20.06.2013 09:57 Merkliste 0

ÖVP-Experten wollen Lehrer 40 Stunden in der Schule

 (Die Presse)

Der Think-Tank "Unternehmen Österreich 2025" fordert Volksbefragung zur Bildungsreform, die mittlere Reife und Ethikunterricht für alle. All das widerspricht der ÖVP-Parteilinie. Experten sind um Beruhigung bemüht.

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Wien/Apa/J.n. Für Aufregung sorgt die von ÖVP-Chef Michael Spindelegger eingesetzte Expertengruppe „Unternehmen Österreich 2025“. Ihre bereits vor der öffentlichen Präsentation bekannt gewordenen Reformvorschläge im Bildungsbereich dürften die ÖVP-Parteilinie – quasi kontinuierlich – durchkreuzen. Wenig erfreut dürfte darüber nicht nur Spindelegger selbst sein, sondern auch die ÖVP-dominierte Lehrergewerkschaft. Der wohl aufsehenerregendste Reformpunkt trifft sie:

Lehrerarbeitszeit. Die Expertengruppe heizt die Debatte um das Lehrerdienstrecht erneut an. Sie fordern, dass Lehrer 40 Stunden pro Woche in der Schule anwesend sind. Dabei soll es eine Kernunterrichtszeit von neun bis 15 Uhr geben. Mehr noch: Auch die Ferienzeit soll eingeschränkt werden. Nur noch sechs Wochen sollten den Lehrern zur Verfügung stehen. Außerdem sollten sie zur Absolvierung von Fortbildungskursen verpflichtet werden.
Ethik für alle. Die Front der ÖVP gegen einen Ethikunterricht für alle ist stark. Ethik soll nur für jene Schüler verpflichtend sein, die keinen Religionsunterricht besuchen, so die Parteilinie. Die Expertengruppe sieht das völlig anders. In ihrem Papier fordern sie einen verpflichtenden Ethikunterricht für jeden einzelnen Schüler.
Mittlere Reife. Die mittlere Reife galt einst als großes bildungspolitisches Vorhaben der ÖVP. Der ursprüngliche Plan: Kein einziger Schüler sollte die Schule verlassen, ohne das Level der mittleren Reife erreicht zu haben. Auch wenn das bedeute, dass die Schulpflicht nicht automatisch nach neun Jahren endet. Von diesem Plan rückte die Volkspartei bereits vor einiger Zeit ab. Wenig später geriet das Konzept in Vergessenheit. Nicht bei der Expertengruppe. Sie fordern, dass die Schulpflicht erst mit dem Abschluss der mittleren Reife endet. Außerdem soll die an die Volksschule anschließende Sekundarstufe eins auf fünf Jahre verlängert werden.
Bildungs-Volksbefragung. Für Spindelegger ist klar: Eine Volksbefragung zu Bildungsthemen wird es nicht geben. Ungeachtet dessen regten einzelne Parteimitglieder – allen voran der Wiener ÖVP-Landeschef Manfred Juraczka – eine Volksbefragung zur Wiedereinführung von Studiengebühren an. Die Expertengruppe geht auch hier noch einen Schritt weiter. Sollten die Weichen für eine Reform des Lehrerdienstrechts, der Lehrerausbildung und der Schulverwaltung bis zum Frühjahr 2014 nicht gestellt sein, sei eine Volksbefragung zu diesen Themen vorstellbar.
Ganztägige Schule. In diesem Punkt weicht der Vorschlag der Expertengruppe nicht von der Parteilinie – die sich in den vergangenen Wochen etwas aufgeweicht hat – ab. Die ganztägige Schule soll zwar nicht verpflichtend, aber flächendeckend vorhanden sein.
Neue Direktionen. Schuldirektoren sollen mehr Verantwortung übernehmen. So sollen sie sich etwa ihre Lehrer selbst aussuchen können. Eingeschränkt soll hingegen ihre Funktionsperiode werden. Sie sollen nur noch auf Zeit bestellt werden können.
Faszination Gesellschaft. Die geltende Fächerstruktur soll völlig aufgelöst werden. Um vernetztes Denken zu fördern, fordert die Expertengruppe einen Ausbau des fächerübergreifenden Unterrichts. So sollen die Fächer Geschichte, Geografie, Religion und Politik zu einem gemeinsamen Fach mit dem Namen „Faszination Gesellschaft“ zusammengefasst werden.
Urlaub für Schüler: Freuen dürften sich die Schüler über die Vorschläge der Expertengruppe. Denn sie sollen bis zu 14 Tage individuellen Urlaub beantragen können. Die Sommerferien sollten hingegen auf sieben Wochen verkürzt werden. Dafür soll es Herbstferien geben.

