Wien/Mpm. Es können Drohungen per SMS sein, Beleidigungen oder unvorteilhafte Fotos, die im Internet verbreitet werden, Belästigungen via E-Mail: Cyber-Mobbing hat viele Facetten, betroffen sind besonders Jugendliche, die bekanntlich deutlich internetaffiner (so gut wie alle sind etwa auf „Facebook“) sind als ältere Generationen.
So gibt knapp ein Viertel der Jugendlichen (von elf bis 19 Jahren) an, schon einmal im Internet „blöd angemacht“ worden zu sein, ebenso viele berichten davon, dass schon einmal „Unwahrheiten über mich verbreitet wurden“. Jeder Dritte kennt Freunde, die online beschimpft wurden. Da zeigen Befragungen des Instituts für Jugendkulturforschung, die Matthias Rohrer, am Institut auf den Bereich Jugend und Medien spezialisiert, kürzlich präsentiert hat.
Allerdings, so Rohrer, seien die (wenigen) vorhandenen Daten zum Thema Cyber-Mobbing mit Vorsicht zu genießen. Der „Graubereich“ (Wo beginnt „Mobbing“? Was fällt unter normale Streitigkeiten, die online ausgetragen werden?) sei groß. Überhaupt sei Cyber-Mobbing auch so problematisch, weil es zwar allgegenwärtig – Rohrer ortet einen Anstieg in den vergangenen Jahren –, gleichzeitig aber – auch rechtlich – kaum festzumachen sei. „Die Gesetze hinken der Realität um Jahre hinterher.“ Sich bei Belästigungen im Internet an Eltern oder Lehrer zu wenden, kommt für die meisten Jugendlichen, wie eine Studie zeigt, nicht infrage. Die meisten regeln das Problem selbst. Was sehr oft so viel heißt wie: Sie mobben selbst. „Sehr viele“, sagt Rohrer. „sind beides – Opfer und Täter.“ Das unterscheide Cyber-Mobbing klar vom Mobbing im „echten“ Leben, wo Opfer selten Täter werden. Während offline Mädchen eher Opfer sind und Buben eher Täter, mobben online beide Geschlechter gleichermaßen.
Da sich das Leben der Teenager zu einem großen Teil online abspielt, bleiben auch Mobbingopfer in den Netzwerken präsent. „Der Verzicht auf digitale Medien ist für Jugendliche keine Option.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2012)
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