Optimum an sportlicher Vorbereitung geleistet haben, so muss das enttäuschende Ergebnis andere Ursachen haben, zB im mentalen Bereich liegen. Wäre dann nicht mehr Psychologieunterricht (;-)) förderlich, zB täglich (Stressbewältigung etc.) als eine tägliche Turnstunde (von der ich mir persönlich nicht erwarte, dass explizit aus dieser die Spitzensportler hervorgehen und das Interesse an einer evtl. nicht unterrichteten Sportart geweckt wird)!? Sport soll auch künftig gezielte Freizeitbeschäftigung bleiben - oder Sportgym (wie gehabt) ...!

Re: Weiterhin spezielles Sportgym für angehende Spitzensportler

Das „Problem“ ist leicht erklärt: Österreich ist ein Land mit nur 8.440.000 Einwohnern, gegenüber Deutschland mit 81.840.000 Einwohner. Weniger Einwohner bedeuten automatisch weniger außergewöhnliche Talente, rein statistisch gesehen.

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