Die Gruppe – in der 200 Experten aus unterschiedlichsten Bereichen sitzen – ist angesichts der zu früh bekannt gewordenen Details um Beruhigung bemüht. Diese würden nicht der Endversion entsprechen, sagt Sprecher Christoph Hörhan, der seine Initiative zudem als „parteiunabhängig“ verstehen will. Derzeit sei man noch in einem Diskussionsprozess. Das endgültige Konzept werde erst am 8.Oktober präsentiert. Der „Presse“ bestätigten Mitglieder der Expertengruppe dennoch, dass die öffentlich gewordenen Details den Vorhaben der Gruppe entsprächen.

Übrigens: Zu einem anderen kontrovers diskutierten Thema hat sich die Expertengruppe bereits im Juli geäußert. Die Rede ist von der Gesamtschule. Auch hier stellte sich die Expertengruppe gegen die ÖVP-Linie und sympathisiert mit der gemeinsamen Schule.

Die SPÖ selbst machte in Sachen Gesamtschule am Dienstag indes einen Rückzieher. Kanzler Werner Faymann sprach sich dagegen aus, die Umsetzung der Gesamtschule bis zum Jahr 2018 zur Koalitionsbedingung zu machen. Genau das hatte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter nur wenige Tage zuvor gefordert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2012)

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474 Kommentare
 
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Gast: bergziege
29.09.2012 10:52
7 1

Kein Ende in Sicht,

dass sich Leute, die mit Unterricht und Schule nichts aber gar nichts zu tun haben, einmischen und wissen wollen, was dort zu geschehen hat.

Re: Kein Ende in Sicht,

Liebe Ziege, bevor du meckerst, bedenke folgendes:
der Steuerzahler hat das Recht zu fordern,
dass das Schulsystem effizient ist.
Tatsache ist, das in Österreich die Ausgaben über den Durchschnitt liegen und die Leistungen leider darunter.
Tatsache ist auch, dass z.B.in Finnland die Nachhilfe fast unbekannt ist.
Statt zu meckern, arbeite aktiv zur Behebung der Defizite mit.

Die im Dunkeln sieht man nicht.

Wer sind diese anonymen "Experten"? Bitte um Namen!

Gast: Gelbes Rübchen
28.09.2012 17:30
2 0

Verirrt?

Was hat der Mutter-Kind-Pass mit der Schule zu tun? Werden da fein säuberlich nach österreichischer Manier Kraut und Rüben vermischt damit ja niemand weiß wer wofür zuständig ist und die Schuld den anderen in die Schuhe schieben kann?

Gast: Traumjob Lehrer
28.09.2012 17:27
2 9

Sind Lehrer lauter Waserl?

Wieso können Lehrer nicht 40 Stunden an der Schule arbeiten? Alle anderen können das doch auch? Sind Lehrer pauschal unfähiger, schwächer, labiler als andere Menschen?

Re: Sind Lehrer lauter Waserl?


Ist das als Frage gemeint oder als Behauptung im Sinne von: "Die hackeln eh nix"?

Antworten Gast: hans2
28.09.2012 21:46
3 1

Re: Sind Lehrer lauter Waserl?

Es gibt in Österreich (gar nicht so wenige) Schulen, in denen nicht alle Lehrer gleichzeitig im Konferenzzimmer Platz finden. Eigene Lehrerbüros gibts gar nicht. Wo also sollen die Lehrer die 40 Stunden arbeiten? Sosehr ich für eine längere Anwesenheit der Lehrer an den Schulen bin, muss ich der Gewerkschaft doch recht geben: Das wird große Um- und Zubauten nötig machen.

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Die ÖVP ist nun auch in Schulfragen offiziell daneben.


Wo gibt es das?


Der Direktor geht in Pension, der Zentralbetriebsrat wird sein Nachfolger!

Nicht in der Privatwirtschaft, wohl aber in Schulen!

Sollte Neugebauer tatsächlich und hoffentlich bald abtreten,

Kimberger wäre ein ganz toller Nachfolger.
Ein Betonklotz weg, eine Straßenwalze kommend.

Gast: Eulenspiele
27.09.2012 13:08
4 0

Dienstgeber gefragt

Auch diese 437 Kommentare sind einerseits hilflose Erklärungs- und Rechtfertigungsversuche und andererseits bissig hämische Angriffe.

Den Lehrern ins Stammbuch: Man kann alles erklären - aber nicht allen Menschen.

Was aber macht der Dienstgeber? Stellt er sich schützend vor seine Untergebenen? Lässt er die Diskussion treiben? sieht lächelnd anderen Zielen entgegen?

Minister und Präsidenten der Landesschulräte sind gefragt.

9 0

Re: Dienstgeber gefragt

Dem Dienstgeber ist das sogar recht! Lehrer und Gewerkschaft schlecht gemacht und schon geht`s viel leichter mit den Einschnitten; das Geld braucht man ja für die Rettung der Banken.

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Man bräuchte nur die Experten fragen, die seit Jahren

oder Jahrzehnten diese Arbeit machen. Aber dazu reicht es ber ÖVP offensichtlich nicht mehr.

Ich erwarte mir:


Ich erwarte mir von einem Lehrer, dass er meinem Kind etwas beibringt, Freude am Lernen weckt, Interesse weckt und auf das Leben vorbereitet, dass er ausgezeichnete Unterrichts- und Erziehungsarbeit leistet, indem er mein Kind fordert und fördert, und das kompetent und nach dem Stand der Wissenschaft.
Ich erwarte mir nicht, dass er die Hausübungshefte in einem nicht vorhandenen Büro verbessert, sondern dass er sie so verbessert, dass mein Kind aus den Rückmeldungen profitiert, wo, ist mir blunzen.

Ich erwarte mir, dass man für ausgezeichnete Lehrer auch einen ausgezeichneten Gehalt bezahlt, der genau diese Arbeitsleistungen abdeckt, die sich logischerweise ungleich über das Jahr verteilen, sodass neben 5 Wochen Urlaub auch flexibler Zeitausgleich steht.

1 1

Re: Ich erwarte mir:

Es gibt keine freie Urlaubswahl - dem Urlaubswunsch muss der Vorgesetzte zustimmen. Einen Teil des Urlaubs im Sommer muss allerdings gewährt werden!
Zusätzliche Arbeit wird i.d.R. nicht abgegolten. Umdefinition der Arbeit etc. sind normal...

0 1

Re: Re: Ich erwarte mir:

Geh in die WKO, da hast du ab und zu auch das Recht auf 1 Jahr Urlaubssperre oder manchmal auch nur 1 Woche Urlaub im Sommer, die dann diskutiert wird!

0 1

Warum bin ich Selbstständig geworden?

Weil diese Seite die Bessere ist, zwar vom einkommen schlechter, unsicherer, aber 1000x flexibler. Außerdem leistet die Vertretung zu 2/3 was.

0 0

Wieso - ?

die AK leistet zu 1/3 was und verursacht gleichzeitig 1/3 Schaden, die Apothekerkammer leistet fragliches und die WKO ist mit 2/3 da eher im Spitzenfeld von allen Kammern

Gast: selberlehrer
26.09.2012 22:09
12 3

man gebe

den Lehrenden einen eigenen Schreibtisch, einen PC, ein oder mehrere Regale und die sonst notwendigen Arbeitsmaterialien, auf Kosten der Schule natürlich. Dann sind wir dort, wo auch andere (Firmen-) Angestellte sind, die Berufe dieser Art ausüben. Dazu freie Urlaubszeitwahl unterm Jahr sowie vom Betrieb zur Verfügung gestellte Supervision (wie in Sozialberufen üblich) und bezahlte Überstunden über die 40 Std hinaus. Nur Pflichten einzufordern ohne alle dazugehörigen Rechte wird nun einmal nicht umsetzbar sein.

Re: man gebe

Aber das ist auf jeden Fall teurer als das jetzige System. Die Schüler werden kein Deut besser unterrichtet. Aber dir Neidgesellschaft ist zufrieden.

Gast: Titanic100
26.09.2012 22:05
21 5

LEHEREBASHING IST EIN SCHUSS INS KNIE!

Ich finde es so grauslich, dass Leute über unseren Beruf urteilen, DIE ÜBERHAUPT KEINE AHNUNG HABEN und außerdem den primitiven Neidkomplex in den Vordergrund stellen.

Es ist ihnen offensichtlich egal

wenn die Lehrer aufgrund der Arbeitszeiterhöhung ein Burnout bekommen

wenn die Motivation der Lehrer auf dem Tiefststand sein wird

wenn Lehrer nur mehr das Notwendigste tun werden

wenn es keine Schikurse und Projektwochen mehr geben wird

wenn für die Erstellung von Arbeitsblättern keine Infrastruktur vorhanden sein wird

wenn die Lehrer keinen Cent aus der eigenen Tasche mehr für Unterrichtsmaterial ausgeben werden

wenn die Lehrer keine Minute länger als die 40 Stunden arbeiten werden (und wenn die Schularbeiten 2 Wochen IN DER SCHULE liegen bleiben)

.....

SEHR KURZSICHTIG!!!

Die primitiven Lehrerbasher kapieren nicht, dass Verschlechterungen beim Dienstrecht der Lehrer hauptsächlich die Schüler ausbaden müssen.

denn:

Die Lehrer werden sicher NICHT LÄNGER ARBEITEN ALS JETZT.

Sie werden aber, weil die 40 Stunden ja schon in der Schule gearbeitet worden sind, zu Hause NICHTS TUN. Und sie werden nicht bereit sein, etwas ZUSÄTZLICH zu tun.

AUßERDEM:

Zu Hause wird zuerst das Arbeitszimmer ausgeräumt und in einen Freizeitraum umgewandelt (DVD Studio, Fitnessraum, Partyraum...). Statt der Schularbeitskorrekturen wird gekocht und Wein verkostet.

DAS WIRD DIE QUALITÄT DES UNTERRICHTS SICHER HEBEN. ALLE NEIDIGEN WERDEN VOR FREUDE AN DIE DECKE SPRINGEN.




Re: LEHEREBASHING IST EIN SCHUSS INS KNIE!

Sie haben es erfasst!

Gast: sozisundabsurdistan
26.09.2012 21:47
9 0

die sozialistischen pseudoexperten der banken und finanzmärkte können tagtäglich ihren unsinn in den medien verbreiten. aber die echten experten(lehrer) werden nicht einmal mehr zu Rate gezogen!


Einstellung der Lehrergewerkschaft:


völlig absurd!
Das Problem sind nicht die Mehrheit der Lehrer, sondern die Minderheit dieser Gewerkschaftsvertreter!

Re: Einstellung der Lehrergewerkschaft:


Genau das ist ja das Ziel der Zwischenrufer: Einen Keil zwischen die Dientnehmer und die gewählten Vertreter zu treiben.

Gast: Laimer N
26.09.2012 21:23
16 3

Bald haben sie es geschafft, die Experten und der Pöbel

Die Zukunft unseres Landes, die Schule mit ihren Schülern zu zerstören.

 
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Eduard 2013

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